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InBath - wenn das Badezimmer zum Zähneputzen drängt

Cebit 2009
Individualisierbares Badezimmer-Assistenzsystem. Das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme hat ein intelligentes Badezimmer entwickelt, das sich den Bedürfnissen seiner Nutzer anpasst. Vor allem ältere Menschen sollen damit im Alltag Unterstützung erfahren.
/ Werner Pluta
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Das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) in Duisburg hat auf der Cebit ein Badezimmer vorgestellt, das sich in verschiedener Hinsicht den Bedürfnissen und Vorlieben der Bewohner anpasst. Das System ist in erster Linie als Assistent gedacht, der ältere Menschen im Alltag unterstützt. Kern des Systems ist eine Benutzeroberfläche mit verschiedenen Icons, die in den Spiegel eingeblendet werden. Darüber werden beispielsweise Seifenspender und Wasserhahn bedient.

Darüber hinaus ist das System konfigurierbar und kann auf jeden einzelnen Hausbewohner abgestimmt werden. Das fängt bei der Gestaltung des Menüs im Spiegel an, dessen Punkte auf individuelle Bedürfnisse eingerichtet werden können. So ist es etwa möglich, Berechtigungen zu vergeben, so dass der Medikamentenschrank nur von Bewohnern und Pflegern, nicht aber von Fremden oder gar Kindern geöffnet werden kann.

Nicht alle Icons sind aber Bedienelemente. Einige, zum Beispiel die fürs Zähneputzen oder das Kämmen, sind als Erinnerung gedacht, wenn das System feststellt, dass der Bewohner beispielsweise vergessen hat, nach der Zahnbürste zu greifen. Dann leuchtet das Icon auf und die Nische, in der die Zahnbürste steht, wird angeleuchtet. Greift der Bewohner nach der Zahnbürste, wird in den Spiegel eine Matrix mit den vier Sektoren im Mund sowie eine Uhr eingeblendet, um den Nutzer daran zu erinnern, die Zähne alle gründlich und lange genug zu putzen.

Verändert werden kann aber nicht nur das Menü, sondern auch die Einrichtung des Raumes selbst. Meldet sich ein Nutzer beim Badezimmersystem an, wird es an seine Bedürfnisse angepasst. So ist es etwa möglich, die Einheit aus Schrank, Spiegel und Waschbecken und die Toilette in der Höhe zu verstellen, so dass größere und kleinere Bewohner sie gleichermaßen bequem nutzen können. Kinder brauchen dann nicht mehr auf einen Tritt zu steigen, um sich die Finger zu waschen.

Gleichzeitig sammelt das System Daten über den Bewohner: Hat er seine Medikamente genommen? Hält er die regelmäßige Körperpflege ein? Wie sehen die Pulswerte oder das Gewicht aus? Diese Werte werden über Sensoren im Fußboden erfasst. Alle gesammelten Daten kann der Pfleger auf einen Blick abrufen. So bleibe ihm Zeit für den Menschen, der soziale Aspekt der Pflege werde wieder mehr betont, erklärt Tobias Haverkamp vom Fraunhofer IMS.

Der Aspekt des Datenschutzes und der Datensicherheit sei dabei sehr wichtig, so der Haverkamp. Deshalb sollen die Daten nur lokal gesammelt werden. Auch wenn ein Alarm gesendet wird, etwa weil die Sensoren im Bad oder in anderen Räumen der Wohnung bedenkliche Werte anzeigen, soll nur eine Meldung herausgeschickt werden, dass etwas nicht stimmt, nicht aber worin das Problem besteht. Auch hier haben die Bewohner und ihre Angehörigen eigene Wahlmöglichkeiten, etwa wer im Notfall alarmiert werden soll.

Ziel des assistiven Badezimmers sei aktivierende Pflege, erklärt Haverkamp. Das bedeutet, den Bewohnern soll nur das abgenommen werden, was sie selbst nicht können. Das System soll sie dabei unterstützen, ihre Fertigkeiten weiter anzuwenden und sogar verlernte wieder zu aktivieren.

Solche Systeme sollen in Zukunft aber nicht nur als Assistenzsystem für Pflegebedürftige angeboten werden, sondern für jedermann - als Unterhaltungs- und Informationssystem, das am Morgen für jeden Bewohner dessen individuelle Einstellungen lädt: Für das Kind wird das Waschbecken weiter heruntergefahren und dessen Lieblingsmusik abgespielt. Die Eltern bevorzugen vielleicht Nachrichten oder Wetterinformationen und bekommen diese beim Zähneputzen angezeigt. Später kann das System um Pflegeanwendungen erweitert werden.

Das System ist eine Java-Applikation, die bei dem Prototypen, der in nur drei Monaten am Fraunhofer IMS entwickelt und gebaut wurde, auf einem Windows-Rechner läuft. Dieser soll künftig durch eine Set-Top-Box ersetzt werde, die stabiler läuft und einfacher ferngewartet werden kann.


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