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Staatliche Spieleförderung: Nur brave Ware?

Zunehmend engagieren sich die Bundesländer für die Förderung von Computerspielen. Spiele sollen besser werden, deutsche Entwickler international konkurrenzfähiger – aber das kostet. Auf dem Branchentreffen Munich Gaming 2009 ging es im Expertenpanel um die aktuelle Lage der Förderung und um neue Strategien.
/ Peter Steinlechner
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Wer heute ein konkurrenzfähiges Computerspiel produzieren möchte, braucht jede Menge Geld – längst haben viele Budgets die Größenordnungen von Hollywoodfilmen erreicht. Kredite von Banken, vor der Finanzkrise noch gang und gäbe, bekommt inzwischen kein Team mehr. Auf der Munich Gaming 2009 haben sich Experten getroffen, um über den aktuellen Stand der Förderung mit öffentlichen Mitteln zu sprechen. Zur Eröffnung der Veranstaltung hatte Malte Behrmann, Geschäftsführer des Game Bundesverbands der Entwickler von Computerspielen, die aktuelle Lage deutscher Entwickler zusammengefasst – und die könnte besser sein. In Kanada steckt die Region Québec mit ihren gerade mal 7 Millionen Einwohnern rund 70 Millionen Euro in die Spielebranche, ebenfalls große Mittel investieren Südkorea, Frankreich, skandinavische Staaten sowie Teile der USA – mit großem Erfolg, wie der inzwischen global agierende französische Publisher Ubisoft zeigt, aber auch das isländische Onlinerollenspiel Eve Online.

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Allmählich, so Behrmann, würden auch deutsche Politiker den Spielemarkt entdecken – allerdings ein Stück weit über den Umweg des Jugendschutzes. Hierzulande sei der Ansatz oft, dass nicht mehr "schlechte" Spiele verboten, sondern "gute" gefördert werden sollten. Grundlage dafür ist eine in der Öffentlichkeit fast unbekannte, aber für die Branche wichtige Entscheidung der EU-Kommission für Wettbewerb: Computerspiele gelten offiziell als Kultur und dürfen gesetzlich gefördert werden.

Hierzulande erfolgt die Förderung von Computerspielen vor allem über die Länder – das Bundesforschungsministerium, so Behrmann, reagiere eher abweisend, wenn dort neue Computerspielprojekte vorgestellt würden. Aktive Förderung in nennenswertem Umfang gebe es in Hamburg, Berlin und Brandenburg – der Computerspielpreis-Gewinner Drakensang etwa sei durch die Mitteldeutsche Medienförderung mitfinanziert worden. Unklar sei die Lage in Nordrhein-Westfalen, das mal mehr und mal weniger gebe. Von den großen Ländern tue sich derzeit nur in Baden-Württemberg und Hessen nichts, aber das könnte sich nach der Erwartung von Behrmann bald ändern.

Bayern hat trotz der pauschalen Proteste einiger Politiker just Ende März 2009 ein neues Förderprogramm beschlossen: 470.000 Euro investiert der Freistaat in neue Projekte, im Jahr 2010 sind bereits 477.000 Euro in den Haushalt eingeplant.

Bei den meisten Förderprogrammen geht es inzwischen nicht mehr um die Bereitstellung von Geldern für die Grundlagenforschung oder für Netzwerkevents, sondern um ganz konkrete Spiele. Das heißt dann "Prototypenförderung" – also die Finanzierung von Prototypen, in denen auf rudimentärer Basis die wichtigsten grundlegenden Spielmechanismen und Grafiken einem möglichen Publisher oder sonstigen Investor aus der freien Wirtschaft präsentiert werden können.

Auf einen weiteren Aspekt der staatlichen Förderung ging Dorothee Bär, Bundestagsabgeordnete für die CSU und Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien, ein. Sie sprach über das Problem, dass es in Deutschland zu wenig gut ausgebildete Entwickler gebe – was unter anderem daran liege, dass etwa der Informatikunterricht in Schulen noch nicht gut genug sei. Die Politik bemühe sich zwar um eine Verbesserung der Lage, das dauere aber.

Hendrik Lesser, Chef des auf die Entwicklung neuer Spiele spezialisierten Münchner Unternehmens Remote Control Productions und somit ein Mann der Wirtschaft, freute sich über die zunehmende Förderung. Die Konzentration auf pädagogisch wertvolle Spiele findet er aber nicht gut – analog zu internationalen Spielfilmen wie Das Boot oder Der Untergang möchte er auch in deutschen Spielen Stoffe mit Anspruch für Erwachsene umsetzen – auch im Hinblick auf das, was der internationale Markt will.


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