Telekom droht, Abschaffung der weißen Flecken zu stoppen
Die Deutsche Telekom stellt den zugesagten Ausbau von Breitbandanschlüssen für unversorgte Gebiete im ländlichen Raum wieder infrage. Die Investitionen würden angesichts der am 31. März 2009 von der Bundesnetzagentur bekanntgegebenen Entscheidung zur Absenkung des Preises für die "letzte Meile" (Teilnehmeranschlussleitung - TAL) "neuen Wirtschaftlichkeitsberechnungen" unterzogen, gab das Unternehmen bekannt. Der TAL-Mietpreis soll laut Regulierer um 30 Cent auf 10,20 Euro fallen.
"Die Entscheidung der Behörde ist für uns ein Investitionshemmnis" , klagte Timotheus Höttges, Finanzchef der Telekom. Auf Basis der aktuell vermieteten 8 Millionen Anschlüsse werde dem Bonner Konzern durch die Entscheidung ein hoher zweistelliger Millionenbetrag entzogen. Die Telekom habe 2008 rund 100 Millionen Euro in den Ausbau weißer Flecken investiert und damit über 400.000 Haushalte zusätzlich mit einem Breitbandanschluss versorgt. Für 2009 war eine ähnliche Investitionssumme vorgesehen, eine Erhöhung sei geprüft worden. Dies müsse nun neu bewertet werden, sagte Höttges.
Der Chef des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner, hat die Absagedrohung der Telekom als "völlig unverständlich" bezeichnet. Die Telekom versuche weiterhin, Wettbewerb zu verhindern oder zu verdrängen.
Überraschend habe die Telekom zu Weihnachten 2008 der Politik angeboten, doch 2 MBit/s per Festnetz in unterversorgten Gebieten zu realisieren, allerdings unter der Bedingung höherer Vorproduktpreise. Durch diesen Schachzug, so Grützner, hätten letztlich die Wettbewerber den Ausbau für die Telekom bezahlt. Die im VATM organisierten Unternehmen setzten dagegen zur Abschaffung der weißen Flecken weiter auf Mobilfunk-, Richtfunk-, aber auch Satellitentechnologie.