Forensische Software zur Mitarbeiterüberwachung
Nach der Deutschen Telekom, Lidl und der Deutschen Bahn gerät nun Honywell ins Visier von Datenschützern. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) hat der US-Technologiekonzern Honeywell die Überwachungssoftware EnCase Forensic von Guidance Software auf allen Rechnern seiner weltweit rund 130.000 Mitarbeiter vorinstalliert, darunter auch bei den circa 6.000 deutschen Honeywell-Beschäftigten.
Die Forensik-Toolsammlung erstellt Images der Festplatte und anderer Datenträger der Anwender und Abbilder des RAM, die auf einem Server gesichert werden. Die Images sind durch MD5- oder SHA-1-Prüfsummen gegen Veränderungen geschützt. Anders als etwa die Imagesoftware Norton Ghost wird von EnCase Byte für Byte eine exakte Kopie des Originals erstellt, inklusive ungenutzter Bereiche, in denen etwa gelöschte Daten liegen. Die Encase Forensic Professional Suite ist außerdem in der Lage, EFS-verschlüsselte Dateien zu dekodieren und in der Windows-Registrierung gespeicherte Kennwörter anzuzeigen.
Anwender seien laut Angaben von Guidance Software "Regierungs- und Polizeibehörden sowie Untersuchungsabteilungen von Unternehmen. Über 20.000 Ermittler verlassen sich auf die EnCase-Software. Darüber hinaus nehmen jährlich über 5.000 Ermittler an Lehrgängen zu forensischen Methoden von Guidance Software teil", erklärt das Unternehmen. EnCase-Software werde von Gerichten weltweit anerkannt.
Laut Spiegel, der sich auf interne Honeywell-Unterlagen beruft, ist EnCase auf nahezu allen Rechnern des Unternehmens installiert. EnCase werde auch von deutschen Sicherheitsbehörden und dem FBI benutzt. Erfahren hätten die deutschen Honeywell-Mitarbeiter von der Überwachung durch einen Hinweis eines externen IT-Dienstleisters. Arbeitnehmervertreter in Deutschland versuchten die weitere Anwendung von EnCase nun zu verhindern, weil die Software "in unzulässiger Weise in die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer" eingreife.
Honeywell Aerospace ist Lieferant von Flugzeugteilen für Boeing und Airbus und für Systeme für die NASA. Die Firma mit Sitz in Morristown, New Jersey, erklärt, man habe EnCase in Deutschland bislang nicht aktiviert. Der Konzern werde die Software nur nutzen, um die Sicherheit seiner Informationen und die Mitarbeiter vor Bedrohungen aus dem Netz zu schützen. Ende März 2009 geht der Fall vor das Arbeitsgericht Offenbach.
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