Amazon will Phorm nicht
Internetanbieter entscheidet gegen das umstrittene Werbesystem
Der Internethändler Amazon wird dem Werbeanbieter Phorm nicht erlauben, Daten von seinen Seiten für personalisierte Werbung zu nutzen. Gründe gab das Unternehmen nicht an. Britische Bürgerrechtler hoffen, dass sich weitere Anbieter anschließen.
Amazon hat angekündigt, seine Seiten für das umstrittene Werbesystem Webwise des Anbieters Phorm zu sperren, berichtet die BBC. Das bedeutet, Phorm darf keine Daten, die bei der Nutzung von Amazon-Seiten entstehen, für personalisierte Werbung nutzen.
Phorm räumt Anbietern das Recht ein, der Nutzung ihrer Sites für personalisierte Werbung zu widersprechen. Die Bürgerrechtsbewegung Open Rights Group hatte in März 2009 eine Reihe von großen Anbietern, darunter auch Amazon, aufgefordert, von dieser Option Gebrauch zu machen.
Amazon machte keine Angaben darüber, ob es diese Aufforderung war oder das von der Europäischen Kommission eingeleitete Verfahren gegen Großbritannien wegen des Phorm-Werbesystems, die das Unternehmen zu der Entscheidung bewogen haben. In einer Mitteilung heißt es lediglich, man habe Phorm mitgeteilt, das System "für alle unsere Domains" nicht zuzulassen.
Amazon ist das erste große Internetunternehmen, das das Werbesystem von Phorm nicht zulässt. Die Open Rights Group begrüßte die Entscheidung. Neben Amazon haben der Bloganbieter Livejournal, das E-Demokratie-Projekt mySociety sowie die Community Netmums gegen Webwise optiert.
Die Entscheidung gegen Phorm sei eine Entscheidung für den Schutz der Privatsphäre ihrer Nutzer und ihrer Marke, so die Open Rights Group. "Wir erwarten, dass bald auch weitere Websitebetreiber Webwise sperren und dass auch die Provider ihre Pläne, den Nutzern hinterherzuschnüffeln, fallenlassen werden."
Das Konzept von Phorm sieht vor, dass die Datenströme der Nutzer per sogenannter Deep Packet Inspection durchforstet und analysiert werden. So werden Nutzerprofile erstellt, zu denen Phorm dann passende Werbung ausliefert. Phorm und die British Telecom (BT), die das System einsetzen will, wollen Nutzern lediglich die Möglichkeit zum "opt-out", also zur Ablehnung einräumen. Gegner des Systems bestehen aber darauf, dass die Nutzer explizit zustimmen ("opt-in") müssen. Erste Tests des Systems hatte BT ohne Wissen und Einwilligung der Nutzer durchgeführt.
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