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Schutzfristverlängerung: "Die Lobbydynamik ist klar"

Golem.de: Als außenstehender Beobachter könnte man den Eindruck gewinnen, die Frage der Schutzfristverlängerung erfährt auf EU-Ebene eine Vorzugsbehandlung. Manche würden auch sagen, da geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Können Sie diesen Eindruck bestätigen? Welche Kräfte wirken da im Verborgenen?

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Kretschmer: Die politischen Umstände, die uns die vorgeschlagene Schutzfristverlängerung eingebrockt haben, sind äußert dubios. Es gab kein vorbereitendes Papier (white paper) der Kommission. Unabhängige Gutachten hatten sich einheitlich gegen eine Verlängerung ausgesprochen, zum Beispiel Studien der Cambridge University und - im Auftrag der europäischen Kommission - des Instituts für Informationsrecht der Universität Amsterdam. Gezielte Lobbyarbeit der multinationalen Plattenfirmen scheint jedoch zu einer plötzlichen Kehrtwende geführt zu haben, die Kommissar McCreevy dann von seinen Beamten durch Daten abstützen ließ, die die Musikindustrie selbst geliefert hatte. Der Öffentlichkeit wurde ein Märchen vom alternden Studiomusiker untergejubelt, obwohl jede einschlägige Analyse zeigt, dass die Millionen bei den Rechteinhabern, also den Plattenfirmen, landen werden, nicht bei den Musikern, die ihre Rechte vertraglich abgetreten haben.

Golem.de: EU-Kommissar Charlie McCreevy argumentiert, die Schutzfristverlängerung würde den Begleitmusikern helfen, zusätzliches Einkommen aus alten Aufnahmen zu erzielen. Der vom Rechtsausschuss verabschiedete Vorschlag sieht vor, 20 Prozent der durch die Schutzfristverlängerung erzielten zusätzlichen Einnahmen dafür durch Verwertungsgesellschaften verteilen zu lassen. Kann das Ihrer Meinung nach funktionieren?

Kretschmer: Die Informationslage zu Tonaufnahmen, die vor einem halben Jahrhundert entstanden sind, ist höchst undurchsichtig. Selbst wenn sich Musiker finden, die ihre Mitwirkung auf Platten der 60er Jahre durch zuverlässige Dokumente belegen können, würden ihnen unter dem Plan der Kommission typischerweise weniger als 60 Euro im Jahr zufallen.

Golem.de: Wem würden denn eigentlichen die restlichen 80 Prozent der Mehreinnahmen zugute kommen? Darüber konnte man der Pressemitteilung des Rechtsausschusses nichts entnehmen.

Kretschmer: Die Rechte fast aller kommerziell wichtigen Aufnahmen der 50er und 60er Jahre, der sogenannte Back-Katalog, liegen bei nur vier multinationalen Firmen: Universal, Sony, Warner und EMI. Die Innovationskraft der Musikindustrie kommt jedoch von unabhängigen Labels. Die sind weniger als 20 Jahre alt und profitieren daher nicht von der vorgeschlagenen retrospektiven Verlängerung.

Golem.de: Dem Vorschlag des Rechtsausschusses zufolge sollen die Auswirkungen einer Schutzfristverlängerung nach drei Jahren evaluiert werden. Angenommen, man würde dann feststellen, dass die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Könnte man dann einfach zur alten Schutzfrist zurückkehren oder gäbe es da Probleme mit dem Recht am geistigen Eigentum? Wäre das dann eine Enteignung?

Kretschmer: Ich habe diesen Änderungsantrag noch nicht eingesehen. Bezeichnenderweise wurde er erst am Vorabend der Abstimmung eingeschleust und ist noch nicht veröffentlicht. Das sieht nach Kosmetik aus. Mir ist kein Fall bekannt, in dem die Schutzfrist nachträglich zurückgefahren wurde. Im Gegenteil. Die Lobbydynamik ist klar. Jedes Mal, wenn wertvolle Rechte, wie jetzt die klassischen Popaufnahmen der 60er Jahre, ans Ende ihrer Frist geraten, wird sich derselbe Prozess wiederholen. Daher ist es so wichtig, dass diese Richtlinie gekippt wird!

[das Interview führte Robert A. Gehring]

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rugel 23. Feb 2009

Ich doch - dass nennt sich: Coaching gewählter Volksvertreter im individuellen...

LordPinhead 18. Feb 2009

Du kannst in Amerika auch nicht wählen. Dort gibt es zwar hunderte klein Parteien, aber...

El Marko 17. Feb 2009

Bild muss bestochen werden damit sie lügen abdrucken? dachte das tun sie von sich...

alter Revolutzer 17. Feb 2009

waren Schutzrechte auf 5 Jahre begrenzt. Jetzt sollen es 95 Jahre werden. Aber das ist...


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