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Spieletest: Resident Evil 5 - Ballern statt Gruseln

Capcom setzt in der Fortsetzung der Kultreihe auf Action statt Horror. Subtiler Grusel, unheimliche Atmosphäre, düstere Schauplätze – all das hat Resident Evil 5, anders als seine Vorgänger, nicht zu bieten. Die Entwickler von Capcom setzen diesmal auf kompromisslose Action. Schweißperlen auf der Stirn und erhöhter Pulsschlag bleiben dank gnadenloser Gegnerhorden nicht aus.
/ Thorsten Wiesner
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Irgendwo in Afrika: Ein Biovirus greift um sich und verwandelt Menschen in willenlose Killermaschinen. Schuld sind offensichtlich Terroristen, die mit Biowaffen arbeiten. Und natürlich hat auch die in älteren Resident-Evil-Spielen zuständige Umbrella Corporation ihre Hände wieder mit im Spiel. Spezialagent Chris Redfield, Serienveteranen ebenfalls schon bekannt, wird abkommandiert, um die Vorkommnisse aufzuklären. Dabei muss er auf seine verstorbene, in Rückblenden auftauchende Exbegleiterin Jill Valentine verzichten. Alleine ist er trotzdem nicht: Gleich zu Spielbeginn schließt sich ihm die abgebrühte, landeskundige Schönheit Sheva Alomar an, um Chris zu unterstützen.

Resident Evil 5 - Test
Resident Evil 5 - Test (04:21)

Resident Evil 5 setzt den Weg fort, den schon der Vorgänger angedeutet hat: Die subtilen Gruselmomente sind deutlich zurückgefahren, der Actionanteil massiv hochgeschraubt. Schon nach kurzer Zeit finden sich Pistolen, Maschinen- und Schrotgewehre im Inventar, und an Zombies, grausig mutierten Tieren und riesigen fantasievoll gestalteten Bossgegnern herrscht zu keiner Zeit Mangel. Im Gegenteil: Oft sind es wahre Horden von Angreifern, die sich auf das Paar stürzen. Neben ausufernden Feuergefechten ist also auch das Weglaufen unter Zeitdruck eine wichtige Beschäftigung.

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Sheva entpuppt sich als willkommene und meist intelligente Unterstützung: Sie attackiert selbstständig, gibt Deckung und sammelt Munition sowie Heilpflanzen ein. Sie heilt Chris in brenzligen Situationen und hilft per Knopfdruck etwa dann, wenn sich eine verschlossene Tür nur zu zweit aufbrechen lässt oder ein Endgegner Attacken von verschiedenen Seiten erfordert. Mit Knopfdruck kann der Spieler bestimmen, ob Sheva eher defensiv agiert und jederzeit zum Heilen von Wunden in der Nähe ist, oder aggressiv selbst nach vorne prescht. Seine volle Qualität entwickelt das Zusammenspiel allerdings erst dann, wenn ein Kumpel online oder via Splitscreen den Koop-Modus aktiviert und beide Spieler gemeinsam durch Absprechen die Kampagne lösen.

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Obwohl einige Passagen ein koordiniertes Vorgehen beider Protagonisten erfordern, haben die Entwickler den Rätselanteil auf ein Minimum zurückgeschraubt. Serienveteranen müssen sich also nicht nur auf deutlich mehr Action, sondern auch auf viel weniger Puzzles einstellen. Sogar hinsichtlich der Schauplätze ist vieles anders: Afrikanische Wüste, ein abgelegenes Dorf, Fabrikgebäude – die meisten Kulissen erinnern eher an Tomb Raider oder Metal Gear Solid als an klassische Resident-Evil-Szenarien. Angesichts der grafischen Qualität lässt sich das allerdings verschmerzen: Hoch aufgelöste, mit Details gespickte und äußerst abwechslungsreich gestaltete Orte, erschreckend düster dreinblickende Zombies, wunderbar gestaltete Endgegner, beeindruckende Lichteffekte und flüssige Animationen – Resident Evil 5 protzt mit Traumgrafik.

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Hinzu kommen unzählige, oft minutenlange Zwischensequenzen. Kaum hat Chris einen neuen Raum betreten oder eine weitere Horde Mutanten erlegt, schon wird die Geschichte in einer spannend inszenierten Sequenz vorangetrieben. Das tröstet ein wenig darüber hinweg, dass Resident Evil 5 äußerst linear daherkommt und die Spielmechanik teils schon antiquiert wirkt. Bestimmte Stellen lösen immer bestimmte Events aus, ein Erreichen wichtiger Artefakte etwa sorgt zuverlässig für ein Hereinbrechen neuer Kontrahenten. Schockmomente bleiben weitgehend aus, an Stress und Panik herrscht ob der Gegnermassen trotzdem kein Mangel.

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Die etwas unbeholfen und steif wirkende Bedienung ist allerdings bestens bekannt; wer will, kann im Menü auf eine an Ego-Shooter erinnernde Steuerung umstellen. Gleichzeitiges Laufen und Schießen funktioniert auch dann allerdings nicht. Ein sicheres Händchen beim Verfeuern der limitierten Munition ist gerade in späteren Missionen unabdingbar: Nur gut platzierte Treffer sorgen für ein rasches Ableben der Kontrahenten. Nahkampfaktionen sind teils zwar auch möglich und nötig, aber längst nicht so effektiv wie ein trotz Laserpointer alles andere als einfacher Treffer. Damit auch Einsteiger nicht zu schnell verzweifeln, gibt es einerseits drei auswählbare Schwierigkeitsgrade, andererseits ein automatisches Speichersystem. Die Zeiten des Farbband-Einsammelns sind also vorbei.

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Technisch unterscheiden sich PS3- und Xbox-360-Version kaum voneinander. Auf der Sony-Konsole ist die 4,8 GByte große Installation unumgänglich, auf der Xbox 360 ist sie optional. In puncto Texturenschärfe nehmen sich die Versionen nichts. Einzig das Kantenflimmern tritt auf der Sony-Konsole verstärkt auf. Dafür sorgt auf der Xbox 360 fehlendes V-Sync für unschöne Bildfehler, wenn in einer anderen Auflösung als 1.280 x 720 Pixeln gespielt wird. Das ist besonders ärgerlich für Spieler mit HD-Ready-Fernsehern und PC-Monitoren, deren native Auflösung höher liegen dürfte.

Blut spritzt übrigens einiges, die USK hat aus nachvollziehbaren Gründe keine Jugendfreigabe erteilt. Erwachsene Spieler dürfen den Titel für rund 60 Euro auf Playstation 3 und Xbox 360 kaufen. Für zehn Euro mehr ist eine Collector's Edition in der Steelbox mit einer zusätzlichen "Making of"-DVD erhältlich. Zu Gerüchten, dass später eine PC-Fassung folgt, äußert sich Hersteller Capcom momentan nicht.

Fazit

Erwachsene Serienpuristen, die am liebsten im dunklen Zimmer und mit zittriger Hand spielen, werden mit Resident Evil 5 nicht glücklich: Der jüngste Teil ist eine Abkehr vom düsteren Survivalhorror der bisherigen Serie und ein großer Schritt in Richtung kompromissloser Action. Wer unvoreingenommen an das Spiel herangeht, wird dafür mit einem nahezu perfekt inszenierten und optisch herausragenden Actionspiel belohnt – und kann sich über einen der besten Koop-Modi der Spielgeschichte freuen.


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