Test: Sonys schlichter E-Book-Reader PRS-505 (Update)

Der erste Eindruck
Das digitale Buch hat etwa Gewicht und Größe eines dünnen Taschenbuchs: Es ist knapp 18 cm hoch, etwa 12 cm breit und nicht einmal 1 cm dick und dürfte damit in vielen Jackentaschen Platz finden. Auch vom Gewicht her kann es sich mit dem Vorbild aus Papier messen: Das Gerät wiegt 260 Gramm. Dazu kommen noch einmal 80 Gramm für den ledernen Schutzumschlag. Ein klarer Vorteil, wenn der Nutzer eine Neuerscheinung lesen möchte: Sie gibt es meist nur als gebundenes Buch, das schnell 1 Kilo auf die Waage bringt.
Die wichtigsten Bedienelemente sind Tasten zum Umblättern. Diese gibt es gleich zwei Mal – am rechten Rand je eine Taste zum Vor-und Zurückblättern und eine runde Wipptaste links unter dem Bildschirm. Das ist praktisch, weil der Nutzer das Buch mit der rechten ebenso wie mit der linken Hand halten und umblättern kann. Außerdem sitzt rechts unter dem Display noch ein 4-Wege-Steuerkreis mit einem Knopf in der Mitte, der unkompliziert zu bedienen ist.
Lesen
Das gilt auch für die unterschiedlichsten Lichtverhältnisse. Selbst bei strahlendem Sonnenschein spiegelt das matte Display kaum – das Gerät ist also für die Lektüre im Park oder im Freibad geeignet. Das ist auch bei künstlichen Lichtquellen wie Leselampen oder Neonlicht so. Lediglich kleinere Lichtquellen können auf dem matten Display Irritationen hervorrufen. Bei schummriger Beleuchtung oder im Dunkeln lässt sich der Reader nicht benutzen, da sein Bildschirm – anders als der eines Notebooks – keine Hintergrundbeleuchtung hat.
Das Springen zu einer bestimmten Seite kann durchaus länger dauern. Beim Blättern überlagern sich die Texte beider Seiten für einen Augenblick. Doch was auf den ersten Blick störend wirkt, vermittelt beim Lesen längerer Texte und damit bei häufigem Umblättern ein Gefühl, das dem Blättern von Papierseiten gleicht: Das Auge kann für einen Augenblick ausruhen, bevor es auf die Fortsetzung des Textes wieder fokussiert. So lassen sich Bücher auch über Stunden hinweg ohne Anstrengung lesen. In sehr seltenen Fällen bleibt ein leichter Schatten der vorherigen Seite zurück, der aber beim Lesen nicht stört.
Keine Textmarkierungen
Was aber vor allem fehlt, ist eine Suchfunktion. Wie ein Papierbuch lässt sich das elektronische Buch nicht nach einzelnen Wörtern, bestimmten Ausdrücken oder einem konkreten Zitat durchsuchen. Ein klarer Malus für Nutzer, die viel mit Texten arbeiten. Bei der Lektüre von E-Books auf dem Computer und auch beim Konkurrenten von Amazon ist das selbstverständlich. Dem E-Book-Reader fehlt die notwendige Rechenleistung und eine Tastatur. Hier hat Sony eine Chance vergeben.
Besser sehen
Der Schriftgrad lässt sich an unterschiedliche Sehfähigkeiten durch dreifachen Zoom anpassen – klein, mittel und groß. Bei der kleinen Schrift passen mehrere Absätze auf eine Displayseite. Beim größten Schriftgrad hingegen muss sehr oft geblättert werden. Wem das nicht ausreicht, der kann in den Querbildmodus wechseln, in dem in der größten Zoomstufe ein noch größeres Schriftbild zur Verfügung steht. Störend für den Lesefluss ist hier jedoch, dass die unterste Zeile der Seite zur Hälfte abgeschnitten und dann auf der neuen Seite noch einmal angezeigt wird.
Die meisten Nutzer werden im Querbildmodus wohl auf das Steuerkreuz zurückgreifen, was länger dauert als die Navigation mit den Tasten. Das Menü lässt sich übrigens nur über die Tasten bedienen, einen Touchscreen hat das Display nicht.
Inhalte für den E-Book-Reader
Der E-Book-Reader stellt digitale Bücher und Texte in den Formaten ePub(öffnet im neuen Fenster) , BBeB-Format, PDF, TXT oder RTF dar. Möchte der Nutzer geschützte Bücher lesen, muss er auch das Programm Adobe Digital Editions(öffnet im neuen Fenster) auf dem Rechner installieren, um den E-Book-Reader für die Nutzung zu autorisieren. Während unseres Tests waren solche Bücher jedoch in Deutschland noch nicht erhältlich.
Allerdings ist es gar nicht nötig, eine Software zu installieren: Wird der E-Book-Reader mit dem Computer verbunden, wird er als Massenspeicher erkannt. Dies gilt auch für eingesteckte Speicherkarten – der Reader hat je einen Slot für Memory Sticks und SD(HC)-Karten. Inhalte können dann einfach per Drag and Drop auf das Gerät verschoben werden.
Beim Kauf des immerhin 299 Euro teuren Readers sind nur elf Texte vorinstalliert – zwei ganze Romane und weitere Leseproben. Neuerwerbungen werden also schnell nötig. Die Preise für die E-Books werden laut Thalia durchschnittlich 20 Prozent unter denen der Printausgabe liegen. Wer ein bisschen im Internet sucht, findet vor allem im englischsprachigen Raum eine große Auswahl von alten, aber dafür kostenlosen Büchern, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Zu erwähnen wäre hier das Projekt Gutenberg(öffnet im neuen Fenster) . Die Texte müssen jedoch erst konvertiert werden, wenn dem Nutzer das reine Textformat nicht gefällt. Die entsprechende deutschsprachige Community muss sich mit dem Aufkommen der E-Book-Reader noch bilden.
Musik und Bilder
Einen Lautsprecher hat der PRS-505/SC nicht, Musik hören lässt sich also nur über Kopfhörer. Hier sollte der Nutzer darauf achten, dass Musikwiedergabe stoppt, wenn er den Kopfhörer abnimmt. Sonst bemerkt er unter Umständen nicht, dass diese Funktion den Akku stark beansprucht.
Einige Bilder zeigte unser Testgerät gar nicht an. Hier spielte offenbar das Speichermedium eine Rolle: Von einer langsamen SD-Karte ließ sich ein 20-Megapixel-Bild nicht öffnen. Von einem schnelleren Memory Stick klappte das. Bilder mit 6 Megapixeln funktionierten auf beiden Medien, aber bereits hier war die Geschwindigkeit kaum akzeptabel. Bilder mit mehr als 10 Megapixeln sollte man lieber auf einem anderen Gerät anschauen.
Schwierigkeiten mit der Darstellung hat der Reader auch mit komplexen PDF-Dateien, wie beispielsweise Netzplänen von Verkehrsgesellschaften oder Landkarten. Sie zeigt er unter Umständen nicht an. Immerhin stürzt er nicht ab, so dass es reicht, diese Datei zu schließen. Wie bei Bildern gilt auch für PDF-Dokumente, dass sie möglichst einfach sein sollten.
Energie für den Reader
Ist der Akku leer, gibt es zwei Möglichkeiten, ihn aufzuladen. Die eine ist, ihn mit dem beiliegenden USB-Kabel an den Computer anzuschließen, was rund 4 Stunden dauert. Nur etwa halb so lange dauert es laut Sony mit einem Netzteil, das allerdings extra gekauft werden muss.
Den Austausch des Akkus hat Sony nicht vorgesehen. Sollte der Akku dennoch den Geist aufgeben, ist es aber möglich, einen Ersatzakku von einem anderen Hersteller zu kaufen und selbst einzubauen. Das ist allerdings nur für geschickte Bastler zu empfehlen, da der E-Book-Reader fast vollständig auseinandergenommen werden muss.
Fazit
Besonders ärgerlich ist, dass die vermeintliche Neuheit von Sony in Wahrheit ein altes Gerät ist: Das Modell PRS-505/SC ist in den USA seit 2007 auf dem Markt . Dort gibt es mit dem PRS-700BC D sogar schon einen Nachfolger, der über einen Touchscreen und eine eingebaute Beleuchtung verfügt.
Sony selbst sieht den PRS-700BC D (399 US-Dollar) allerdings nicht als Nachfolger, sondern als besser ausgestattete Alternative. Der PRS-505 (299 US-Dollar) sei in den USA schließlich weiter erhältlich, betonte Sony gegenüber Golem.de. Ob und wann der PRS-700 in Europa verkauft wird, konnte Sony Deutschland nicht sagen.
Diese Konkurrenzprodukte können heute schon sehr viel mehr als der Sony PRS-505/SC. Angesichts dessen ist er einfach zu teuer. Vielleicht aber wird er eines Tages, wenn E-Book-Reader vor Funktionen überquellen, ein Gerät für Puristen. Ähnlich wie heute Handys, mit denen es sich nur telefonieren und simsen lässt. Ein schlichter E-Book-Reader aus einer Zeit, als es noch neu und aufregend war, Bücher elektronisch zu lesen. [von Meike Dülffer und Andreas Sebayang]
Nachtrag vom 27.02.2009, 13:25 Uhr:
Ergänzt um ein Statement von Sony Deutschland zum PRS-700 im Fazit.