Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Spieletest: Der Pate 2 - Angebot zum Ablehnen

EAs Spiel zum Filmklassiker "Der Pate" enttäuscht mit müder Handlung. Die Filme sind Klassiker, aber als Video- und Computerspiel tut sich die Familie von Don Corleone bislang schwer. Im neuen Actionspiel in der Umsetzung von Electronic Arts sorgt zwar ein Strategiemodus für etwas Spannung, aber Der Pate 2 hat technische und inhaltliche Probleme.
/ Peter Steinlechner
100 Kommentare undefined News folgen (öffnet im neuen Fenster)

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Es beginnt mit einer Party: Genau wie der typische Mafiafilm fängt auch das Computerspiel Der Pate 2 mit einer Feier an – mit sizilianischer Musik und Tanz – und natürlich mit der versammelten Familie. Die trifft sich am letzten Tag des Jahres 1958 auf Kuba und muss mitten in der Nacht fliehen, als die kommunistischen Revolutionäre unter Che Guevara und Fidel Castro die Macht erobern. Der Rückzug des amerikanischen Corleone-Clans ist zugleich ein Tutorial, das den Umgang mit der Waffe und anderen grundlegenden Elementen erklärt. Wenig später geht es dann in New York richtig los: Da hat der Spieler als Nachwuchs-Don-Dominic seinen eigen Clan und die Aufgabe, sich gegen konkurrierende Mafiafamilien durchzusetzen.

Durch die Handlung, die den Spieler auch nach Florida und gegen Ende erneut nach Kuba verschlägt, führen Pflichtmissionen. Dominic muss feindliche Mafiosi oder auch mal einen Gewerkschaftsboss ausschalten, einfache Botengänge erledigen oder einen Politiker in ein Bordell locken. Daneben hat der Spieler aber die Möglichkeit, die Städte zu Fuß oder im Auto auf eigene Faust zu erkunden. Klingt nach GTA 4, ist aber wesentlich einfacher gestrickt, denn die Orte sind viel kleiner, und es gibt so gut wie keine Aufgaben, die sich nebenbei erledigen lassen. Bis auf eine große Ausnahme: den neuen Don-Modus.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Darin agiert der Spieler auf einer Übersichtskarte. Er sieht sein gesamtes Imperium und das der feindlichen Clans. Wer nun seinen Machtbereich vergrößern und die monatlichen Einnahmen erhöhen möchte, macht sich auf den Weg zu einem feindlichen Gebäude und kämpft sich durch die Reihe der Bodyguards. Sobald der örtliche Unterboss gefunden ist, kann der Spieler ihn durch geeignete Maßnahmen "überreden", künftig für ihn zu arbeiten – wobei der Inhalt dieser "Gespräche" je nach Gegenüber irgendwo zwischen ein paar kameradschaftlichen Schubsern und vergleichsweise harter Folter liegt. Allerdings sind die anderen Familien nicht untätig und greifen von sich aus die Besitztümer des Spielers an. Wer ein Gebäude nicht mit ausreichend Wachen sichert, kann es auch verlieren.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Extrem unglaubwürdig für ein Spiel im Mafiaszenario: Wenn der Spieler auf der Übersichtskarte alle Betriebe eines Typs erobert, bekommt er besondere Vorteile. Wer etwa den Juwelenschmuggel unter seine Fittiche gebracht hat, verfügt für sich und seine Mitstreiter über kugelsichere Westen. Taktisch wird es, wenn der Feind über solche Möglichkeiten verfügt. Dann kann sich der Spieler entweder direkt in den Kampf stürzen, oder er schickt einen Mitarbeiter los, der einen gegnerischen Schmuggelbau in die Luft jagt – im selben Moment ist der Feind wieder normal angreifbar.

Die Kämpfe, in denen der Spieler sein Alter Ego von hinten sieht, setzen auf eine Mischung aus Prügeleien und Schießereien und sind allesamt im einzigen verfügbaren Schwierigkeitsgrad extrem einfach. Aus der Nähe verhaut der Spieler seine Gegner durch simples Knöpfchendrücken, aus der Distanz wählt er Feinde mit dem Fadenkreuz aus und muss dann nur noch feuern – Treffer sind quasi garantiert.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Der Pate 2 ist auf Xbox 360 und Playstation 3 für rund 70 Euro erhältlich. Außerdem gibt es eine Fassung für Windows-PC, die gegenüber den Konsolenversionen deutlich abfällt. Zum einen hat EA die Steuerung nur schlecht an Maus und Tastatur angepasst. Das gilt in der Don-Ansicht, aber auch das ganz gewöhnliche Laufen und Fahren fühlt sich unrund an und macht weniger Spaß als mit Gamepad. Zum anderen gibt es auf vielen Systemen starke Ruckler und Tonaussetzer – nicht nur im Spiel, sondern aus bislang ungeklärten Ursachen auch schon im Intro. Offiziell benötigt das Spiel mindestens einen Rechner mit einer auf 2,8 GHz getakteten CPU, unter Windows XP 1 GByte und unter Vista 2 GByte Speicher, sowie rund 10 GByte Platz auf der Festplatte. Die Grafikkarte muss über mindestens 256 MByte Speicher und Shader-Model 3.0 verfügen. Das Spiel verwendet SecuRom in der Variante mit Onlineaktivierung als Kopierschutz – dafür muss die DVD beim Spielen nicht im Laufwerk liegen. Im Multiplayermodus können bis zu 16 Spieler antreten.

Hierzulande erscheint Der Pate 2 in einer vollständig übersetzten Version. Für die deutsche Sprachausgabe hat Electronic Arts einige bekannte Synchronsprecher angeheuert, das Ergebnis klingt sehr künstlich und wenig engagiert – was wahrscheinlich daran liegt, dass die Sprecher ihre Sätze ohne Blick auf die zu vertonenden Bilder werfen mussten, was bei Computerspielen oft der Fall ist. Auffällig sind auch einige starke Lautstärkeunterschiede zwischen automatisch ablaufenden Sequenzen und Multiple-Choice-Dialogen. Die deutsche Version ist gegenüber der US-Fassung leicht entschärft. So kann der Spieler beispielsweise mit dem Auto keine Passanten überfahren. Die USK hat das Programm nur für Erwachsene freigegeben.

Fazit

So ein Don duldet ja eigentlich kein Mittelmaß – als virtueller Mafiosi tritt man mit Haut und Haaren der Familie bei oder gar nicht. In Der Pate 2 ist das anders: Das Spiel macht halbwegs Spaß, ist aber meilenweit von echter Klasse entfernt. Technisch wirkt die Grafik etwas zu detailarm, zu grau und sie weist zu viele Fehler auf – aber ein wenig Flair und Atmosphäre kommen rüber. Ähnlich sind KI, Steuerung, Fahrphysik und Sound gelagert: Geht noch in Ordnung, aber letztlich war bei der teuren Lizenz viel mehr zu erwarten. Der Strategiemodus ist noch vergleichsweise gut gelungen, dafür haben Handlung und die müden Dialoge erstaunliche Schwächen.


Relevante Themen