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Spieletest: Battleforge - Sammelfieber und Truppenschieber

Innovatives Strategie- und Sammelkartenspiel aus Deutschland. Zuletzt ist die Kombination von Sammelkarten- und Videospiel bei Eye of Judgment auf der Playstation 3 geglückt – mit echten Sammelkarten. Dieses Kunststück wollen die deutschen Entwickler Phenomic nun auf dem PC vollbringen – ohne echte Karten, aber dafür mit einem Schuss Echtzeitstrategie.
/ Michael Wieczorek
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Echtzeit-Strategiespiele und Innovation gingen in den letzten Jahren selten Hand in Hand. Beispiele dafür sind die immer weiter steigenden Zahlen hinter Serien wie Warcraft, Command & Conquer oder demnächst Starcraft. Phenomic, die Schöpfer von Spellforce, haben für ihr neues Werk Battleforge aber eine gehörige Portion Innovation integriert, und zwar in Form von süchtig machendem Sammelfieber. Um an einer Partie teilzunehmen, benötigt der Spieler ein 20 Sammelkarten umfassendes Deck. Die Karten stellen entweder Einheiten, Gebäude oder Zaubersprüche dar.

Den klassischen Basisbau mit Baueinheiten gibt es in Battleforge nicht. Der Spieler benötigt aber sogenannte Leerenenergie, die er an vordefinierten Plätzen der Karte abbauen kann, um die Sammelkarten auf das Spielfeld zu rufen. Zudem braucht er noch die spezielle Kraft von seltenen Monumenten. Je nachdem, wie viele Monumente er kontrolliert, kann er mächtigere Karten einsetzen.

Die Sammelkarten in Battleforge sind digital und werden mit einer Cyberwährung gekauft, die echte Euros kostet. 3.000 Punkte sind direkt beim Hauptspiel dabei und können sofort ausgegeben werden. Abgesehen davon, dass der Spieler niemals Karten zum Anfassen bekommt, ist die Prozedur beim Erwerb von Sammelkarten in Battleforge so nah wie möglich an der Wirklichkeit. Das beginnt mit den authentischen Sounds beim Öffnen der 250 Punkte teuren Boosterpacks und reicht bis zum gespannten ersten Wenden der Karten, um zu sehen, was für ein Schmuckstück erworben wurde. Ein Booster umfasst zehn Karten, und in jedem steckt mindestens eine seltene oder sehr seltene Karte – jede Menge Doppelte gibt es aber auch, die auf Wunsch direkt ins spielinterne Auktionshaus wandern können.

Das Zusammenstellen von neuen Decks geht flott von der Hand und bietet schon mit den derzeit erhältlichen 200 unterschiedlichen Karten sehr große Variationsmöglichkeiten. Karten gehören einer von vier Farben an: Grün, Blau, Rot oder Lila. Spieler mit einem blauen Deck werden defensiv spielen und mit ihren vielen Türmen ein zäher Gegner sein. Lila Decks eignen sich wunderbar, um feindliche Einheiten mit Flüchen zu nerven. Rote Decks haben eine besonders zerstörerische Angriffskraft, grüne Decks setzen auf viele Heilzauber durch die Macht der Natur und auf Lebenspunkte.

Diese Zuschreibungen sind aber oberflächlich. Denn durch die Kombination von zwei Farben lassen sich überraschende Effekte erzeugen. Angriffsstarke Fernkämpfer eines roten Decks können sich zum Beispiel mit einem Schutzwall aus dem blauen Kartenpool selbst einzäunen und verfügen somit über eine für gegnerische Nahkämpfer schwer überwindbare Grenze.

Außerdem haben viele Kreaturen eine Spezialfähigkeit, mit der sie ihren Kampfstil ändern oder andere Kreaturen schützen oder schädigen können. Die Entwickler waren hier sehr einfallsreich und haben liebenswerte und abartig böse Geschöpfe mit Charakter erschaffen. Die Sprüche mancher Kreaturen sind zudem höchst amüsant. So ruft beispielsweise ein grüner Koloss mit der Überzeugungskraft eines furchteinflößenden Bizeps gern zum Naturschutz auf: "Respektiert die Natur, sonst ... !"

Die Solokampagne von Battleforge ist kurz und kurzweilig. Die Fantasy-Spielwelt wird detailreich in Szene gesetzt und mit einer seichten Hintergrundgeschichte garniert. Besonders gelungen wird der Spieler in die Geschichte eingebunden. Als einer der Himmelsfürsten, Begleiter und Berater der Götter, beeinflusst er das Schicksal der Welt. Das Spiel verleiht nach jeder bestandenen Mission Karten und Gold an den Sieger, so dass er die eigenen Karten verbessert. Je höher der Schwierigkeitsgrad eingestellt ist, desto nützlicher sind die Belohnungen. Wegen dieses Systems kann während der Missionen nicht gespeichert werden. Das sorgt in schweren und bis zu einer halben Stunde langen Levels für einigen Frust.

Neben den Solomissionen bietet Battleforge Multiplayerschlachten gegeneinander und kooperative Szenarien. Die Koop-Missionen sind sehr anspruchsvoll und erfordern taktisch aufeinander abgestimmte Decks mit bis zu 11 Freunden. Damit diese schnell gefunden werden, sind Freundeslisten, Spielerlisten und Chatroom jederzeit zugänglich. Während einer langen kooperativen Mission fühlt sich Battleforge fast wie eine kurze World-of-Warcraft-Instanz der Echtzeitstrategie an.

Die Animationen der Kreaturen sind grafische Highlights. Krachend stapfen Riesen über den erschütterten Boden. Eine mit Kanonen bestückte, fliegende Galeere kommt stilecht in einem Wolkenmeer und einer Salve Kanonenschüsse auf das Spielfeld. In der Schmiede, dem Hauptbildschirm von Battleforge, bietet es sich an, jede Einheit in Ruhe zu analysieren und kennenzulernen. Hier lassen sich jederzeit Strategien erproben, ohne auf limitierende Ressourcen achten zu müssen. Aufgrund der gelungenen Optik ist die Schmiede übrigens auch ein sehr schicker Bildschirmschoner.

Battleforge wird von Electronic Arts vertrieben und kostet im Handel etwa 40 Euro. 100 zusätzliche Battleforge-Punkte für den Erwerb von Karten kosten 1 Euro. Der Titel muss über das Internet aktiviert werden, verifiziert bei jedem Start lokale Dateien und benötigt zwingend eine Internetverbindung. Der beiliegende Produktschlüssel wird an eine E-Mail-Adresse gebunden. Die DVD wird zum Spielstart nicht benötigt. Battleforge läuft auf PCs, die mindestens über einen Prozessor mit 1,8 GHz, 1 GByte RAM sowie eine Grafikkarte mit 128 MByte verfügen. Die USK hat Battleforge ab zwölf Jahren freigegeben.

Fazit

Battleforge ist ein Genuss für Freunde von Sammelkartenspielen. Mit viel Liebe zum Detail hat Phenomic Einheiten mit individuellem Charme entworfen. Es wird einfach nicht langweilig, die mächtigen Kreaturen ein ums andere Mal prächtig animiert auf die Schlachtfelder zu rufen. Das Zusammenstellen von neuen Decks und das Ausprobieren neuer Strategien unterhält viele Stunden lang und motiviert zum Erwerb neuer Karten.

Abstriche gibt es beim Echtzeitstrategieteil. Company of Heroes oder das zuletzt erschienene Dawn of War 2 bieten in puncto Deckung, Formationen und KI mehr. Nichtsdestotrotz ist Battleforge ein gelungenes, innovatives Produkt, das nach Eye of Judgment für die Playstation 3 das Sammelkartenthema grandios als Videospiel umsetzt.


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