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Intel: "Mehr Kerne sind nicht die einzige Innovation"

Prozessordirektor Zane Ball im Interview. Cebit Intels Marketingdirektor für Prozessoren, Zane Ball, erklärt im Interview mit Golem.de, warum das Unternehmen seine Roadmap gestrafft hat, warum die Leistung eines einzelnen CPU-Kerns immer noch zählt und was die Integration von Grafik in den Prozessor bringen soll.
/ Nico Ernst
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Obwohl Intel auf der Cebit 2009 keine neuen Prozessoren ankündigte, überraschte Zane Ball während seines Vortrages die Journalisten ganz am Ende mit einer Erklärung zu seinem Vorführgerät. In dem Notebook steckte die 32-Nanometer-CPU " Arrandale ", bei der ein Grafikkern mit im Chipgehäuse sitzt. Entsprechende Geräte hatte Intel bisher nur in Videos gezeigt , aber nicht öffentlich vorgeführt.

Nach seinem Vortrag erklärte Ball, warum sein Unternehmen neben der Arrandale-CPU mit seiner kürzlich veränderten Roadmap ganz auf 32 Nanometer setzt und die ursprünglich geplanten 45-Nanometer-CPUs für den Massenmarkt 2009 nicht mehr auf den Markt bringt. Mit der Wirtschaftskrise, so Ball, habe das nichts zu tun.

Vielmehr sei die Entwicklung der 32-Nanometer-Technik schon so weit fortgeschritten, dass die Umstellung für Intel und die PC-Hersteller Vorteile hätte. Die Entwicklung neuer Rechner soll einfacher werden und die Geräte im Endeffekt billiger, wenn man gleich auf Grafik setzt, die mit dem Prozessor im selben Chipgehäuse steckt. Ball kündigte auch an, dass aus dem Konzept in Zukunft ein "monolithisches Design" werden soll, bei dem CPU-Kerne und Grafik in einem Die sitzen.

Konkrete Angaben zur Rechenleistung der neuen Grafikkerne machte Ball zwar nicht, ließ aber durchblicken, dass sich unter anderem die Stromversorgung und die Kühlung vereinfachen, wenn die beiden Dies direkt nebeneinander sitzen. Zudem kann die CPU mit integriertem Speichercontroller schneller Daten an den Grafikkern liefern. Die Speicherbandbreite ist bei integrierter Grafik, die sich das RAM mit der CPU teilen muss, einer der Flaschenhälse. Gesteckte Grafiklösungen kann aber auch Arrandale nicht ersetzen: "Wer sich wirklich für 3D-Leistung interessiert, kauft Grafikkarten" sagte Ball.

Die immer weiter fortschreitende Integration von noch mehr Kernen und anderen Funktionen wie Grafik auf einem Die ist laut Ball aber nicht der einzige Weg, um bei Prozessoren zu mehr Rechenleistung zu kommen. Unumwunden gab der Intel-Manager zu, dass es noch lange Anwendungen geben wird, die die heute üblichen vier Kerne nicht voll nutzen. Die "Single-Thread-Performance" , also die Geschwindigkeit eines einzelnen Kerns, sei bei Intel weiter wichtig. "Wir vertreten absolut nicht die Position, dass die Innovation bei Prozessoren nur darin besteht, die Zahl der Kerne zu erhöhen" , sagte Ball.

Die zunächst anstehenden 32-Nanometer-Prozessoren mit Familiennamen "Westmere" brauchen jedoch einen neuen Sockel. Der heute aktuelle LGA775 für Core 2 Duo und Core 2 Quad ist damit aber noch kein Auslaufmodell. Ball sagte, Intel wolle dafür noch "einige Quartale lang" neue Prozessoren auf den Markt bringen.

Dass es die neuen Westmere-Prozessoren auf der Cebit 2009 noch nicht zu sehen gab, wohl aber Mainboards dafür von vielen Herstellern , erklärte Ball mit Produktpolitik: "Wir haben unseren Kunden Muster für die Entwicklung zur Verfügung gestellt. Aber wir sind noch sehr vorsichtig damit, sie öffentlich zu verteilen." Ball dementierte damit auch Gerüchte, dass die taiwanischen Boardbauer ihre gezeigten Produkte im Blindflug hätten entwickeln müssen, weil die Westmere-CPUs noch nicht fertig seien.


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