Hollywood präsentiert: Filmpiraten der Karibik
"Raubkopierer sind Verbrecher", lautet das Mantra der Filmindustrie. Wer daran bisher nicht glauben wollte, den will Hollywood jetzt eines Besseren belehren. Zu diesem Zweck haben die großen Hollywood-Studios in Gestalt ihres Interessenverbandes Motion Picture Association (MPA) bei der RAND Corporation eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis trägt den Titel Film Piracy, Organized Crime and Terrorism(öffnet im neuen Fenster), und ist ab sofort als kostenloses PDF oder kostenpflichtiges Druckwerk zu beziehen.
Der Titel des 160-Seiten-Werkes macht klar, wohin die Reise geht. "Filmpiraten sind Terroristen" – fast jedenfalls. Im Vorwort der Studie heißt es: "Dieser Bericht... präsentiert detaillierte Fallstudien aus der ganzen Welt aus einem spezifischen Bereich der Produktfälschung – der Filmpiraterie –, um zu illustrieren, wie Kriminelle – und vielleicht Terroristen – neue und wenig diskutierte Wege zu Finanzierung ihrer ruchlosen Aktivitäten finden." Auf dem Cover(öffnet im neuen Fenster) der Druckversion ist neben mehreren DVDs und einer Geldrolle auch eine Pistole mit zugehörigen Patronen zu sehen.
Wie sieht das in der Praxis aus? Dazu liefert der Bericht in der Zusammenfassung mehrere Beispiele aus verschiedenen Ländern, unter anderem aus Italien, Großbritannien und Russland. Aus Malaysia wird Folgendes berichtet: "Die Ang-Bin-Hoey-Triade hat sich an Gebietskämpfen um die Kontrolle über Piratenmärkte beteiligt, in deren Verlauf es zu Messer- und Speerkämpfen kam; unbeteiligte Beobachter wurden ausgeraubt, darunter Familien, die an der Haltestelle auf den Bus warteten; die Anführer rivalisierender Banden wurden ermordet."
Finanzierung von Verbrechen
Die Autoren der RAND-Studie schlussfolgern aus den Beispielen ihrer Studie: "Wie diese Fälle nahelegen, ist die DVD-Piraterie wegen ihrer hohen Profite bei minimalem Risiko attraktiv für Kriminelle in aller Welt, die damit ihr Portfolio aus Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung und Menschenhandel ergänzen... Produktpiraterie trägt in großem Umfang dazu bei, unterschiedliche kriminelle Organisationen mit Geld zu versorgen. Im Fall der DVD-Piraterie sind kriminelle Gruppen dabei, die Kontrolle über die gesamte Lieferkette zu übernehmen..." In einer tabellarischen Übersicht über alle 17 untersuchten Verbrechersyndikate wird dargestellt, dass sich alle an Filmpiraterie beteiligen.
Die Studie sieht zwar einen Unterschied hinsichtlich der Handlungsmotive des organisierten Verbrechens und von Terroristen, weist aber zugleich darauf hin, dass sich "die Motivation eines Gruppenmitglieds angesichts veränderter Umstände ändern kann". Zur Illustration wird das Beispiel der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) angeführt, die sich zum Teil mit kriminellen Aktivitäten finanzierte.
Aus ihren Befunden leiten die RAND-Forscher eine Reihe von Forderungen ab. Um die aus dem "Diebstahl geistigen Eigentums" resultierenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit und die globale Wirtschaft einzudämmen, bräuchte es laut Studie fünf Zutaten: einen verstärkten politischen Willen; eine starke Gesetzgebung; eine konsistente Durchsetzung; abschreckende Strafen und innovative Lösungen.
Was stellen sich die RAND-Autoren unter abschreckenden Strafen vor? "Schlüsselfälle von Piraterie sollten von den Abteilungen für organisierte Kriminalität oder Geldwäsche bearbeitet werden. Die strikte Anwendung der Geldwäschegesetze... kann dazu beitragen, die finanzielle Attraktivität dieser Verbrechen zu reduzieren. Zusätzlich sollte Piraterie zu einem Vebrechenstatbestand hoher Priorität bei der Bekämpfung von Gang-Kriminalität gemacht werden."[von Robert A. Gehring]
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