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Test: Dell Latitude XT2 - 12-Zoll-Tablet-PC mit Multitouch

Das volle Potenzial ist erst mit Windows 7 zu erwarten. Dells Latitude XT2 ist ein Notebook, das sich mit mehreren Fingern auf einem Touchscreen bedienen lässt. Und es kann in einen Tablet-PC verwandelt werden. Das hat viele gute Seiten, wie der Test zeigt. Allerdings wird Multitouch erst mit Windows 7 richtig Spaß machen.
/ Andreas Sebayang
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Dell hat mit dem Latitude XT2 einen zweiten Tablet-PC vorgestellt. Seine Besonderheit ist, dass er auch mit mehreren Fingern bedienbar ist. Das XT2 mit seinem Multitouch-Bildschirm basiert auf der aktuellen Montevina-Generation von Intel. Es verspricht daher wenig Leistungsaufnahme, lange Akkulaufzeiten und hohe Geschwindigkeit.

Das von Dell zur Verfügung gestellte Vorseriengerät war mit einem Core 2 Duo SU9400 (1,4 GHz) sowie Intels GS45-Chipsatz, der den GMA 4500 MHD als Grafikkern nutzt, ausgestattet und verfügte über 3 GByte RAM. Die ungerade Summe ergibt sich aus dem Umstand, dass 1 GByte fest auf dem Mainboard verlötet ist, während die anderen 2 GByte auf einem herkömmlichen DDR3-SO-DIMM stecken. Der Maximalausbau, der von Dell angeboten wird, liegt bei 5 GByte und fordert dann ein 64-Bit-Windows. Auf dem Testmuster lief Windows Vista Business in der 32-Bit-Version.

Statt einer herkömmlichen Notebookfestplatte ist im Latitude XT2 nur Platz für ein 1,8-Zoll-Laufwerk, das Dell auch mit 5.400 U/min anbietet. Im Handel finden sich meist nur Modelle mit 4.200 U/min. Anders als beim Vorgänger, dem Latitude XT , ist es diesmal eine SATA-Festplatte. Der Austausch durch eine SSD ist also kein großes Problem, da in diesem Formfaktor eine Auswahl vorhanden ist. Beim Vorgänger war es ratsam, sich gleich für eine SSD zu entscheiden, da SSDs mit PATA-Anschluss im 1,8-Zoll-Formfaktor am Markt nicht erhältlich waren.

Beim Testmuster waren diese Gedankenspiele aber nicht notwendig, denn das XT2 kam mit einer 64 GByte großen SSD von Samsung. Besonders bei den Installationsarbeiten fiel das positiv auf. Die Installation von Microsofts OneNote dauerte nicht länger als zwei Minuten. Auch andere Software, die sich aufgrund der vielen Zugriffe auf die Festplatte gern viel Zeit nimmt, war fix installiert. In den Benchmarks zeigte sich dann die Überlegenheit der SSD gegenüber einer Festplatte – zumindest im 1,8-Zoll-Format.


Das Display misst in der Diagonale 12 Zoll und bietet eine Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln. Insgesamt bietet Dell zwei Displays an. Ein normales LED-Display und ein sogenanntes DLV-Display (Day-Light-Viewing), das besonders hell ist und im Test auch unter direktem Sonnenlicht gut ablesbar war.

Das DLV-Panel ist jetzt mit LEDs ausgestattet, die sich auch um die Hintergrundbeleuchtung kümmern. Der Vorgänger nutzte noch eine herkömmliche CCFL-Hintergrundbeleuchtung. Hatte sich der Anwender für ein DLV-Panel entschieden, war dies beim ersten Latitude XT deutlich dicker als die normale Displayvariante, die schon sehr hell war. Zum DLV-Panel des XT2 gehört auch ein Lichtsensor. Laut Dell soll auch das XT2 mit normalem Display einen Lichtsensor haben. Beim Vorgänger war das noch nicht der Fall.

Der Lichtsensor des XT2 begann bei wenig Umgebungslicht irritierenderweise das Display leicht hoch- und anschließend wieder herunterzuregeln. Trotzdem ist der Sensor auch im Dunklen praktisch, denn mit dem Umgebungssensor umgeht Dell Schwächen von Windows Vista bei den Helligkeitseinstellungen, die Microsoft in einem Knowledge-Base-Artikel dokumentiert(öffnet im neuen Fenster) hat.

Nach einem Stand-by oder einem Stromsparzustand des Displays wird die voreingestellte Helligkeit wieder gesetzt. So lange der Anwender keine Profile für verschiedene Tageszeiten einrichtet und zwischen ihnen wechselt, wird er abends vom Display geblendet oder bekommt tagsüber ein zu dunkles Display.

Microsoft selbst hat nicht vor, dieses Verhalten unter Windows Vista zu ändern. Es handelt sich um eine Designentscheidung. Erst die Beta von Windows 7 verhält sich so, dass der Nutzer auch helle Displays angenehm nutzen kann. Das beobachtete Golem.de bei der Betaversion von Windows 7.

Das Latitude XT2 als Notebook

Als Notebook ist das Latitude XT2 keine große Besonderheit, bietet aber angesichts des Formfaktors viele Anschlüsse. Firewire 400 (vierpolig), ein SDHC-Schacht, Audio-Ein- und -Ausgänge sowie ein GbE-Netzwerkanschluss sind vorhanden. Für Erweiterungen gibt es einen ExpressCard/54-Schacht. Drei-USB-Anschlüsse verteilt Dell an drei Seiten: links, rechts und hinten. Das ist vor allem im Tablet-Modus praktisch, da ein USB-Anschluss immer leicht zugänglich ist.

Der hintere USB-Anschluss besitzt oberhalb noch einen zusätzlichen Anschluss für stromhungrige Geräte. So lässt sich etwa ein Brenner ohne Netzteil anschließen. Dieses Zubehör gehört zur Latitude-D-Serie. Das XT2 gehört aber auch zur Latitude-E-Serie , wie am rechten USB-Anschluss zu sehen ist. Er ist ein kombinierter USB- und eSATA-Anschluss, an den das neuere Latitude-E-Zubehör passt. Der eSATA-Teil kümmert sich um den Datentransfer, während über die USB-Leitungen Energie zugefügt wird. Das Latitude XT2 nimmt damit im Produktangebot von Dell einen Sonderstatus ein.

Die Tastatur ist angenehm leise, wenn auch etwas lauter als bei anderen Geräten dieser Art. Das Tastenlayout gefällt, nur die rechte verkürzte Umschalttaste nervt beim Schreiben von Texten. Wer eine breitere Umschalttaste gewöhnt ist, tippt häufig versehentlich auf die rechts danebenliegende Bild-Auf-Taste. Dass die linke Steuerungstaste am Rand ist und nicht durch die Fn-Taste gestört wird, entschädigt dafür. Auf der rechten Seite fühlte sich unser Testmuster beim Tippen etwas anders an und hatte auch einen anderen Tippklang. Es machte den Eindruck, als sei die rechte Seite nicht ganz so fest im Gehäuse verankert wie die linke Seite der Tastatur. Das liegt hoffentlich am Vorserienstatus des Geräts.

Das Trackpad ist wie beim Vorgänger klein geraten. Da der Treiber aber gut arbeitet und den Scrollbereich zuverlässig nutzbar macht, gewöhnt sich der Anwender schnell daran. Alternativ gibt es auf dem Notebook noch einen kleinen Trackstick(öffnet im neuen Fenster) . Die Mausersatztasten der Tracksticks sind stark versenkt, was die Nutzung erschwert. Die mittlere Maustaste wird durch das Drücken beider Mausersatztasten aktiviert.

Statusleuchten gibt es beim XT2 zur Genüge. Sie erstrahlen alle in einem angenehmen Blau. Eine Tastaturbeleuchtung gibt es aber nicht. Im Design ist das Notebook auffällig unauffällig, ihm ist nicht anzumerken, was es verbirgt. Nur die kleine Erhebung am Display für die UMTS-Antenne fällt etwas auf. Unser Modell kam ohne UMTS-Modem. Mit einem UMTS-Modem muss nur eine SIM-Karte in einem Slot innerhalb des Akkufachs eingelegt werden, und schon kann der Anwender online gehen. Wer kein Modem eingebaut hat, kann auch den ExpressCard/54 für solche Erweiterungen nutzen. Allerdings stören ExpressCards im Tablet-Modus, denn der Schacht zeigt zumindest für Rechtshänder nach unten. Deshalb sollte sich der Anwender ein UMTS-Modem bei der Bestellung einbauen lassen.

Drahtlos kann das XT2 auch über Bluetooth 2.1+EDR und WLAN kommunizieren. Für das WLAN stehen insgesamt vier verschiedene interne Karten zur Verfügung. Im Testgerät befand sich die WLAN-Karte 5100 AGN von Intel, die auch den 802.11n-Draft unterstützt. Wer will, kann bei der Bestellung auf WLAN verzichten.

Seine Stärken zeigt das Latitude XT erst im Tablet-Modus. Dazu wird das Display um 180° gedreht. Dieser Modus ist vor allem unterwegs praktisch, da im Stehen oder sogar im Laufen gearbeitet werden kann. Aber auch bei beengten Verhältnissen, etwa im Billigflieger oder im Bus, ist der Tablet-Modus hilfreich. Das Gelenk dient dabei als stabilisierender Griff. Die Sorge, das Gelenk könne irgendwann nachgeben, scheint unbegründet: Es macht einen besser verarbeiteten Eindruck als so manches Scharnier herkömmlicher Notebooks. Das muss so sein, schließlich wird das Drehgelenk häufig beansprucht.

Multitouch – ein Notebook zum Anfassen

Dell nutzt im Latitude XT2 die DuoSense-Technik des israelischen Entwicklers N-Trig, die das Zusammenspiel Stift und Mehrfingerbedienung ermöglicht. Diese besondere Displaytechnik gibt es sonst nur im ersten Latitude XT und im Consumernotebook Touchsmart tx2 von Hewlett-Packard.

Das Display lässt sich für die Finger- und Stiftbedienung auf vier verschiedene Arten konfigurieren: ausschließliche Stiftbenutzung, ausschließliche Fingerbenutzung, ein Dualmodus und ein Automodus. Während die ersten beiden Modi nur eine Eingabemethode erlauben, ist es beim Dualmodus möglich, Finger und Stift zu benutzen. Das hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: das sogenannte Vectoring. Nähert sich der Nutzer dem Display mit dem Stift, kann es vorkommen, dass der Stift noch nicht in Reichweite (circa 1 cm) des Displays ist, der Handballen das Display aber bereits berührt und so versehentlich malt oder Schaltflächen drückt.

Dieses Phänomen ist natürlich von der Haltung des Stifts abhängig. Da der Bildschirm wie beim iPhone kapazitiv arbeitet, also eine minimale Berührung ohne Druck ausreicht, tritt dieses Verhalten beim Latitude XT2 häufiger auf. Bei resistiv arbeitenden Touchscreens ist das Problem geringer. Außerdem besitzt Windows Vista keine besonders kluge Handflächenerkennung, die die Fehleingabe wieder rückgängig macht.

Der Automodus ist N-Trigs gut gelungene Lösung des Problems. Finger und Stift bleiben nutzbar, allerdings muss der Anwender für die Touchscreennutzung zweimal mit dem Finger auf den Bildschirm tippen. Erst dann können die Finger auch unter Windows genutzt werden. Wird der Stift wieder in Reichweite gebracht, schaltet der Touchscreen die Fingererkennung zumindest für Windows wieder ab und wartet auf den nächsten Doppelklick mit dem Finger.

Die zweite Besonderheit von N-Trigs DuoSense-Technik ist die Erkennung mehrerer Finger und damit auch typischer Multitouch-Gesten. Das gesamte Potenzial des Latitude XT2 wird wohl erst Windows 7 nutzen können, denn die Multitouch-Unterstützung ist derzeit bescheiden und basiert auf dem Nachahmen diverser Tastenkombinationen unter Windows. Was fehlt sind Anwendungen, die direkt mit den Multitouch-Events des Panels umgehen können.

So verhält sich das Zwei-Finger-Scrollen genauso wie das Scrollen mit der Maus: Es geschieht zeilenbasiert, der Hintergrund bewegt sich also nicht entsprechend der Hand- oder Scrollradbewegung, sondern springt leicht. Der Nutzer kann entscheiden, ob sich das wie bei einem Mac-Trackpad verhalten soll (Geste nach unten scrollt nach unten, der Inhalt wandert nach oben) oder der Bildschirm den Fingern folgen soll (Geste nach unten scrollt nach oben, der Inhalt wird heruntergezogen). Damit der Nutzer merkt, welche Geste gerade aktiv ist, gibt es von der N-Trig-Anwendung, die im Hintergrund läuft, eine visuelle Rückmeldung.

Das Zweifingerscrollen ist die am besten funktionierende Geste, die in der Praxis durchaus nutzbar ist. Auch die Zoomgeste wird halbwegs erkannt, aber spätestens beim Versuch, Inhalte zu drehen, ist das Ergebnis eher zufällig. Zudem kollidieren die Zoomgesten gelegentlich mit den Flicks von Windows Vista. Die Flicks sind praktische und schnelle Gesten in vier bis acht Richtungen. Wird der Finger oder der Stift schnell in eine Richtung bewegt, wird das als Kommando erkannt. Zu den Kommandos gehören etwa Vor und Zurück sowie Scrollen nach oben oder nach unten. In den erweiterten Einstellungen sind auch Kopieren, Einfügen, Ausschneiden und Löschen möglich. Außerdem kann der Anwender die Auswirkungen der Flicks selbst bestimmen. All diese Probleme treten mit Windows 7 hoffentlich nicht mehr auf, denn Windows 7 soll eine deutlich verbesserte Fingerbedienung bieten .

Stift – ein Notebook zum Beschreiben

Dells XT2 lässt sich nicht nur mit den Fingern und einer Tastatur bedienen, das Wichtigste eines Tablet-PCs ist wohl die Stiftbedienung. Windows Vista erkennt handschriftliche Notizen sehr gut und wandelt sie in Wörter um, die dann etwa in einer Textverarbeitung nutzbar sind. Das funktioniert sogar mit einem schlechten Schriftbild.

Die Erkennung und Präzision des Stifts ist dabei hervorragend. Allerdings mit einer Ausnahme, die in der Praxis deutliche Auswirkungen haben kann: Im Randbereich kommt es je nach Stifthaltung zu Schwierigkeiten bei der Stifterkennung. Das ist besonders ärgerlich, wenn der Anwender die Scrollbalken treffen will. Allerdings ist das von der Stifthaltung des Anwenders abhängig. Nicht jeder Nutzer hält den Stift stark genug in Richtung Rand. Bei vielen Nutzern fällt das Phänomen gar nicht auf. Bei Dell gibt es dafür einen seitlichen Schalter zum Scrollen, der an Sonys Jogdial erinnert. Wer den Stift also nicht so hält, wie das Display es mag, hat damit eine brauchbare Alternative.

Unter mangelnder Stifterkennung am Rand litt bereits der Vorgänger, den Golem.de im letzten Jahr nutzen konnte. Das größte Problem war der Support, der von diesem Problem nichts wusste. Der Vor-Ort-Service erkannte diese Schwäche als Defekt und veranlasste einen Austausch – das Problem blieb. Leider hat Dell die Zeit seither nicht genutzt, um diese Schwäche zu beseitigen.

Der Stift selbst unterscheidet sich von anderen Tablet-PCs. Er ist nicht wie ein Bleistift auf der Rückseite mit einem "Radiergummi" ausgestattet, der zum Löschen der Inhalte genutzt wird. Stattdessen muss ein Knopf oberhalb der Taste für das Kontextmenü gedrückt werden. Wer sich an Stifte mit Radiergummi auf der Rückseite gewöhnt hat, mag das störend finden. Im Alltag ist das vor allem bei einem gesicherten Stift von Vorteil. Damit der Anwender den Stift nicht vergisst, lässt sich der Stift mit einem kleinen Seil befestigen. Das ist empfehlenswert, denn ein Ersatzstift kostet etwa 55 Euro. Einen weiteren Stift braucht sich der Anwender in der Hoffnung auf ein Mulitstift-Erlebnis nicht zu kaufen. Mit zwei Stiften kann das XT2 nicht umgehen.

Der Stiftschacht des Latitude XT2 bietet eine besondere Funktion: Er wird vom Notebook beobachtet. Wenn das XT2 im Stand-by ist, wacht es auf, wenn der Stift entnommen wird. Beim Abschalten des Notebooks blinkt eine Leuchte am Stiftschacht: Sie soll den Anwender erinnern, den Stift nicht zu vergessen, falls er nicht angebunden wurde.

Erweiterbarkeit – eine Dockingstation zum Mitnehmen

Ein besonderes Gerät ist das XT2 in Bezug auf seine Erweiterbarkeit – auch als komplettes tragbares System. Dem Testgerät lag eine MediaBase genannte Dockingstation bei. Sie wird einfach unter das XT2 geklemmt. Im Unterschied zu vielen anderen Dockingstationen passt das Gesamtsystem so in den Notebookrucksack, denn die Dockingstation ist dünn (13,5 mm). Sogar auf dem Arm im Tablet-Modus ist die Benutzung noch vorstellbar, das Laufwerk ist dann oben am Gerät und somit auch auf dem Arm zugänglich. Allerdings wiegt das Gerät dann fast 2,4 kg. Das ist für den Dauereinsatz viel und schwerer als Tablet-PCs mit integriertem Laufwerk, wie etwa das Toshiba M700 oder M750.

Die MediaBase des Latitude XT2 gleicht der MediaBase des Vorgängers. Damit fehlt dem XT2 ein moderner DisplayPort-Anschluss, der DVI- und VGA-Anschluss muss reichen. Statt der MediaBase kann auch ein Akkuslice unter das XT2 geklemmt werden. Die Laufzeit müsste sich damit in etwa verdoppeln. Der Zusatzakku hat etwas mehr Kapazität als der Hauptakku. Damit lässt sich dann den ganzen Tag über arbeiten, ohne dass das Netzteil mitgenommen werden muss. Dafür wird das Tablet deutlich schwerer. Ein Gewicht gibt Dell leider nicht an, der Zusatzakku wird aber sicher 600 bis 700 Gramm wiegen.

Die Konkurrenz

Lenovos Thinkpad X200t und das HP Elitebook 2730p sind direkte Konkurrenten zu Dells XT2. Sie nutzten den Sprung auf die Montevina-Generation aus, um CPUs der SL-Serie von Intel (LV-CPUs, Low Voltage) mit bis zu 1,86 GHz einzusetzen. Multitouch gibt es bei keinem der beiden. HP verzichtet komplett auf einen Touchscreen und Lenovo nennt seine Single-Touch-Lösung, die es optional gibt, wohl nur aus Marketinggründen Multitouch.

Die Konkurrenz nutzt ähnliche Systeme bei den Dockingstationen: Lenovo hat für das X200t eine eigene UltraBase genannte Dockingstation, die zu den vorherigen Tablet-PCs von Lenovo/IBM nicht mehr kompatibel ist. Die für die X200-Serie entwickelte Dockingstation ist allerdings sehr viel dicker als Dells MediaBase. Dafür kann diese Dockingstation auch einen zweien Akku aufladen. Der Zweitakku ist allerdings ein herkömmlicher Akku. Ein ansteckbarer Akkuslice fehlt, so dass für einen Akkuwechsel das System heruntergefahren oder alternativ eine Steckdose gefunden werden muss. Die Anschlüsse sind bei der UltraBase moderner als bei Dells MediaBase. Lenovo bietet etwa einen zu DVI kompatiblen DisplayPort.

HP hat für sein Elitebook 2730p mit der Ultra Slim Expansion Base ebenfalls eine mobile Dockinglösung im Angebot, die am ehesten mit Dells MediaBase vergleichbar ist. Sie ist vom Compaq-2710p-Tablet-PC übernommen worden. Diese ist besonders dünn (9,5 mm) und trotzdem stabil. Sie bietet allerdings keinen digitalen Monitorausgang. Auch HP bietet einen Akkuslice an, der die Laufzeit verdoppelt. Im Unterschied zu Lenovo und Dell lassen sich Zusatzakku, Dockingstation und Tablet-PC komplett zusammenstecken. Das Gesamtgewicht beträgt dann allerdings stolze 3 kg.

Software

Die integrierte Software von Dell für die Einstellungen ist unübersichtlich. Statt alle Kontrollen in ein Fenster zu stecken, sind Energieeinstellungen, Tablet-Einstellungen und dergleichen über ein halbes Dutzend Fenster verteilt. Dazu kommen die Notebookeinstellungen von Windows, die Tablet-PC-Einstellungen, die ebenfalls nicht gebündelt sind. Und der Erfinder der DuoSense-Technik N-Trig hat natürlich auch seine eigenen Einstellungsdialoge. Das verwirrt vor allem Nutzer, die noch nie einen Tablet-PC in der Hand hatten und führt auch bei längerer Nutzung häufig zu Stirnrunzeln.

Was dem Tablet-PC fehlt, sind in jedem Falle Anwendungen. Microsofts OneNote gehört zu den wenigen Programmen mit direkter Tablet-PC-Unterstützung. Das kostenlose Paint.NET ist ebenfalls ein gutes Programm, das auch starkes und sanftes Drücken beim Schreiben erkennt. Für die Demonstration von Multitouch eignet sich Google Earth am besten. Ein Aha-Erlebnis ist zumindest für diejenigen garantiert, die noch kein iPhone gesehen haben.

Auch einige normale Anwendungen profitieren von Touchfunktionen. Das Windows Media Center lässt sich beispielsweise sehr gut bedienen. Leider hat das Media Center einen Fehler: Beim Drehen des Bildschirms stürzt es ab. Microsoft hat diesen Fehler in der Beta von Windows 7 bereits behoben.

Benchmarks

Im Tablet sitzt eine SU9400 ULV-CPU (1,4 GHz, 3 MByte L2 Cache, FSB800). Dementsprechend sollte der Anwender keine größeren Rechenaufgaben, wie etwa Videoencoding, durchführen. Für normale Arbeiten ist die CPU mehr als ausreichend. Dank der zwei Kerne blockieren Aufgaben auch nicht zu schnell, trotz der geringen Taktrate von nur 1,4 GHz. Größere und schwerere Laptops haben deutlich schnellere CPUs eingebaut.

Verglichen mit einer Vorgänger-CPU U7600 (1,2 GHz, 2 MByte L2 Cache, FSB533), wie sie auch im Latitude XT der ersten Generation verbaut wurde, ist ein Anstieg der Werte um etwa 25 Prozent im Cinebench zu sehen, obwohl der Takt nur um 16,5 Prozent gestiegen ist. Der neue Penryn-Kern mit dem größeren Cache und schnellerem FSB zeigt hier seine Vorteile. Allerdings wurde der Core 2 Duo U7600 an einem HP Compaq 2710p vermessen.

Verglichen mit einer schwächeren CPU, etwa Intels Atom-CPU, zeigt sich, wie schnell eine ULV-CPU sein kann. Zwischen einem 1,6 GHz Atom und Core 2 Duo mit 1,4 GHz liegen Welten. Im Cinebench erreicht die ULV-CPU 1.565 Punkte, ein Atom N270 erreicht in der Regel um die 500 Punkte. Im Multicore-Betrieb sind die Werte noch deutlicher. Der Core 2 Duo erreicht 2.834 Punkte, der Atom-Prozessor mit Hyperthreading nur etwas mehr als 800 Punkte.

Gegenüber einem Desktopprozessor, wie etwa dem Quadcore-Prozessor Core i7 965 (fast 16.000 Punkte), sieht der Mobilprozessor natürlich nicht besonders gut aus. In der Praxis ist die Leistung einer ULV-CPU aber ausreichend. 720p-Filme, Surfen im Netz, auch mit Flash-Inhalten, Schreibarbeiten und Bildbearbeitungen, die unterwegs anfallen, erledigt das XT2 ohne Probleme.

In einigen Situationen ist das Tablet herkömmlichen Notebooks sogar überlegen. Etwa wenn die 64-GByte-SSD (Samsung RBX PS10) ins Spiel kommt. Bei Installationsarbeiten war der Datenspeicher dank sehr niedriger Zugriffszeiten deutlich schneller als viele Desktopfestplatten. Beim Datentransfer bewegt sich die SSD eher auf dem Niveau von 2,5-Zoll-Festplatten. Im Durchschnitt können Daten von der SSD mit 71 MByte/s ausgelesen werden. Im Vergleich zu Intels SSDs ist das zwar mäßig, aber für den 1,8-Zoll-Formfaktor sind es Traumwerte. Toshiba gibt für sein MK1617GSG-Modell (1,8 Zoll, 5.400 U/min, SATA) Datentransferraten von bis zu 71 MByte/s an. Diese Werte erreicht eine Festplatte allerdings nicht über den gesamten Speicher.

Den Aufpreis von etwa 250 Euro für die SSD ist das Latitude XT2 durchaus wert. Allerdings gibt Dell nicht an, welche SSD verbaut wird. Beim Vorgänger waren einige Geräte mit einer SanDisk-SSD und andere mit einer Samsung-SSD ausgestattet, die sich in der Leistung minimal unterschieden.

Dass ein Tablet-PC nicht zum Spielen gedacht ist, dürfte klar sein. Dementsprechend fielen die einzelnen Benchmarks aus: World in Conflict war in der nativen Auflösung mit drei Bildern pro Sekunde (mittlere Einstellungen, 1.280 x 800) im Durchschnitt nicht spielbar. Selbst das Senken der Bildqualität auf die unterste Voreinstellung hob das XT2 nur auf 13 Bilder pro Sekunde. Mit deutlichen Einbrüchen in den mittleren einstelligen FPS-Bereich ist das kaum ein spielbares Niveau. Dass die Grafikleistung der Intel-Lösung auch bei Anwendungen unzureichend ist, zeigte sich in der Praxis bei Google Earth, das viel zu sehr ruckelte. Im OpenGL-Test des Cinebench R10 erreicht das XT2 671 Punkte. Es gibt zwar schnellere Chipsatzgrafik, allerdings verbaut kein Anbieter diese in Business-Tablet-PCs.

Wenn überhaupt, dann lassen sich nur sehr alte Spiele spielen. Warcraft III macht sogar im Tablet-Modus Spaß. Mit dem Stift kann der Spieler viel schneller reagieren als mit einer Maus, allerdings fehlen dann natürlich die Tasten, insbesondere die für Gruppierungen von Einheiten. Abgesehen davon gibt beim Spielen der Arm nach ein paar Wettkämpfen auf.

Laufzeit und Lautstärke

Das Latitude XT2 ist in der Regel flüsterleise. Ohne Last bleibt der Lüfter aus, erst bei Anwendungen, die nach mehr Leistung verlangen, bläst auf der linken Seite ein kleiner Ventilator die Abluft heraus, ist aber nicht besonders aufdringlich.

Im normalen Betrieb kann der Anwender mit dem 42-Wh-Akku mit einer Laufzeit zwischen drei und vier Stunden rechnen. Bei einer Zugfahrt, angeschaltetem Lichtsensor und aktiviertem WLAN reichte der Akku bei kurzen Installationsarbeiten und beim Anschauen von 45 Minuten Videomaterial etwa 3 Stunden und 20 Minuten. In diversen Energiesparmodi lassen sich zudem einzelne Komponenten wie Firewire abschalten. In dem Testmuster war leider kein UMTS-Modem eingebaut. Nach den Erfahrungen mit anderen Notebooks dürfte die Nutzung eines Modems die Laufzeit auf unter 3 Stunden drücken. Der Akku wird mit dem kleinen 45-Watt-Netzteil innerhalb von 2 Stunden wieder voll aufgeladen.

Aufgrund des Vorserienstatus ist nicht auszuschließen, dass das XT2 bessere Werte erreichen kann. Das sonst sehr zuverlässige CPU-Z zeigte Werte an, die rund 200 MHz höher lagen als erlaubt. Außerdem war zu erkennen, dass die CPU nicht so häufig heruntertaktete, wie sie es eigentlich tun sollte. Insgesamt waren die Anzeigen in CPU-Z höchst verwirrend und weder Intel noch Dell konnten das Phänomen hinreichend erklären. Intel vermutete einen Fehler in CPU-Z, während Dell es auf den Vorserienstatus des Geräts schob. Die Benchmarks ergaben allerdings keine Anhaltspunkte für eine sich seltsam verhaltende CPU.

Die getestete Variante mit allem Zubehör kostet bei Dell derzeit etwa 2.700 Euro. Eine dreijährige Garantie mit Vorortservice am nächsten Arbeitstag gehört dazu. Preislich bewegt sich das Latitude XT2 damit auf einem hohen Niveau, das aber bei der Tablet-Konkurrenz vergleichbar ist.

Fazit

Das Latitude XT2 ist ein guter Tablet-PC mit enormem Zukunftspotenzial. Damit unterscheidet es sich von HPs Elitebook und Lenovos Thinkpad. Sollte es Microsoft gelingen, mit Windows 7 Multitouch gut umzusetzen, wird die Arbeit und das Präsentieren auf dem XT2 richtig Spaß machen. In der Zwischenzeit ist Multitouch wohl nur als nettes Gimmick zu verstehen. Dank der präzisen Stiftbedienung ist das XT2 aber schon jetzt gut einsetzbar. Einzig die Schwächen der Stiftbedienung in den Randbereichen können einzelne Anwender stören. Mit den Macken des Vorseriengeräts wird der Endanwender hoffentlich keine Probleme haben. Dells Latitude XT2 ist ein gut durchdachtes Notebook, das sich in einen Tablet-PC wandeln lässt und in beiden Modi überzeugt.


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