Rockstar Games bringt Liberty City auf den Handheld. Die ganze Welt von Liberty City auf einer kleinen tragbaren Konsole? Als Rockstar Games die Entwicklung von GTA Chinatown Wars ankündigte, glaubten Spötter an einen schlechten Scherz. Die Entwickler haben aber Wort gehalten und eines der komplexesten Spiele aller Zeiten für den Nintendo DS entwickelt.
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Den Empfang in der Großstadt hatte sich Huang Lee sicher anders vorgestellt. Eigentlich wollte er nach dem Mord an seinem Vater doch nur ein altes Schwert bei seinem Onkel vorbeibringen. Statt mit rotem Teppich wartet das Begrüßungskommando aber mit bewaffneten Schlägern; und schon wenige Minuten nach Spielbeginn hat Huang nicht nur eine Kugel im Kopf, sondern wird auch noch mitsamt Auto im Fluss versenkt.
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Mit Glück – und einem ersten Einsatz des Touchpads beim Zerschlagen der Autofenster – überlebt Huang, die Probleme gehen allerdings erst los. Der Onkel zeigt sich wenig erfreut über den Verlust des Schwertes, der Krieg unter den Triadengangs ist in vollem Gange, und Liberty City versinkt förmlich in Kriminalität und Chaos. Was folgt ist typisch GTA: Schon bald ist Huang im Auftrag seines Onkels unterwegs, um Überfälle zu planen, sich wilde Schießereien zu liefern und Schritt für Schritt seinen Ruhm als Vorzeigegangster auszubauen.
Wer befürchtet hatte, dass Chinatown Wars wie eine abgespeckte Miniversion der großen Konsolenvorbilder daherkommt, wird schnell angenehm überrascht. Nicht nur, dass Rockstar Games dem Titel eine eigene Geschichte und einen eigenen Helden im bestens bekannten, diesmal allerdings in leicht seitlicher Draufsicht präsentierten Liberty City spendiert hat. Auch spielerisch entpuppt sich das Ganze als ebenbürtiger portabler Bruder.
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Es gibt Hauptmissionen sowie zahllose, von Passanten angebotene Nebenaufträge. Huang kann die Strecken zu den jeweiligen Missionspunkten zu Fuß zurücklegen, aber natürlich auch Autos kapern und minutenlang durch die Straßen von Liberty City fahren. Die Bedienung per Steuerkreuz ist dabei zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, wird aber durch eine automatische Spurfindung der Wagen erleichtert. Ein gutes Händchen am Steuer ist dabei schon bald spielentscheidend. Verfolgungsjagden mit der Polizei gibt es regelmäßig, und in Chinatown Wars hilft es nicht nur, zu flüchten und etwa in einem Hinterhof zu warten, bis die Verfolgerkarawane die Spur verloren hat. Auch Blechschäden sind unausweichlich – immer wieder gilt es, die Sirenenfahrzeuge von der Straße zu rammen und so unschädlich zu machen.
Das eigentliche Spiel läuft auf dem oberen DS-Bildschirm ab. Der Touchscreen ist dennoch ständig in Benutzung. Dort findet sich etwa die Karte inklusive GPS-System, der Zugang zum eigenen Appartment – wo Spielstände gesichert und Statistiken angeschaut werden können – sowie der PDA. Mit dem Stylus lassen sich hier bequem neue E-Mails lesen, Aufträge entgegennehmen und Informationen sammeln. Rockstar Games hat die Hardwarebesonderheiten des Nintendo DS aber auch spielerisch einbezogen. So gibt es kleinere Minispiele, etwa wenn Schlösser geknackt, Waffen montiert oder Gegenstände gesucht werden müssen. Unterhaltsam zudem: Per Pfiff ins DS-Mikrofon kann ein Taxi bestellt werden.
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Chinatown Wars bietet neben den Missionen allerdings auch eine weitere Möglichkeit, das Bankkonto aufzubessern – den Nebenjob als Drogendealer. An zahlreichen Orten können diverse Rauschmittel bezogen und in einer Art Miniwirtschaftssimulation gewinnbringend wieder veräußert werden.
Wenn Chinatown Wars in einer Hinsicht nicht mit den Versionen auf stationären Konsolen mithalten kann, dann natürlich bei der Präsentation. Das liegt weniger an der für ein DS-Spiel durchaus detaillierten, meist flüssigen Darstellung sowie dem gelungenen Soundtrack, sondern mehr an den etwas spartanischen Zwischensequenzen. Statt imposanter Videos gibt es hier meist Bildabfolgen, statt toller Sprachausgabe meist Untertitel, worunter die Atmosphäre leidet.
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In puncto Spielumfang hingegen lässt Chinatown Wars ungläubig den Kopf darüber schütteln, wie es die Entwickler geschafft haben, so viele Missionen, Möglichkeiten und Abwechslung auf ein DS-Modul zu pressen. Der Aussage von Rockstar Games, dass Chinatown Wars über 800.000 Zeilen Code besitzt und damit sogar mehr als für Grand Theft Auto: San Andreas, kann jedenfalls getrost Glauben geschenkt werden. Vor allem, da auch noch ein Multiplayer-Modus die Kampagne ergänzt. Hier darf dann kooperativ gekämpft oder ein kleines Rennen gegen Freunde absolviert werden – mehrere Spielmodule vorausgesetzt.
Wie es sich für ein GTA-Spiel gehört, hat auch GTA Chinatown Wars natürlich keine Jugendfreigabe von der USK erhalten. Angesichts von viel Gewalt und Drogen ist das durchaus verständlich. Volljährige Spieler können den exklusiv für Nintendo DS bereits im Handel verfügbaren Titel für etwa 40 Euro erwerben.
Fazit
Rockstar Games gebührt höchster Respekt. Es ist gelungen, die riesige Welt von Liberty City glaubwürdig auf den Nintendo DS umzusetzen. Der Handheld-Ableger steht seinen großen Brüdern in Sachen Komplexität und spielerischer Abwechslung kaum nach, einzig die Atmosphäre mag nicht ganz so dicht sein wie von der GTA-Reihe gewohnt. Derzeit gibt es auf dem DS keinen anderen derart vielschichtigen, komplexen und erwachsenen Titel.