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Spieletest: Warhammer 40K - Dawn of War 2

Echtzeitstrategie von Relic mit starker Präsentation und inhaltlichen Schwächen. Abstecher ins 41. Jahrtausend: Auf fernen Welten liefern sich stellare Völkchen einen Krieg nach dem anderen. Im Echtzeitstrategiespiel Warhammer 40.000: Dawn of War 2 darf der Spieler die Fraktion der Space Marines durch eine wendungsreiche Kampagne führen und seine Helden im schicken Rollenspielmenü pimpen.
/ Peter Steinlechner
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Strategen und Taktiker sitzen mit dicken Brillengläsern vor dem Bildschirm, bauen geduldig ihre Heere auf und sinnieren stundenlang über den nächsten Zug? Bei Echtzeitstrategiespielen gilt das nicht mehr so richtig – und spätestens die Kampagne von Warhammer 40.000: Dawn of War 2 ist in Bezug auf Tempo, Krawumms-Effekte und Adrenalinpegel auf einer Augenhöhe mit Actionspielen. Das Programm des Entwicklerstudios Relic Entertainment bietet als eine Besonderheit eine Kampagne, die Spieler auf Wunsch zusammen mit einem Koop-Partner bestreiten können. Der kann sich jederzeit in die Missionen mit ein- und wieder ausklinken.

In der Kampagne steuert der Spieler ausschließlich die Fraktion der Space Marines, also menschlicher Supersoldaten in mutmaßlich tonnenschweren Hightechrüstungen. Die bekämpfen auf einem fernen Planeten fiese Orks. Bis sich nach ein paar Missionen das Volk der übernatürlich begabten Eldar als weiterer Gegner hinzugesellt. Wenig später stellt sich heraus, dass der eigentliche Gegner die insekten- und drachenähnlichen Monster der Tyraniden sind, die mit ihren Massenangriffen dezent an die Zerg aus Starcraft erinnern.

Basisbau und der Einsatz von Vehikeln entfällt in der Kampagne weitgehend. Stattdessen steuert der Spieler kleine Teams aus bis zu drei Mitgliedern, indem er deren Anführer Mausbefehle erteilt. Diese Chefs sind auch deshalb wichtig, weil jeder über Spezialfähigkeiten verfügt. Der eine kann Granaten werfen und damit besonders effektiv Gegner aus Gebäuden kegeln, der andere unsichtbar das Gelände erkunden. Das Alter Ego des Spielers – den Namen vergibt er selbst – ist ein fast unkaputtbarer und extrem starker Nahkämpfer, der zudem sich und seine Mitstreiter heilen kann. Die Einheiten erholen sich außerdem, ähnlich wie in manchen Action- und Rollenspielen, in ohne weiteres Zutun, sobald sie nicht mehr in Kämpfen engagiert sind. Außerdem können sie sehr effektiv hinter Mauern oder sonstigen Begrenzungen in Deckung gehen, was den Schaden weiter reduziert. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad niedrig, Profis fühlen sich nur in der härtesten von vier Stufen ausreichend gefordert.

In den Missionen müssen bis zu vier Trupps vorgegebenen Ziele absolvieren: etwa einen feindlichen Anführer ausschalten oder ihre Basis gegen immer neu heranstürmende Gegnerreihen verteidigen. Die Einsätze sind stark geskriptet, immer wieder kommt es zu kleineren Überraschungen – unerwartete Hinterhalte oder ein plötzlich auftauchender Oberboss. Klingt abwechslungsreich, aber im Lauf der Kampagne stellen sich Ermüdungserscheinungen ein, weil sich die Missionen sehr ähneln und meist nicht viel mehr zu tun ist, als von A nach B zu marschieren und dabei alle auftauchenden Orks, Eldar und Tyraniden ins Jenseits zu schicken.

Nach den Einsätzen darf der Spieler seine Heldentruppen in einem spektakulär animierten Rollenspielmenü seinen Vorlieben anpassen. Er kann ihn (noch) unverwundbarer machen sowie Nahkampfkraft, Fernkampffähigkeiten oder magische Extras verbessern. Gleichzeitig schaltet das Programm dabei weitere Spezialfähigkeiten frei. In den Einsätzen erzählen Textfenster mit Spracheinblendung und ab und an ein kurzer Videoschnipsel die Handlung.

Im Multiplayermodus treten bis zu sechs Spieler gegeneinander einzeln oder in Teams mit allen vier Fraktionen an. Dawn of War 2 enthält von Haus aus sieben Karten – weitere werden voraussichtlich per Download folgen. Gewinner ist je nach Modus, wer alle Kontrahenten ausschaltet oder am meisten Punkte sammelt. Anders als in der Kampagne gibt es in den Matches sowohl rudimentären Basisbau als auch Vehikel – etwa Ork-Panzer, schwebende Eldar-Gleiter und Truppentransporter.

Dawn of War 2 basiert auf der Essence Engine 2.0 von Relic Studios. Die setzt einen Pentium 4 mit 3,2 GHz, ein entsprechendes Gegenstück von AMD oder einen beliebigen Dual-Core-Prozessor voraus. Unter Windows XP benötigt das Programm 1 und unter Vista 1,5 GByte RAM, auf der Festplatte belegt es rund 5,5 GByte Speicher. Die Grafikkarte muss über 128 MByte RAM verfügen und Direct X 9 beherrschen. Mit einem System dieser Größenordnung läuft das Spiel bereits flüssig und sieht gut aus.

Damit Dawn of War 2 läuft, muss es nach der Installation von DVD auch beim Onlinedienst Steam registriert werden. Das hat die bekannten Steam-Nachteile, gleichzeitig aber auch den Vorteil, dass das Programm ohne DVD im Laufwerk funktioniert, und dass es etwa bei Verlust des Silberlings jederzeit von den Valve-Servern herunterzuladen ist. Parallel dazu muss der Spieler über einen Account bei Games for Windows Live verfügen und sich damit im Spiele-Hauptmenü immer vor dem Zugriff auf Kampagne oder Multiplayermodus anmelden.

Warhammer 40.000 ist nur für Windows-PCs erhältlich und kostet rund 50 Euro. Eine "Limited Steelbook Edition" in besonderer Verpackung und mit zusätzlichen Ingame-Gegenständen ist für knapp 100 Euro erhältlich. Die USK hat das Programm ab 16 Jahren freigegeben.

Fazit

Mit echter Taktik und Strategie hat Warhammer 40.000: Dawn of War 2 zumindest in der Kampagne wenig zu tun. Das Spielgefühl erinnert stellenweise fast an eine rasante Mischung aus Diablo, Starcraft und ganz viel Action. Anfangs macht das – auch dank der gelungenen Präsentation und der schicken Effekte – richtig Spaß.

Bis sich herausstellt, dass sich die Einsätze oft wiederholen, es zu wenig echte Überraschungen gibt und der Spieler unterfordert wird, weil er mit dem ständig gleichen Vorgehen quasi immer ans Ziel kommt. Anders sieht es im Multiplayermodus aus. Hier spielen die originellen Einheiten und die starke Technik ihre Stärke aus und erlauben deutlich mehr an Taktik; ein paar mehr Modi und Maps dürften es allerdings sein.


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