Roboter Justin bereitet den Tee

Das untere Ende des Torsos ist indes wenig menschlich: ein großer Zylinder, aus dem vier Räder ragen, auf denen sich Justin fortbewegt. Der Roboter soll im Haushalt helfen, erklärt Thomas Wimböck vom DLR. Er kann putzen, das Geschirr auftragen und sogar einfache Speisen zubereiten. Auf der Cebit etwa haben ihn seine Entwickler, Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), darauf programmiert, Zitronentee zuzubereiten.
Vor den staunenden Zuschauern nimmt Justin einen Behälter mit Zitronenteegranulat vom Tisch und schraubt es auf. Vorsichtig kippt er es und tippt mit einem Finger der zweiten Hand erstaunlich behutsam auf den Rand, damit das Granulat in das Glas rieselt. Schließlich greift er nach einer Karaffe mit Wasser und gießt den Zitronentee auf.
Diese für einen Menschen recht einfache Handlung ist für einen Roboter eine veritable Leistung: Er muss die einzelnen Objekte für die Handlung erfassen, erkennen und sie lokalisieren. Das bedeutet, seine Kameraaugen erfassen die Objekte, die dann mit einer Datenbank abgeglichen und klassifiziert werden. Das ist nicht immer einfach, da die Ausrichtung der Objekte und Lichtverhältnisse die Erfassung beeinträchtigen kann.
Die lassen Justin auch ordentlich zupacken: Eine Getränkekiste zu stemmen, bereite ihm kein Problem, erklärt Wimböck. Der Roboter kann mit jedem seiner Arme 14 Kilo heben. In so einem Fall können die Räder aus dem Fahrwerk ausgefahren werden. Mit der vergrößerten Standfläche von knapp einem Meter mal 80 Zentimeter bekommt Justin einen sichereren Stand. Zum Fahren werden sie dann wieder eingefahren. Dann misst das Chassis rund 70 mal 50 Zentimeter. Damit könne Justin auch in einer engen Wohnung navigieren, so Wimböck.
Vorsicht beim Umgang mit Menschen
Wichtig beim Umgang mit Menschen ist die Sicherheit. Im industriellen Umfeld, wo Roboter in der Produktion eingesetzt werden, lässt sich das einfach lösen: Mensch und Roboter werden getrennt. Die Bereiche mit den Robotern sind abgesperrt. Betritt ein Mensch diesen Bereich, stoppen die Roboter sofort.
Die Sensoren lassen sich auch zur Steuerung des Roboters nutzen, erklärt Ioannis Iossifidis von der Universität Bochum: Der Mensch kann dem Roboter beispielsweise einen Lappen in die Hand drücken und die Hand dann über einen Tisch oder einen Schrank führen. Justin nimmt die Bewegung auf und putzt die Fläche selbstständig zu Ende.
Anschließend entfernt sich der Roboter diskret in die Küche, wo er das Tablett leer räumt und Getränkenachschub holt. Damit er ungestört mit seinem Arm agieren kann, muss die Küche leer sein. Sensoren in den Wänden warnen, wenn ein Mensch den Raum betritt. Dann nimmt der Roboter – wieder ganz Butler – seinen Arm auf den Rücken.
Hallo, Roboter
Für so viel Funktionen und Intelligenz müssen die Roboter über ein gehöriges Maß an Rechenkapazität verfügen. Im Gehäuse des Care-O-Bot arbeiten drei Computer, in Justins Fahrwerk sogar vier. Das macht sich im Gewicht bemerkbar: Justin bringt laut DLR-Mitarbeiter Wimböck knapp 200 Kilo auf die Waage. Davon entfallen etwa drei Viertel auf das Unterteil mit der Technik.
Bis wir einem Haushaltsroboter das Tischdecken oder Abwaschen überlassen können, wird es, da sind sich die Wissenschaftler einig, noch einige Jahrzehnte dauern.