Test: Internet Explorer 8 - mehr Komfort, kaum Tempo

Der Internet Explorer 8 ist der einzige Browser am Markt, der die von Microsoft erdachten Web Slices unterstützt. Damit lassen sich Informationen auf einer Webseite gezielt beobachten. Beispielsweise kann der Nutzer damit ein eBay-Angebot überwachen und nachschauen, ob sich der Preis geändert hat, ohne eine neue Webseite aufrufen zu müssen. Aber auch über eingehende E-Mails eines Webmailers kann sich der Nutzer so informieren. Denn Web Slices werden wie RSS-Feeds in die Favoritenleiste integriert und auch ähnlich aktiviert. Ein grünes Icon zeigt an, wenn Web Slices von einer Webseite angeboten werden.
Ein Web Slice sieht im Browser ähnlich aus wie ein Lesezeichen. Ein Klick darauf öffnet aber keine Webseite, sondern ein in der Größe veränderbares Fenster, das im Falle von eBay die wichtigen Auktionsdaten samt Foto enthält. Da Web Slices direkt in die Favoritenleiste gepackt werden, wird es schnell eng, wenn auch noch viele Lesezeichen darin Platz finden müssen. Bei intensiver Nutzung dieser Funktion wünscht sich der Anwender schon bald einen speziellen Bereich zur Ablage, um auch bei vielen Einträgen den Überblick zu behalten. Über die Verwaltung der Suchanbieter für den Browser gibt es eine Auflistung der Betreiber, die Web Slices unterstützen, um die Funktion bequem erreichen und ausprobieren zu können.
Suchvorschläge direkt aus dem Suchfeld heraus
Eine Besonderheit des Internet Explorer 8 sind die Suchvorschläge, die sofort erscheinen, wenn ein Begriff in das Suchfeld neben der Adressleiste des Browsers eingegeben wurde. Während der Eingabe erscheinen passende Treffer und je nach Anbieter gibt es eine Vorschau auf das Suchergebnis. Denn diese Suchvorschläge müssen von den Seitenbetreibern unterstützt werden. Wikipedia, eBay, Amazon und Google tun das zum Beispiel.
Natürlich kann das Suchfeld auch wie bisher einfach dazu verwendet werden, eine Anfrage direkt an eine bestimmte Suchmaschine zu leiten. Nach wie vor hat das Suchfeld aber den Nachteil, dass immer nur ein Anbieter abgefragt werden kann. Eine gekoppelte Suche bei zwei oder mehr Anbietern ist nicht möglich. Immerhin wurde der Wechsel zwischen verschiedenen Suchmaschinen vereinfacht. Die Suchverwaltung des Internet Explorer 8 informiert den Nutzer darüber, ob der betreffende Anbieter die Funktion unterstützt und ob sie aktiviert ist. Hier kann die Konfiguration auch geändert oder eine bestimmte Suche wieder entfernt werden.
Schnellinfos übergeben Daten an andere Dienste
Mit einer weiteren Funktion namens Schnellinfo will Microsoft das Surfen im Internet beschleunigen, indem Daten direkt an eine bestimmte Webseite übergeben werden. Dazu werden in einer Webseite die zu übergebenden Daten markiert. Mittels Kontextmenü entscheidet der Nutzer, an welchen Dienst die Daten geleitet werden. So kann etwa ein Begriff nachgeschlagen werden oder der Nutzer kann sich eine Adresse in einem Kartendienst anzeigen lassen. Das setzt aber voraus, dass der Anbieter Microsofts Schnellinfo unterstützt, sonst ist keine Datenübergabe möglich. Ein ähnlicher Ansatz findet sich in Opera bereits seit Jahren.
Verbessertes Tabbed-Browsing
Lange hat Microsoft das Thema Tabbed-Browsing komplett ignoriert und Jahre nach der Konkurrenz den ersten Browser mit dieser Bedienoption auf den Markt gebracht. Dabei verzichtete es auf neue Impulse ganz. Das hat sich mit dem Internet Explorer 8 geändert, dessen Tabbed-Browsing-Implementierung zurzeit ihresgleichen sucht. Denn nur der Internet Explorer gruppiert zusammengehörige Tabs und kennzeichnet sie farblich, damit der Nutzer sie besser unterscheiden kann.
Sind mehrere Tabgruppen aktiv und wird innerhalb einer Gruppe ein neues Tab geöffnet, wird dieses an das Ende der Gruppe gesetzt. Das hilft bei der Orientierung, sofern nicht zu viele Tabs geöffnet sind. Durch Verschieben mit der Maus kann die Tabreihenfolge beliebig verändert werden. Wenn ein neues Tab in eine bestehende Gruppe gezogen wird, wird es dieser Gruppe zugewiesen. Wird ein Gruppentab herausgezogen, eröffnet es eine neue Gruppe. Die Reihenfolge der Tabgruppen kann vom Nutzer nicht nachträglich verändert werden. Das ist zwar kein entscheidender Nachteil, wäre aber eine nette Komfortfunktion. Negativer macht sich bemerkbar, dass sich die nicht vom Nutzer änderbaren Gruppenfarben sehr schnell wiederholen und zwei Gruppen die gleiche Farbe erhalten.
Über das Kontextmenü lässt sich eine Tabgruppe bequem schließen und die Gruppierung kann für einzelne Tabs aufgehoben werden. Zudem lassen sich einzelne Tabs über das Kontextmenü duplizieren und der Nutzer erreicht darüber geschlossene Webseiten, um sie wieder zu öffnen. Allerdings können gruppierte Tabs nicht als Lesezeichenverzeichnis abgelegt werden und der Inhalt einer Tabgruppe lässt sich nicht gezielt aktualisieren.
Der Internet Explorer 8 öffnet für jedes Tab einen eigenen Prozess. Damit soll der Browser benutzbar bleiben, damit nicht eine einzelne Webseite den gesamten Browser zum Absturz bringen kann. In einem solchen Fall würde nur der einzelne Tab verschwinden, die übrigen offenen Webseiten blieben offen. Diesen Ansatz verfolgt auch der Google-Browser Chrome . Beim Internet Explorer 8 sorgt das im Vergleich zur Vorversion für einen erhöhten Speicherbedarf. Wenn viele Tabs geöffnet sind, verlangt der Neuling deutlich mehr Speicher als der Vorgänger.
Microsoft hat sich, wie andere Browserhersteller auch, Gedanken darüber gemacht, was ein Nutzer erwartet, wenn er ein leeres Tab öffnet. Der Internet Explorer 8 zeigt in einem leeren Tab die zuletzt geschlossenen Tabs sowie die letzte Browsersitzung, bewirbt die Schnellinfofunktion und erlaubt den Wechsel in den Modus InPrivate. Ist InPrivate aktiviert, erscheint ein entsprechender Hinweis in der Adresszeile und es werden keine aufgerufenen Webseiten in den Verlauf übernommen und Cookies sowie Formulardaten werden nicht auf dem Rechner abgelegt. In diesem Modus aufgerufene Webseiten lassen sich also nicht ohne weiteres von anderen Nutzern nachprüfen.
Neue Sicherheitsfunktionen
Der neue Browser hat verbesserte Sicherheitsfunktionen wie einen Malware-Filter und einen überarbeiteten Phishing-Schutz erhalten. Unter anderem werden internationale Domains (IDN) nur in der im Browser eingestellten Sprache unterstützt, um Phishing-Angriffe zu vermeiden. Alle übrigen IDN erscheinen in der normalen Syntax in lateinischen Buchstaben. Besonders im Zusammenspiel mit Paypal sind entsprechende Angriffe seit langem bekannt und immer noch üblich.
Intelligente Adressleiste zeigt das Wesentliche
Der Internet Explorer 8 erhält, wie es auch die Konkurrenz macht, eine intelligente Adressleiste. Bei der Eingabe von URLs erscheinen unterhalb der Adressleiste in einem Drop-Down-Feld die Adressen bereits besuchter Webseiten und abgelegter Lesezeichen. Dabei werden die URL und der Seitentitel berücksichtigt und es findet eine optische Unterteilung zwischen Browserverlauf und Lesezeichen statt, wodurch die Orientierung verbessert wird. Als Besonderheit lassen sich Einträge aus den Suchergebnissen bequem mit der Maus löschen. Damit können falsch eingetippte oder nicht mehr benötigte Adressen aus dem Verlauf entfernt werden.
Neue Rendering-Engine
Microsoft hat die Rendering-Engine im Internet Explorer grundlegend überarbeitet. Damit hält sich der Neuling deutlich mehr an Webstandards als seine Vorgänger. Da viele Entwickler ihre Webseiten an die Besonderheiten des Internet Explorer angepasst haben, führt das dazu, dass diese Seiten nicht mehr fehlerfrei im Internet Explorer 8 erscheinen. Um die Nutzer vor solchen Erfahrungen zu bewahren, hat Microsoft dem eine Kompatibilitätsliste beigelegt.
Benchmarks
| Browser | SunSpider | V8-Benchmark | Peacekeeper |
| Internet Explorer 8 | 3.528,8 ms | 120 | 454 Punkte |
| Internet Explorer 7 | 17.650,8 ms | 69,9 | 270 Punkte |
| Firefox 3.1 Beta 3 | 1.069,4 ms | 409 | 898 Punkte |
| Safari 4 Beta | 642,4 ms | 2.405 | 1.717 Punkte |
| Opera 10 Alpha | 2.295,0 ms | 323 | 1.190 Punkte |
| Chrome 1.0154 | 750,8 ms | 2.658 | 1.455 Punkte |
Auch im SunSpider-Benchmark(öffnet im neuen Fenster) wird der Internet Explorer 8 gnadenlos von der Konkurrenz überholt. Der Spitzenreiter Safari ist dabei mehr als fünf Mal so schnell wie der Microsoft-Browser, und Chrome kommt immer noch auf das 4,7fache Tempo. Auch beim neuen Browserbenchmark Peacekeeper(öffnet im neuen Fenster) von FutureMark hat der Internet Explorer 8 gegenüber allen anderen Browsern das Nachsehen: Safari ist fast vier Mal schneller, Chrome überholt ihn mit 3fachem Tempo und Opera erreicht die 2,5fache Geschwindigkeit, während Firefox doppelt so zügig wie der Internet Explorer 8 arbeitet. Getestet wurde mit einer von Microsoft zur Verfügung gestellten Vorabversion, die der Final entsprechen wird.
Seit dem 19. März 2009 um 17:05 Uhr steht die finale Version des Internet Explorer 8 für Windows XP, Vista und Windows Server 2003 sowie 2008 über www.microsoft.com/ie8(öffnet im neuen Fenster) unter anderem in deutscher Sprache als Download zur Verfügung.
Fazit
Der Internet Explorer 8 bringt im Vergleich zur Vorversion wichtige Verbesserungen bei der Bedienung und hebt sich damit von der Konkurrenz ab. Sowohl die Web Slices als auch die Schnellinfos und die Suchvorschläge machen das Surfen im Internet komfortabler. Auch die Tabgruppierung vereinfacht die Bedienung, allerdings nur, sofern nicht zu viele Tabs gleichzeitig offen sind. Bei den Web Slices stört, dass sie sich den Platz in der Favoritenleiste mit den anderen Lesezeichen teilen müssen und keinen eigenen Bereich haben.



