Debian 5.0: Ein erster Blick auf Lenny
Installation
Den bekam aber nur der zu sehen, der die richtige Option am Bootprompt eingab. In Debian 5.0 ist die grafische Installation nun ein Punkt im Startmenü und auch für Neulinge sofort zu entdecken. Die textbasierte Installation ist aber weiterhin standardmäßig ausgewählt.
Dem Nutzer verlangt der Installer wenige Eingaben ab, eine erweiterte Variante steht aber ebenfalls zur Verfügung. Die Partitionierung übernimmt Debian auf Wunsch komplett selbst und kann die eingerichteten Partitionen auch verschlüsseln. LVM-Unterstützung ist ebenfalls vorhanden. Mittels "tasksel" erfolgt außerdem die Wahl eines Installationsprofils, beispielsweise für Desktoprechner, Notebooks oder verschiedene Servertypen. Eine Mehrfachauswahl ist dabei natürlich möglich. Verfügbare Sicherheitsupdates kann der Installer sofort einspielen.
Das Standardsystem
Die Standardinstallation enthält die wichtigsten Programme. Epiphany und Firefox – der bei Debian Iceweasel heißt – sind als Browser vorinstalliert, Evolution als E-Mail-Programm, Gimp für Bildbearbeitung und als Office-Paket wird OpenOffice.org eingerichtet. War in Debian 4.0 noch Gaim als Instant-Messenger dabei, ist die Anwendung nun nach einem Namenswechsel als Pidgin 2.4.3 enthalten. Rhythmbox übernimmt die Aufgabe des Medienplayers, Totem die des Videoplayers. Dabei ist nun auch in Debian ein Werkzeug integriert, das beim Aufruf einer Mediendatei gegebenenfalls nach benötigten Codecs sucht und diese auch installiert – sofern vorhanden. Denn nach wie vor liefert Debian nur Software mit, die frei im Sinne des Debian-Gesellschaftsvertrages sind(öffnet im neuen Fenster).
Für die Installation von Codecs und aus rechtlicher Sicht ähnlich problematischen Komponenten bietet sich daher auch weiterhin Christian Marillats Archiv unter debian-multimedia.org(öffnet im neuen Fenster) an.
Andererseits sind dafür neue Komponenten nach Main vorgerückt: Das OpenJDK findet sich dort nun ebenso wie Alpine, der Nachfolger des bekannten, textbasierten E-Mail-Clients Pine. Die von Red Hat veröffentlichten freien Liberation-Truetype-Schriften liefert Debian jetzt ebenfalls mit.
Software: alt oder neu?
Ein weiterer Kritikpunkt an Debian war die Aktualität. Das Projekt hat immer mehr Wert auf Stabilität denn auf Aktualität gelegt, wodurch es besonders für den Einsatz auf Servern beliebt wurde. Ursprünglich sollte Lenny im September 2008 erscheinen, der Feature Freeze erfolgte bereits im Juli 2008. Da wird schnell klar, dass die nun im Februar 2009 ausgelieferte Software nicht auf dem neuesten Stand sein kann.
Debian zu nutzen bedeutet auch, auf ein sehr umfangreiches Paketarchiv zurückgreifen zu können. Neben Gnome und KDE finden sich so noch etliche weitere Desktopumgebungen in Debian. Darunter beispielsweise die schlanken Oberflächen Xfce 4.4.2 sowie LXDE 0.3.2.
Bedingt durch den frühen Feature Freeze – gemessen am Veröffentlichungsdatum – sind viele Pakete in Debian älter als in anderen aktuellen Distributionen. Im Vergleich zu früher hat die Distribution aber auch in Sachen Aktualität Fortschritte gemacht und ist zum Teil recht nah an den aktuell verfügbaren Versionen.
Systeminterna
Im Kern basiert Debian nun auf dem Kernel 2.6.26 und enthält jetzt auch die Virtualisierungslösung KVM. Xen ist auch weiterhin verfügbar, jetzt in der Version 3.2.1. Außerdem findet sich NTFS-3G in Debian, womit Lese- und Schreibzugriff auf NTFS-Partitionen möglich ist. Auf Notebooks ist Frequency Scaling automatisch aktiv. Als X-Server kommt X.org 7.3 zum Einsatz – aktuell ist X.org 7.4. Die enthaltene X.org-Variante verbessert die automatische Konfiguration des X-Servers und unterstützt bei einigen Intel- und ATI-Chipsätzen RandR 1.2, um beispielsweise automatisch die richtige Auflösung festzulegen. Die Glibc ist in der Version 2.7 enthalten.
Da Debian GNU/Linux gern auf Servern eingesetzt wird, bringt auch die Version 5.0 Anwendungen für diesen Einsatzbereich mit. Exemplarisch seien der Webserver Apache 2.2.9 und das Datenbanksystem MySQL 5.0.51a genannt. Apache 1.x ist in der aktuellen Debian-Version nicht mehr zu finden. PostgreSQL liefert Debian in der Version 8.3 mit, das Serverüberwachungssystem Nagios in der Version 3, was die Entfernung der Version 2 zur Folge hatte. Als System-Log-Daemon wird jetzt Rsyslog(öffnet im neuen Fenster) genutzt.
Entwickler können auf den GCC 4.3 und Perl 5.10 zurückgreifen. Das enthaltene PHP 5.2.6 wurde mit dem Suhosin-Hardening-Patch(öffnet im neuen Fenster) versehen. Andere Pakete in Debian wurden mit den GCC-Hardening-Funktionen erstellt, um das System sicherer zu machen. Zudem ist Python 2.5 jetzt der Standard-Python-Interpreter. Die Versionen 2.6.x und 3.0 finden Python-Programmierer nicht in Debian.
Fazit:
Das Debian-Projekt hält an seinen Werten fest. Wie bisher ist die neue Stable-Variante darauf ausgelegt, ein stabiles und ausführlich getestetes System zu bieten. Das zeigt sich schon an der Entscheidung, das ältere KDE 3.5 anstelle des weniger getesteten KDE 4.x mitzuliefern. Auch wenn der OpenSSL-Fehler in Debian am Ruf der Distribution gekratzt hat, wird das System diesem Anspruch noch immer gerecht.
Durch teilweise aktuelle Softwareauswahl und einen einfachen Installer ist Lenny auch für Einsteiger attraktiv. Wer allerdings neuere Software und regelmäßige Updates auf neue Versionen sucht, sollte zu einer anderen Distribution greifen – oder als erfahrener Nutzer den Debian-Testing-Zweig verwenden. Ihre Stärken spielt die Distribution auch weiterhin vor allem im Serverbereich aus.
Debian GNU/Linux 5.0 steht per Bittorrent, Jigdo und HTTP zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit. Neben kompletten CD- und DVD-Sätzen gibt es auch Images, um die Distribution über das Netzwerk zu installieren. Eine Live-CD gibt es ebenfalls.
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