Blümchenfilter, bloggende Pandas, Wolfstauben und WLAN-GEZ

Ein gutgemachter Aprilscherz wirkt zumindest auf den ersten Blick glaubwürdig, bei Medienmachern hat sich zudem eingebürgert, im Rahmen eines Frühlingsgags aktuelle Themen satirisch aufzuspießen.
Der britische Humor ist für seine Ironie berühmt und berüchtigt. Glaubt man der Londoner Webseite The Register(öffnet im neuen Fenster) – was ohnehin nicht in jedem Fall angebracht ist -, so kann man bald in jeden Winkel von London per Webcam gucken. Das bezieht sich nicht nur auf Straßen und Plätze der am besten mit Kameras ausgestatteten Stadt der Welt, sondern auch auf "Diskussionszimmer von Parlamentsausschüssen und Verhörräume der Polizei" . Möglich machen soll das eine Kooperation von Google mit britischen Behörden.
Google selbst lässt am 1. April die angeblich erste wirkliche künstliche Intelligenz namens " CADIE(öffnet im neuen Fenster) " auf das Netz los. CADIE, symbolisiert durch einen Pandabären, betreibt unter anderem ein Blog(öffnet im neuen Fenster) , das wie eine Homepage aus dem AOL-Baukasten von vor 15 Jahren aussieht. Oder wie MySpace. Als automatischer Beantworter von privaten E-Mails ist CADIE effizienter, aber eben auch so feinfühlig wie eine Maschine. Der Autopilot für Google-Mail(öffnet im neuen Fenster) beendet mal eben eine Beziehung, wenn das Gegenüber sich im Ton vergriffen hat. Das Problem dabei: die Erkennung von Ironie.
Ebenso unwahrscheinlich wie ein bloggender Panda aus den Google-Rechenzentren ist auch die Versöhnung von Peer-to-Peer-Befürwortern und dem Medienkonzern Warner Brothers. Die Webseite TorrentFreak verkündet(öffnet im neuen Fenster) jedoch unter einem Logo, "Warner loves The Pirate Bay" , dass Warner Pirate Bay schlicht gekauft hätte. Das sei die einzige Möglichkeit gewesen, das laufende Verfahren zwischen den beiden noch für Warner zu einem guten Ende zu führen.
Bei Opera will man nach den Mausgesten für die Bedienung eines Browsers die Gesichtsgesten erfunden(öffnet im neuen Fenster) haben, die den Browser per Webcam steuern. Hierzulande dürfte man es eher als Grimassenschneiderei bezeichnen, wenn der Benutzer beispielsweise zum Verkleinern des Bildschirminhalts die Backen aufblähen muss. Opera warnt allerdings, dass man die Funktion beim Besuch von erotischen Webseiten abschalten solle, da der Anwender dabei "unbewusste Gesichtsausdrücke" annehme. Bei Finanzwebseiten deaktivieren sich die Gesichtsgesten gleich von selbst, da die Software auf den Wechsel der Mimik bei solchen Inhalten nicht schnell genug reagieren könne.
Neben solchen Neuentwicklungen dürfen bei den Aprilscherzen auch die echten Klassiker der Techniker nicht fehlen. Ausgerechnet Pro-Linux weist unter den " Geheimsten 3 Geheimtipps zu Linux(öffnet im neuen Fenster) " darauf hin, dass der Download von Dateien von der IP-Adresse 127.0.0.1 besonders schnell erfolgt. Das stimmt übrigens tatsächlich, eine schnellere Adresse gab es noch nie und wird es auch nie geben(öffnet im neuen Fenster) . Die Überschrift der Meldung ist jedoch eine schöne Anspielung auf die Titelzeilen deutscher PC-Zeitschriften.
Dass Printmedien in der Krise sind, ist auch abseits aller Witze Realität. Manche US-Tagezeitungen werden eingestellt , das britische Traditionsblatt "The Guardian" will weitermachen. Aber nicht auf Papier, sondern mit dem größten Hype des Internets im Jahr 2009. Da sich der Guardian gegenüber neuer Technik stets aufgeschlossen gibt, verkündet das Blatt zum 1. April das Ende der gedruckten Ausgabe und will seine Inhalte künftig nur noch über Twitter(öffnet im neuen Fenster) verbreiten: "Experten sagen, jede Geschichte kann in 140 Zeichen erzählt werden." Doch damit nicht genug: Auch das eigene Archiv, das bis 1821 zurückreicht, soll in Form von Tweets neu geschrieben werden.
Gar nicht kostenlos wie Twitter, sondern sogar noch 10 bis 20 Prozent teurer als bisher soll die Nutzung von öffentlichen WLAN-Hotspots werden. Das jedenfalls scherzt die Computerwoche(öffnet im neuen Fenster) . Die GEZ soll natürlich wieder einmal schuld sein und Gebühren auf die Hotspots erheben.
Die Hersteller von WLAN-Bausteinen zeigen sich ebenfalls humorig: Qualcomm hat unter dem Schlagwort "Wireless Convergence" ein Projekt vorgestellt(öffnet im neuen Fenster) , mit dem sich die Abdeckung von Mobilfunknetzen drastisch verbessern lässt. Dazu wurden kleine Basisstationen in Tausende von Tauben implantiert. Da die Tiere allerdings zu anfällig sind, wurden sie kurzerhand mit Wölfen gekreuzt, so dass die Wolfstaube als idealer Träger einer Basisstation entstanden ist. Schließlich sind Wölfe wehrhaft und vor allem in unbesiedelten Gebieten zu finden. Damit die Tiere sich nicht zu stark verbreiten, wurde zugleich der Haifalke entwickelt, der die Population an Wolfstauben in Grenzen halten soll. Noch in der Entwicklung ist der Krokodiladler.
Eine ähnliche Idee hatte der größte Onlinehändler. Amazon startet mit FACE(öffnet im neuen Fenster) (Floating Amazon Cloud Environment) einen neuen Dienst, der das Thema Cloud-Computing völlig neu definiert. Mit Helium gefüllte Ballons tragen 65.536 kleine EC2-Instanzen. Die Außenhülle ist mit polykristallinen Solarzellen bedeckt, die rund 40 Prozent der notwendigen Energie zum Betrieb der Server, der On-Board-Navigation sowie den Verteidigungssystemen liefern. Die restliche Energie steuern Brennstoffzellen bei. Für die Kommunikation mit dem Boden bietet Amazon WiMAX und Laser an, geplant ist zudem die Unterstützung der RFC 1149(öffnet im neuen Fenster) .
Und die echten Hacker? Die machen sich natürlich bevorzugt über Netzsperren lustig und sind dabei radikaler als so manche Ministerin. Der CCC fordert, dass künftig "Bombenbauanleitungen, Killerspiele und politische Blogs" nicht mehr ausgedruckt werden können. Stattdessen sollen Blümchenwiesen und blühende Landschaften(öffnet im neuen Fenster) zu Papier gebracht werden. Das Thema Kinderpornografie vermeidet der CCC dabei wohlweislich, ätzt aber mit dem fehlenden Verständnis von Politikern für technische Zusammenhänge: "Ein etwaiger Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung ist dabei unerheblich, denn schließlich wird das Ausdrucken von einschlägigem Material verhindert, und zwar dort wo dies entsteht: im Drucker."
Für Scherze eignen sich immer auch die RFC-Standards des Internets, die nicht immer in ernstem Ton verfasst sind. Und so will auch Heise.de – wieder einmal – ein RFC gefunden haben, das eine bisher kaum bekannte Funktion im Internet Protocol beschreibt. Das treffend " Schlapphutbit(öffnet im neuen Fenster) " genannte Ding im Header von Datenpaketen soll Geheimdiensten mitteilen, ob die Daten schon von einem anderen Dienst mitgeschnitten wurden. Das soll Kosten bei der Archivierung des gesamten Internets sparen.
Die Redakteure sparen dabei nicht mit Selbstkritik, denn im zugehörigen Artikel(öffnet im neuen Fenster) wird unter dem Linktext "intensive journalistische Recherche" schlicht auf www.google.de verwiesen. Die entscheidende Information über das vermeintlich verschollene RFC soll aber eine von britischen Behörden verschlampte Festplatte geliefert haben – und solche Fälle gab es tatsächlich .