Spieletest: Street Fighter 4 - alte Helden hauen besser
Neuauflage der legendären Prügelserie. Was Sylvester Stallone als Rocky kann, können Ryu und Co schon lange: Trotz nahezu biblischen Alters treten die Street-Fighter-Helden erneut zum Kampf an. Sie bieten auf Playstation 3 und Xbox 360 Einsteigern und Veteranen genug Gründe, zum Arcade-Stick zu greifen.
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So dominierend die Street-Fighter-Reihe in den 1990er Jahren war, so deutlich war der Bedeutungsverlust des Capcom-Prüglers in der letzten Dekade. Denn mit dem Sprung in die dritte Dimension hatten Reihen wie Soul Calibur und Tekken dem einstigen Platzhirschen den Rang abgelaufen. Street Fighter 4 soll nun das Kunststück vollbringen, neue Spieler für die Reihe zu gewinnen und gleichzeitig die alten Anhänger zu halten. Folgerichtig wird Prügelveteranen auch einiges bestens bekannt vorkommen.
In puncto Spielmodi etwa präsentiert sich Street Fighter 4 puristisch: Zwar leitet ein bombastisches Intro den vierten Teil ein. Wer deshalb auf eine Handlung oder eine echte Karriere hofft, wird allerdings enttäuscht. Im Training werden die grundsätzlichen Aktionen geübt, im Arcade-Modus immer schwerere Kontrahenten bis zu Bossgegnern wie dem mächtigen Seth besiegt. Bei den Herausforderungen absolviert der Spieler bestimmte Aufgaben und fordert im klassischen "VS" die großen Gegner einzeln heraus. Die Riege der Kämpfer besteht größtenteils aus altbekannten Charakteren wie Ryu und Ken, es gibt aber auch ein paar unterhaltsame Neuzugänge wie die Superagentin Crimson Viper, die mangelnde Kraft durch Schnelligkeit ausgleicht, oder den Wrestler El Fuerte.
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Auch die Bedienung geht erfahrenen Konsolenkampfsportlern locker von der Hand: drei Schlagarten, drei unterschiedliche Tritte, dazu der Block durch das Drücken des Richtungspads – fertig. Natürlich sorgen Kombinationen mit dem Richtungsstick für Special Moves, schnell hintereinander ausgeführte Aktionen ermöglichen Kombos, und die durch gut platzierte Schläge aufladbare Leistungsleiste ermöglicht zusätzlich mächtige Super Combos und die neuen Fokusattacken. Letztere werden einfach durch Drücken der mittleren Schlag- und Tritttasten aktiviert, haben aber eine verheerende Wirkung und dienen unter anderem dazu, auch einen Block aufzubrechen.
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Die Hauptschwierigkeit in Street Fighter IV liegt wieder einmal im Antizipieren der gegnerischen Aktionen und weniger im Auswendiglernen der Attacken. Im Gegensatz zur Prügelkonkurrenz, etwa dem letzten Soul Calibur, ist die Anzahl an Sonderschlägen überschaubar. Taktischer Tiefgang fehlt trotzdem nicht: Nur wer im richtigen Moment genau den richtigen Konter parat hält, entscheidet die zunehmend härteren Kämpfe für sich. Schön ist zudem, wie unterschiedlich und doch ausgeglichen die einzelnen Charaktere ausbalanciert sind; auch wenn Recken wie Ken und Chun-Li unzweifelhaft einen Popularitätsbonus haben, lässt sich Street Fighter 4 auch mit allen anderen Kämpfern meistern.
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Optisch bietet Street Fighter 4 denselben Mix aus Retrogefühl und Moderne, der auch das eigentliche Gameplay auszeichnet: Zwar sind die Schauplätze in 3D gehalten, detailreich gestaltet und mit vielen Animationen versehen. Beispielsweise rennen Kinder durchs Bild oder Gegenstände gehen zu Bruch. Das eigentliche Kampfgeschehen ist aber ganz klassisch in 2D zu sehen und zu steuern. Auch bestimmte Animationen und Extras wie Feuerbälle sind optisch detailgetreu dem zweiten Street Fighter nachempfunden. Dafür überzeugen die Charaktere gerade in Großaufnahmen mit einer Mimik, die dem aktuellen Soul Calibur vielleicht nicht das Wasser reicht, aber durch eine beeindruckende Liebe zum Detail glänzt.
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Wer sämtliche Bonus-Charaktere und Extrakostüme freigeschaltet hat, darf sich im Onlinemodus weiter prügeln – im Test verliefen die Multiplayer-Duelle verzögerungsfrei. Nicht ganz so perfekt ist dafür die Steuerung mit dem Konsolenpad: Vor allem der Xbox-360-Controller wirkt teils zu schwammig für die präzisen Special-Move-Aktionen; da sind PS3-Besitzer eindeutig im Vorteil.
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Street Fighter 4 ist für Xbox 360 und Playstation 3 im Handel verfügbar, kostet etwa 60 Euro und hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten. Sammler greifen zur limitierten und etwa 80 Euro teuren Special Edition, die Plastikfiguren von Ryu oder Crimson Viper, eine Bonus-Disc mit dem offiziellen Anime-Film von Street Fighter sowie ein Ministrategiebuch mit Move-Beschreibungen enthält. Im Sommer 2009 will Capcom eine Version für Windows-PC veröffentlichen.
Fazit
Wer den Entwicklern von Capcom Böses will, könnte ihnen vorwerfen, dass Street Fighter 4 im Grunde nur Street Fighter 2 im neuen Gewand ist. Prügelspielfreunde sollte das aber nicht stören: Die Neuauflage des Klassikers bietet einen bravourösen Mix aus Altbekanntem und neuen Ideen, eine einfache Zugänglichkeit und viel taktische Tiefe, eine detailreiche Präsentation und über die Jahre perfektionierte Helden. Soul Calibur 4 ist technisch beeindruckender – aber was das Spielgefühl angeht, macht dem Capcom-Klassiker derzeit kein anderer Haudegen etwas vor.