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OnLive streamt Crysis auf den Mac und die Set-Top-Box

GDC
Neuer US-Dienst soll teure Gaming-PCs und Kopierschutz überflüssig machen. Der Streamingdienst OnLive soll das Spielen verändern: Die Spiele-PCs stehen im Rechenzentrum und liefern ihr Videosignal über das Internet auf beliebige Windows-PCs, Macs oder eine Set-Top-Box von OnLive.
/ Christian Klaß
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OnLive hat laut seinem Gründer und Chef Steve Perlman ein wichtiges Problem gelöst: Ein neues technisches Verfahren soll, gepaart mit einem auf niedrige Latenzzeiten ausgelegten Rechenzentrum, dem Spieler das Gefühl vermitteln, das Spiel unmittelbar zu steuern. Und das, obwohl die Spiele über das Internet ferngesteuert werden, ihre Ausgabe in Echtzeit komprimiert und zum Spieler über das Internet gestreamt werden müssen. Ähnliche Versuche hat es schon gegeben, doch bisher konnten sie nicht überzeugen.

OnLIve bietet für MacOS X und Windows ein Browser-Plug-in an. Für die Wiedergabe der OnLive-Streams sind keine hochgezüchteten Rechner nötig. Die Desktop- oder Notebook-PCs müssen nur in der Lage sein, die Streams zu decodieren, alternativ will OnLive auch eine eigene Set-Top-Box anbieten. Mit dieser OnLive MicroConsole, die über HDMI an Fernseher oder Projektoren im Wohnzimmer angeschlossen werden kann, macht OnLive dann auch traditionellen Spielekonsolen Konkurrenz.

Hochauflösendes Video und geringe Latenzen erfordern aber auch eine schnelle Internetanbindung. Bei langsamem DSL ab 1,5 MBit/s Downstream ist laut Perlman nur Standardauflösung (480p) möglich. Erst ab 5 MBit/s gibt es die volle OnLive-Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln (720p) bei 60 Bildern/s. Damit die Übertragung flüssig wirkt und die Reaktionszeit der Spiele niedrig erscheint, wurde sieben Jahre an dem Verfahren gefeilt.

An einen direkt beim Spieler stehenden High-End-PC wird OnLive allein wegen der vergleichsweise niedrigen Auflösung aber nicht herankommen. Außerdem wirkt sich eine verlustbehaftete Kompression immer negativ auf die Bildschärfe aus. Im PC-Bereich sind wegen immer leistungsfähigerer Grafikkarten und der immer günstigeren hochauflösenden Breitbild-LCDs längst Auflösungen weit über 1.280 x 720 Bildpunkten etabliert. OnLive richtet sich jedoch vor allem an diejenigen, die sich das Aufrüsten des PCs ersparen und trotzdem Titel wie Crysis Warhead spielen wollen, die als Hardwarefresser gelten.

OnLive soll seine Nutzer auch vernetzen. Wer es will, kann anderen Spielern erlauben, dem Videostream als Beobachter zu folgen. Außerdem können auf Knopfdruck die letzten Spielsekunden aufgezeichnet werden, um sie kommentiert mit anderen zu teilen – etwa weil es ein besonders positives oder negatives Erlebnis war. Auch Webcams sollen dabei genutzt werden können. Für die Aufzeichnungsfunktion wird der drahtlose Controller der OnLive MicroConsole einen speziellen Knopf aufweisen.

OnLive tritt dann in Konkurrenz mit Downloaddiensten wie Steam und Gamesload. Während diese sich um Kopierschutzsysteme kümmern müssen, spielen sie bei OnLive keine Rolle. Dafür dürfte OnLive aber deutlich höhere Kosten für sein Rechenzentrum haben. Denn hier müssen nicht nur leistungsfähigere Server stehen, auf denen die Spiele direkt laufen, sondern die Datentransfers für die Videostreams der spielenden Nutzer und ihrer Zuschauer müssen auch von OnLive bezahlt werden. Die Kosten könnten hier höher liegen als bei Downloads von Spielen und Patches.

Was die kurz- bis längerfristige Miete von Spielen bei OnLive kosten wird, wurde noch nicht verkündet. Bevor der Dienst im Winter 2009 startet, soll im Sommer eine Betatestphase beginnen. OnLive(öffnet im neuen Fenster) hat bereits Partner angekündigt: Atari, Codemasters, Eidos, Electronic Arts, Epic, Take Two, THQ, Ubisoft und Warner Bros. wollen Spiele und Spieledemos über den Dienst verfügbar machen. Zu den auf der GDC 2009 über OnLive gezeigten Spielen zählen etwa Burnout Paradise und Crysis Warhead.


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