Seehofer fordert Spieleverbote (Update)
Am Wochenende wurde bekannt, dass der Amokläufer von Winnenden am Abend vor der Tat, bei der er 15 andere Menschen und dann sich selbst tötete, über zwei Stunden lang den Ego-Shooter Far Cry 2 gespielt haben soll. Außerdem seien auf seinem PC sowohl Counterstrike als auch Tactical Ops gefunden worden. Darüber, ob Tim K. ein Spielefan war oder nicht, gibt es nach wie vor widersprüchliche Angaben.
Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat sich für ein Verbot von gewalthaltigen Ego-Shootern ausgesprochen. Im Morgenmagazin der ARD und in einer Mitteilung stellt der Verband die Frage, ob "Ego–Shooter für die Entwicklung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unverzichtbar" sind. Nach Auffassung der Kriminalbeamten hätten alle Amokläufer von Erfurt, Emsdetten, Winnenden und bei der vereitelten Tat in Köln "Ego–Shooter extensiv in ihrer Freizeit" gespielt.
Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes(öffnet im neuen Fenster) besagt: "Eine Zensur findet nicht statt" . Die Verfassung sieht die Schranken dieses Gesetzes unter anderem in den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend.
Nach der Veröffentlichung erster Ergebnisse einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) durch dessen Leiter Christian Pfeiffer, die sich mit dem Aspekt "Sucht" von Computerspielen beschäftigt, fordert ein Politiker ein Jugendverbot von Titeln wie World of Warcraft. Dahingehend hat sich die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) gegenüber der Zeitung Hannoversche Allgemeine(öffnet im neuen Fenster) geäußert. Ross-Luttmann möchte, dass die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) künftig bei ihren Freigaben von Computerspielen auch prüft, ob die Programme suchtgefährdend sind; bislang kann die USK die Spiele nur im Hinblick auf Gewalt und Sexualität einstufen. Ein entsprechendes Gesetz müsste mit den anderen Bundesländern abgestimmt werden.
Bereits im April 2008 hatte sich der Deutsche Bundestag mit Onlinespielesucht – unter besonderer Berücksichtigung von World of Warcraft – beschäftigt. Nach einer Expertenbefragung einigten sich die Politiker darauf, dass weitere Forschung zu dem Thema nötig ist.
Nachtrag vom 16. März 2009, 13:10 Uhr:
Horst Seehofer steht möglicherweise Widerstand innerhalb seiner CSU/FDP-Koalitionsregierung im Hinblick auf das von ihm geforderte Verbot von sogenannten Killerspielen bevor. Zumindest hält Julika Sandt, medienpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im bayerischen Landtag, wenig von derartigen Plänen. "Ein Mangel an Medienkompetenz manifestiert sich auch darin, dass Politiker wieder einmal sogenannte Killerspiele verbieten wollen – ungeachtet der Tatsache, dass ein solches Verbot nicht umsetzbar ist" , stellte die FDP-Politikern fest. "Solche Forderungen sind nichts als blinder Aktionismus, zumal in den letzten Jahren versäumt wurde, die notwendigen Mittel bereitzustellen, um das Spieleverhalten Jugendlicher ausreichend zu untersuchen."