Spieletest: Halo Wars - Age Of Halo für die Xbox 360
Abschiedswerk der Ensemble Studios bringt Strategie ins Halo-Universum. Feuerpause für den Master Chief: Nach drei ebenso gelungenen wie erfolgreichen Ego-Shootern versucht sich die Halo-Reihe erstmals in der Echtzeitstrategie. Und belegt damit eindrucksvoll, dass das sonst auf PC angestammte Genre auch auf Konsolen funktionieren kann.
Halo Wars ist Anfang und Ende zugleich: einerseits ein neues Genre für die Halo-Reihe , andererseits das letzte Projekt der durch Age Of Empires berühmt gewordenen und Ende 2008 von Microsoft geschlossenen Ensemble Studios . Von fehlender Motivation der Entwickler ob der bevorstehenden Schließung kann angesichts des fertigen Spieles glücklicherweise kaum gesprochen werden: Halo Wars spielt sich genau so, wie es bei einem gezielt für Konsolen entwickelten – und nicht einfach vom PC portierten – Strategietitel wünschenswert ist.
Die Handlung von Halo Wars spielt rund 20 Jahre vor den Geschehnissen des ersten Halo-Shooters. Vieles, was bisher einfach für gegeben hingenommen wurde, wird darin nachträglich erklärt. Auf dem Planeten Harvest gehen seltsame Dinge vor, also schickt die UNSC ihr Schiff "Spirit Of Fire" dorthin, um der Sache nachzugehen. Die UNSC-Truppen stoßen rasch auf das außerirdische Volk der Covenant, das offensichtlich irgendetwas Wertvolles entdeckt hat. Und kurze Zeit später schickt der Spieler seine ersten Marines und Panzer los, um die Aliens zu attackieren.
Der grundsätzliche Konflikt zwischen Menschen und Covenant ist also altbekannt. Die Ensemble Studios haben sich folgerichtig Mühe gegeben, möglichst viele in der Shooter-Trilogie eingeführte Einheiten in Halo Wars unterzubringen und damit für einen hohen Wiedererkennungswert zu sorgen. Der Spieler kann Warthog-Jeeps, Scorpion-Panzer und vertraute Luftvehikel bauen und in den Kampf senden. Aber auch neue Einheiten mit eigenen Spezialfähigkeiten befinden sich im Spiel.
Von Beginn an präsentiert sich Halo Wars wie ein Lehrgang für Echtzeitstrategie: Wer noch nie ein derartiges Spiel ausprobiert hat, findet eine hervorragende Einführung ins Genre. Die grundsätzlichen Aktionen – Basis errichten, Ressourcen sammeln, Einheiten erforschen und produzieren, gruppieren, bewegen und zum Angriff schicken – sind aus anderen Titeln dieser Art bekannt.
Allerdings ist es Ensemble gelungen, die Bedienung per Joypad sehr bequem und intuitiv zu gestalten. Mit dem Steuerkreuz scrollt der Spieler über den Bildschirm, mit einfachem Tastendruck markiert und bewegt er einzelne Einheiten oder ganze Gruppen, und per Steuerkreuz schaltet er zwischen den aktiven Gefechtspunkten hin und her. Aufträge wie das Produzieren neuer Einheiten bewerkstelligt der Halo-Echtzeitgeneral durch einfaches Aufrufen eines runden Menüs.
Auf Grund der einfachen Zugänglichkeit ist das Gameplay allerdings nicht so komplex, wie es sich erfahrene Strategen wünschen würden. Basen etwa lassen sich nur auf vorgegebenen Arealen errichten, die Technikbäume sind klein und auch die Anzahl der Einheitentypen nimmt nicht die Ausmaße an, wie es auf dem PC die Regel ist. Auch die Missionen folgen meist recht linearen Zielen; fast immer geht es darum, einen Angriff auf die gegnerische Basis zu führen oder die eigenen Stellungen zu schützen. Mangelnder Tiefgang ist trotzdem nicht das Problem von Halo Wars: Wer nicht im richtigen Moment die richtigen Einheiten einsetzt und gegnerischen Aktionen mit den passenden Waffen und Soldaten kontert, verschwendet Zeit und Ressourcen und wird die Mission verlieren.
Spaß macht zudem die detailreiche Darstellung: Auf höchster Zoomstufe ist jeder Kämpfer, Panzer oder Jeep deutlich erkennbar, rasant in Szene gesetzte Schießereien oder Spezialfähigkeiten wie mächtige Laserangriffe sorgen für imposante Actionerlebnisse. Noch beeindruckender sind allerdings die filmreifen Zwischensequenzen – die auch darüber hinwegtrösten, dass die eigentliche Story eher vorhersehbar abläuft und längst nicht so viele Wendungen und Überraschungen bereithält, wie von der bisherigen Trilogie gewohnt.
Sind die 15 Missionen der Kampagne absolviert – auf Wunsch auch im Koop-Modus -, wartet noch der Multiplayer-Modus. Und auch der hat einiges zu bieten. Zum einen besteht die Möglichkeit, auch die Covenant zu steuern. Auch sie verfügen über komplett eigene Einheitentypen und lassen sich im Laufe der Partien auch immer weiter entwickeln und mit zusätzlichen Kampffähigkeiten ausstatten.
Auch sonst überzeugen die Mehrspieleroptionen via Xbox Live. Unterschiedliche Karten diverser Größe und mit einigen inhaltlichen Überraschungen bieten Raum für Gefechte von jeweils bis zu drei Spielern auf Seite der Covenant und der Menschen. Die Matchmaking-Funktion sorgt dabei dafür, dass jeweils Kontrahenten vergleichbarer Stärke gegeneinander antreten. Wer nur Freunde einladen will, kann seine Multiplayer-Schlachten aber auch abschotten und nur ausgewählte Personen zulassen.
Im Standardmodus geht es vor allem darum, aus seiner Basis und den limitierten Ressourcen das Beste zu machen. Im Deathmatch-Modus hingegen sind die Ressourcen umfangreicher und die Forschung bereits recht weit, so dass vor allem das Überrennen des Gegners im Mittelpunkt steht. Jede Seite muss sich vor dem Gefecht für einen von mehreren, vom Spiel vorgegebenen Anführer entscheiden, von dem dann auch abhängt, welche Spezialfähigkeiten und Einheiten im Kampf zur Verfügung stehen.
Den Spielspaß trüben einzig kleinere Probleme bei der Wegfindung – wie auch in der Kampagne kann es gelegentlich passieren, dass sich etwa zwei Warthogs gegenseitig blockieren.
Halo Wars ist nur für Xbox 360 erhältlich, hat eine USK-Einstufung ab zwölf Jahren erhalten und kostet rund 60 Euro. Außerdem ist eine etwa 70 Euro teure Special Edition verfügbar, die zusätzlich mit drei Halo-3-Multiplayer-Maps, einem Comic, einem "Spirit of Fire"-Aufnäher sowie einem In-Game-Fahrzeug ausgestattet ist.
Fazit
Operation geglückt, Studio tot: Mit Halo Wars ist den Ensemble Studios ein grandioser Abschied gelungen. Der Titel führt beispielhaft vor, wie unkompliziert und effektiv ein Echtzeitstrategiespiel auf Konsole funktionieren kann, ohne dabei zu viel Tiefgang vermissen zu lassen. Strategieneulinge werden perfekt ans Genre herangeführt, Halo-Fans freuen sich über das bekannte Szenario, und auch erfahrenen Strategen wird noch einiges geboten, so lange sie keine zu großen Ansprüche an die Komplexität stellen. Auch technisch überzeugt Halo Wars durch und durch. Besser hätte das Erobern eines neuen Genres für die Halo-Reihe kaum funktionieren können.