Schutzfristverlängerung: "Die Lobbydynamik ist klar"

Golem.de im Gespräch mit Martin Kretschmer

Martin Kretschmer ist Professor für Informationsrecht an der Universität Bournemouth in Großbritannien und Experte für Fragen der Urheberrechtsökonomie. Golem.de sprach mit Kretschmer über die vom Rechtsausschuss des EU-Parlaments befürwortete Verlängerung der Schutzfrist für Musikaufnahmen.

Artikel veröffentlicht am ,

Golem.de: Professor Kretschmer, in der vergangenen Woche hat sich der Rechtsausschuss des EU-Parlaments dafür ausgesprochen, die Schutzfrist für Musikaufnahmen EU-weit einheitlich auf 95 Jahre zu verlängern. Sie sind ein ausgesprochener Kritiker der Schutzfristverlängerung. Geben Sie die Sache nun verloren?

Inhalt:
  1. Schutzfristverlängerung: "Die Lobbydynamik ist klar"
  2. Schutzfristverlängerung: "Die Lobbydynamik ist klar"

Martin Kretschmer: Nein, überhaupt nicht. Die politische Lage im Rechtsausschuss war durch eine Koalition des Berichterstatters Brian Crowley - einem irischen Parteifreund des Binnenkommissars McCreevy - und des französischen Gaullisten Toubon bestimmt. Im Dezember 2008 sprach sich der Technologieausschuss gegen die Verlängerung aus, nur gab es dazu keine Presseerklärung. Im Plenum wird erst im März 2009 in erster Lesung abgestimmt und in allen Fraktionen gibt es Dissens. Im komplizierten europäischen Entscheidungsverfahren hat außerdem der Ministerrat das letzte Wort. Ich hoffe, dass es keine Einigung vor der Europawahl im Juni 2009 geben wird. Danach wird ein neuer EU-Kommissar zuständig sein.

Golem.de: Sie sagen also, es gibt noch eine Chance, die Schutzfristverlängerung zu verhindern. Was könnte denn der Normalbürger unternehmen, um sich bei der EU für die Beibehaltung der bisherigen Schutzfrist stark zu machen?

Kretschmer: Für Urheberrechtsfragen ist es immer schwierig, eine Öffentlichkeit herzustellen, obwohl letztendlich wir alle davon betroffen sind: jeder, der Musik hört, jeder, der Musik macht. Die Debatte um Softwarepatente hat gezeigt, dass Netzbürger, die die Informationsgesellschaft ernst nehmen, erheblichen Druck auf Abgeordnete ausüben können. Politiker müssen die katastrophalen Auswirkungen einer Verlängerung der Schutzfrist jedoch erst einmal wahrnehmen. Wir belasten unsere Kultur und unsere Innovationsfähigkeit für eine ganze Generation mit nutzlosen Monopolrechten. Jeder, der diesen Zusammenhang sieht, oder im Musikleben selbst erfahren hat, sollte an seinen Europaabgeordneten schreiben.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Schutzfristverlängerung: "Die Lobbydynamik ist klar" 
  1. 1
  2. 2
  3.  


rugel 23. Feb 2009

Ich doch - dass nennt sich: Coaching gewählter Volksvertreter im individuellen...

LordPinhead 18. Feb 2009

Du kannst in Amerika auch nicht wählen. Dort gibt es zwar hunderte klein Parteien, aber...

El Marko 17. Feb 2009

Bild muss bestochen werden damit sie lügen abdrucken? dachte das tun sie von sich...

alter Revolutzer 17. Feb 2009

waren Schutzrechte auf 5 Jahre begrenzt. Jetzt sollen es 95 Jahre werden. Aber das ist...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Elon Musk und Manchester United
Der Meme-Lord braucht die Blutgrätsche

Wenn Musk twittert, zittern die Anleger und nun auch Fußball-Fans. Wie sich der Milliardär endgültig ins Abseits bewegt und wie die Öffentlichkeit damit umgehen sollte.
Ein IMHO von Lennart Mühlenmeier

Elon Musk und Manchester United: Der Meme-Lord braucht die Blutgrätsche
Artikel
  1. Wheelhome Vikenze III-e: Winziges elektrisches Wohnmobil mit Solardach
    Wheelhome Vikenze III-e
    Winziges elektrisches Wohnmobil mit Solardach

    Wheelhome hat mit dem Vikenze III-e ein elektrisches Wohnmobil für ein bis zwei Personen vorgestellt, das sich selbst dank Solarzellen mit Strom versorgt.

  2. Urteil: Tesla darf den Autopilot weiterhin so nennen
    Urteil
    Tesla darf den Autopilot weiterhin so nennen

    Das Assistenzsystem-Paket von Tesla darf weiterhin als Autopilot bezeichnet werden. Der Versuch, dies Tesla zu verbieten, blieb vor Gericht erfolglos.

  3. Post-Quanten-Kryptografie: Die neuen Kryptoalgorithmen gegen Quantencomputer
    Post-Quanten-Kryptografie
    Die neuen Kryptoalgorithmen gegen Quantencomputer

    Die US-Behörde NIST standardisiert neue Public-Key-Algorithmen - um vor zukünftigen Quantencomputern sicher zu sein.
    Eine Analyse von Hanno Böck

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5 bestellbar bei Amazon & Co. • MSI Geburtstags-Rabatte • Neuer Saturn-Flyer • Game of Thrones reduziert • MindStar (MSI RTX 3070 599€) • Günstig wie nie: MSI 32" WHD 175 Hz 549€, Zotac RTX 3080 12GB 829€, Samsung SSD 1TB/2TB (PS5) 111€/199,99€ • Bester 2.000€-Gaming-PC[Werbung]
    •  /