Windows 7 Multitouch - ein Windows zum Anfassen

Für das kommende Windows 7 arbeitet Microsoft an deutlichen Verbesserungen des Zusammenspiels zwischen dem Betriebssystem und Multitouch. In der öffentlichen Beta war vieles davon noch nicht zu sehen. Denn Multitouch gehört zu dem, was Microsoft im Release Candidate gegenüber der Beta anders machen wird . Details hat Microsoft im Blog Engineering Windows 7(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht.
Die dort von Microsoft veröffentlichten Videos zeigen vor allem die mittlerweile flüssige Nutzung der berührungsempfindlichen Bedienung innerhalb von Windows 7. Vor allem Gesten wie Drag & Drop, Scrolling, Multitouch-Rechtsklick und Copy und Paste mit dem Finger hinterlassen einen guten Eindruck:
In dem Video sind vor allem die vielen Gesten zu sehen, die Microsoft mit Windows 7 einführt. Bisherige Demonstrationen von Windows 7, etwa auf der Cebit 2009 , zeigten noch deutliche Schwächen bei der Multitouch-Bedienung, die vor allem auf den Betastatus des Betriebssystems zurückzuführen sind. Doch das soll sich an vielen Beispielen ändern.
Auch Aero Peek bekommt eine bessere Touch-Unterstützung, die es erlaubt, mit dem Finger über die Taskleiste zu streichen und trotzdem andere Fenster ausblenden zu lassen. Das ist vor allem notwendig, weil bisherige Touchscreens das Schweben eines Fingers über dem Bildschirm nicht erkennen können. Tablet-PC-Stifte oder auch die Maus haben hingegen einen Schwebestatus, der noch vor dem Drücken der Maustaste gegenüber dem Betriebssystem sichtbar ist.
Problematisch für die Fingerbedienung sind Bildschirme mit hoher Auflösung. Für Displays, die sehr viele Pixel auf kleiner Fläche darstellen, soll es Verbesserungen geben. Microsoft vergrößert einfach den Einflussbereich von Bedienelementen. Sie sind dann bei der Fingerbedienung größer, ohne dass der Anwender das sieht. Der "Desktop Anzeigen"-Knopf wird dann doppelt so breit dargestellt - er war wohl zu klein.
Mit dem Release Candidate kommen so viele sinnvolle Änderungen in das Betriebssystem. Sie verfolgen ein neues Bedienkonzept, das Microsoft bisher nur mit dem Surface-Tisch eindrucksvoll demonstrieren konnte . Microsofts Windows-7-Abteilung arbeitet auch mit der Surface-Abteilung zusammen, die langfristig plant, Windows 7 als Unterbau für kommende Surface-Generationen zu nutzen. Ein erstes Beispiel der Zusammenarbeit ist Surface Globe für Windows 7:
Eine weitere geplante Änderung in der Multitouch-Bedienung des Release Candidates ist, dass die Bildschirmtastatur multitouchfähig wird. Das heißt, dass der Anwender wie bei einer echten Tastatur die Umschalttaste gedrückt halten und anschließend einen Großbuchstaben eintippen kann. Bisher arbeitete die virtuelle Umschalttaste unter Windows wie eine Feststelltaste, die sich nach einer Eingabe automatisch löst. Außerdem soll die virtuelle Bildschirmtastatur eine bessere visuelle Rückmeldung geben. Das ist hilfreich, wenn der Finger größer als die virtuelle Taste ist.
Multitouch hat jedoch einen großen Haken: Noch fehlt die Hardwareauswahl. Sie ist meist nur in Form teurer Tablet-PCs auf dem Markt. Windows 7 arbeitet auf klassischen Touchscreens, etwa bei Notebook wie Lenovos ( Thinkpad X200t ) oder Toshibas (Portégé M750) wie Windows Vista. Der Tablet-PC-Nutzer profitiert auf diesen Geräten nur von der deutlich verbesserten Stifbedienung und Handschrifterkennung von Windows 7, nicht aber von vielen neuen Touch-Gesten, die derzeit hauptsächlich auf Tablet-PCs funktionieren würden.
Auf dem Markt gibt es derzeit drei Multitouch-Notebooks. Das ältere Latitude XT und das neue Latitude XT2 von Dell, die beide gut ausgestattet mehr als 2.000 Euro kosten können, und das HP TouchSmart tx2 , das im Handel derzeit um die 1.000 Euro kostet.
Alle drei Notebooks nutzen die DuoSense genannte Panel-Technik von N-trig, für die der Hersteller auch schon Windows-7-Beta-Treiber(öffnet im neuen Fenster) anbietet. Der kapazitiv arbeitende Bildschirm dieser Notebooks reagiert im Unterschied zu resistiven Touchscreens schon bei einer leichten Berührung auf Eingaben. Microsoft hatte mit anderen Partnern dem israelischen Unternehmen N-trig erst kürzlich 24 Millionen US-Dollar Risikokapital bereitgestellt .
HP bietet zudem Desktoprechner wie den TouchSmart IQ800 an, der ebenfalls mehrere Finger erkennt. Er arbeitet allerdings nicht mit der Touchscreen-Technik von N-Trig, sondern mit Optical Touch des Herstellers Next Window. Auch für diese Technik gibt es bereits Betatreiber(öffnet im neuen Fenster) .
Damit die Anwender beim Kauf eines touchfähigen Computers wissen, dass dieser mit Windows Touch funktioniert, soll es ein eigenes Logo auf dem Rechner geben. Die Abfragegenauigkeit der Finger und die Auflösung des Touchpanels sollen Mindestanforderungen genügen, damit ein Rechner das Logo erhalten kann. Insgesamt soll mit 43 Tests die Fähigkeit des Multitouch-Panels beurteilt werden. Mehr sagt Microsoft dazu nicht. Noch sind die Arbeiten an Windows 7 nicht abgeschlossen.
Ein richtiges Multitouch-Gefühl wird sich wohl erst einstellen, wenn die Entwickler die Dokumentation von Windows 7 lesen und die neuen Funktionen umsetzen. Windows 7 bietet etwa Multitouch Messages(öffnet im neuen Fenster) und beschreibt diese ausführlich in der Dokumentation. Sie ist jedoch als vorläufig eingestuft, Änderungen sind nicht ausgeschlossen. Hier gibt es jedoch derzeit noch ein Henne-Ei-Problem. Ohne Multitouch-Geräte werden die Entwickler diese Geräteklasse nicht berücksichtigen. Das sorgt wiederum dafür, dass die Hardwarehersteller kaum Gründe haben, in diese Technik zu investieren. Bis zum Erscheinen von Windows 7 haben aber sowohl Softwareentwickler als auch Hardwarehersteller genug Zeit, das Problem zu lösen.
Wann der Release Candidate von Windows 7 veröffentlicht wird, ist weiterhin unklar. Die Fortschritte, die gemacht wurden, und das regelmäßige Auftauchen neuer Windows-7-Builds, die schon sehr gut laufen sollen, deuten darauf hin, dass das bald der Fall sein wird. Die Veröffentlichung der fertigen Version von Windows 7 wird für Anfang 2010 erwartet.



