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Silverlight 3 - schneller und browserlos

Beta von Silverlight 3 und Expression Blend 3 zur Mix'09. Microsoft hat auf seiner Hausmesse Mix'09 eine erste Betaversion seines Flash-Konkurrenten Silverlight 3 vorgestellt. Die neue Version unterstützt unter anderem den Videocodec H.264 sowie GPU-Beschleunigung und erlaubt es, Silverlight-Applikationen auch außerhalb des Browsers laufen zu lassen.
/ Jens Ihlenfeld
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Silverlight 2 wurde laut Microsoft auf rund 300 Millionen Computern installiert, mit Silverlight will Microsoft nun die Möglichkeiten seiner RIA-Plattform, die in Konkurrenz zu Adobes Flash steht, weiter ausbauen. Dazu bohrt Microsoft nicht nur Silverlight selbst auf, sondern liefert neue Bausteine für Entwickler sowie mit Expression Blend eine neu gestaltete Entwicklungsumgebung mit.

Silverlight 3 mit H.264 und AAC und GPU-Beschleunigung

Neu in Silverlight 3 ist die native Unterstützung von H.264 und AAC (Advanced Audio Coding) sowie die Möglichkeit, HD-Videos mit Auflösung über 720p mit Smooth Streaming von IIS7 abzuspielen. Der Server passt dabei die Bandbreite des Streams der verfügbaren Bandbreite und Computerressourcen an. Zudem gibt es eine erweiterbare Decoder-Pipeline. Diese erlaubt es, weitere Codecs einzubinden, auch wenn sie nicht von Microsoft zur Verfügung gestellt werden. Videoinhalte in HD können zudem im Vollbild abgespielt werden, wobei Silverlight die Hardwarebeschleunigung der Grafikkarte nutzen kann.

Microsoft macht Silverlight schneller

Für mehr Geschwindigkeit sollen unter anderem ein verbessertes Text- und Font-Rendering sowie Bitmap Caching von Vektorinhalten sorgen. Hinzu kommt Caching von Bibliotheken, was die Größe der einzelnen Applikationen beschränken soll, und Binary XML, womit sich der Datenaustausch mit dem Server mittels Kompression beschleunigen lässt. Lokale Verbindungen sparen gegebenenfalls einen Umweg über den Server, denn ein Diagramm kann beispielsweise seine Daten direkt aus einer Tabelle auf dem lokalen Rechner beziehen.

Silverlight verlässt den Browser

Mit der Version 3 verlässt Silverlight den Browser, denn entsprechende Applikationen lassen sich künftig direkt vom Desktop aus starten, ohne dass eine Runtime oder ein Browser-Plug-in benötigt werden, was Microsoft als "Out of Browser Capability" beschreibt. Dabei stehen die vollen Sicherheitsfunktionen des .Net-Frameworks und eine automatische Updatefunktion zur Verfügung.

Silverlight-Applikationen erkennen in der neuen Version automatisch, ob eine Verbindung zum Internet besteht und reagieren entsprechend, indem sie zum Beispiel Nutzerdaten cachen, bis wieder eine Verbindung besteht.

Neue 3D-Funktionen und Animationen

Darüber hinaus wartet Silverlight 3 mit neuen 3D-Funktionen auf, bei denen ebenfalls auf die Hardwarebschleunigung des Grafikchips zurückgegriffen werden kann. Entwickler können beispielsweise Inhalte auf eine 3D-Ebene legen und diese dann nach Belieben rotieren und skalieren. Auch Pixel-Shader-Effekte werden unterstützt. Microsoft liefert hier Weichzeichnen und Schattenwurf mit. Microsoft bringt auch neue Animationseffekte wie Spring und Bounce, wobei Entwickler auch die Möglichkeit haben, eigene mathematische Formeln für Animationen zu hinterlegen. Die Funktion Deep Zoom erlaubt es, nahtlos durch große Bildbestände zu navigieren.

Ein neues Bitmap-API macht es möglich, Pixel in eine Bitmap zu schreiben, so dass beispielsweise eine Bildbearbeitung in Silverlight umgesetzt werden kann. Microsoft schafft zudem Möglichkeiten für eine bessere Anpassung von Silverlight-Applikationen durch Themes und Skins für Bedienelemente.

Silverlight bringt in der Version 3 mehr als 60 neue Interface-Elemente samt Quellcode mit, darunter Diagramme, neue Layout-Container wie Dock und Viewbox, Bedienelemente wie Autocomplete, Treeview und Datagrid. Alle stehen in neuen Designthemes zur Verfügung, die zudem angepasst werden können.

Deep-Linking bringt Silverlight-Inhalte in Suchmaschinen

Eine ganz wesentliche Neuerung ist die Möglichkeit zum sogenannten Deep-Linking, so dass sich Bookmarks auf einzelne Seiten einer Applikation setzen lassen. Relevanz hat das auch für das Theme SEO (Search Engine Optimization), denn es ist dadurch möglich, Silverlight-Inhalte über Suchmaschinen auffindbar zu machen. Microsoft stellt dazu ein SEO-Whitepaper bereit.

Einzelne UI-Elemente können zudem mit CLR-Objekten oder anderen UI-Komponenten via XAML verbunden werden, beispielsweise ein Schieberegler mit der Lautstärkeregelung des Mediaplayers. Zudem gibt es neue Möglichkeiten zur Datenvalidierung und Unterstützung von Business-Objects auf Client- und Serverseite.

Eine Druckfunktion wird auch Silverlight 3 nicht mitbringen. Das sei aus Sicherheitsgründen schwierig umzusetzen.

Eine Betaversion von Silverlight 3 veröffentlichte Microsoft im Rahmen der Mix'09, die Finalversion soll im Juli oder August 2009 erscheinen. Wie gehabt wird Silverlight für Windows und MacOS X angeboten, während die Linux-Variante Moonlight vornehmlich von Novell entwickelt wird und noch nicht zur Verfügung steht. Die eigentliche Silverlight-Runtime ist rund 4 MByte groß. Künftig soll jedes Jahr im Sommer eine neue Hauptversion von Silverlight erscheinen, die voll abwärtskompatibel ist.

Super-Preview: Vorschau in mehreren Browsern

Eine praktische Neuerung erhält auch Expression Web: Mit dem Werkzeug SuperPreview(öffnet im neuen Fenster) können Websites gleichzeitig in verschiedenen Browsern getestet werden. Es enthält außerdem verschiedene Debuggingwerkzeuge, Möglichkeiten, die Ansichten zu überlappen, Zoomfunktionen, Lineale, Grids, Check für CSS/HTML und so weiter.

Zur Mix veröffentlicht Microsoft eine kostenlose Vorabversion, die verschiedene Variationen der Internet Explorer enthält, einschließlich IE6, der sich sonst auf aktuellen Windows-Systemen nicht mehr ohne Weiteres installieren lässt. Die endgültige Fassung im Sommer soll aber auch andere Browser wie Firefox integrieren.

Expression Blend mit SketchFlow für Rapid-Prototyping

Größere Veränderungen erfährt auch Microsofts RIA-Entwicklungspaket Expression Blend, für das Microsoft eine Vorschau auf die Version 3 zeigte. Neu dabei ist das Rapid-Prototyping-Werkzeug SketchFlow. Damit sollen sich einfach dynamische Prototypen erstellen lassen, so dass Auftraggeber die Grundfunktionen einer Applikation frühzeitig nachvollziehen können.

Dateien aus Adobe Photoshop und Illustrator lassen sich nun direkt importieren. Microsoft verspricht, dass die mächtige Importroutine für eine nahtlose Integration mit diesen Programmen sorgt. Beispielsweise lassen sich Photoshop-Dateien Ebene für Ebene durchsehen, Elemente neu gruppieren und deren Positionen verändern. Text und Vektoren bleiben auch nach dem Import editierbar.

Sogenannte Behaviors sollen Applikationen interaktiv machen, ohne dass eine Zeile Code geschrieben werden muss. Behaviors kapseln dazu komplexe Designinteraktionen in wiederverwendbare Komponenten ein, die direkt auf UI-Elemente angewandt werden können.

Vereinfachter Umgang mit Beispieldaten

Der Umgang mit Beispieldaten, die bei der Entwicklung oft benötigt werden, wird vereinfacht: Expression Blend 3 erlaubt es, Beispieldaten aus einer XML-Datei zu nutzen, die dann allen Elementen in einer Applikation zur Verfügung stehen. Dabei kann jederzeit zwischen den Beispieldaten und echten Livedaten gewechselt werden.

Aktuelle Entwicklungsstände lassen sich leicht mit anderen austauschen, da die Entwicklungsumgebung zur Ansicht nicht benötigt wird. Die Software umfasst einen Code-Editor für C#, Visual Basic und XAML. Die bereits angekündigte Entwicklungsumgebung für MacOS X auf Basis von Eclipse veröffentlicht Microsoft zur Mix in einer Vorabversion.

Expression Blend 3 soll zusammen mit Silverlight 3 im Sommer erscheinen. Zur Mix kündigte Microsoft eine Betaversion der Software an, die allerdings noch ohne SketchFlow erscheint.


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