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Spieletest: Skate 2 - Knochenbrüche in der Halfpipe

Update der realistischen Skate-Simulation mit dezenten Neuerungen. Die Geschwindigkeit des Boards ist optimal, der Absprungpunkt perfekt, die Balance stimmt - und trotzdem folgt nach der spektakulären Drehung in der Luft ein harter Aufprall. In Skate 2 liegen neue Highscores und krachende Knochen dicht beieinander.
/ Thorsten Wiesner
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Der Anfang von Skate 2 ist ebenso spektakulär wie sinnlos: Warum der Held aus dem Gefängnis entlassen wird und auf seinem Weg aus dem Knast mehrere berühmte Profiskater in und vor den Zellen sieht, erschließt sich inhaltlich nicht ganz - aber gut aussehen tut es. Auch die Tatsache, dass das aus dem ersten Skate bekannte San Vanelona nach einer Naturkatastrophe größtenteils zerstört und dann fast komplett neu aufgebaut wurde, sollte der Spieler einfach so hinnehmen können. Immerhin hat das Desaster dafür gesorgt, dass die bekannten Schauplätze optisch überarbeitet und um zahlreiche neue, von Sicherheitsmännern bewachte und somit nicht sofort zugängliche Skate-Spots erweitert sind.

Im Spiel selbst spielt die Hintergrundgeschichte kaum eine Rolle. Es geht einzig und allein darum, als namenloser Skater nach und nach Rennen, Turniere und Duelle zu gewinnen und es so irgendwann aufs Cover der Zeitung zu schaffen. Zunächst entsteht durch die Auswahl von Frisur, Körperumfang und Kinnform ein wahlweise männliches oder weibliches Skater-Alter-Ego. Seltsam allerdings: Trotz mehrerer Auswahlmöglichkeiten sieht das Endergebnis immer eher männlich aus - auch bei Auswahl einer Skaterin. Danach geht es auf Wunsch ins Tutorial; für Anfänger eine durchaus empfehlenswerte Angelegenheit, weil die Bedienung ähnlich fordernd wie im ersten Teil ausgefallen ist.

Sämtliche Aktionen führt der Spieler wieder mit dem rechten Analogstick durch; für einen Ollie etwa drückt er den Stick nach unten und zieht ihn dann schnell wieder hoch; kompliziertere Tricks verlangen natürlich eine komplexere Stickführung. Das Spielgefühl dabei ist äußerst realistisch, der Grad zur Frustration allerdings auch schmal. Wer nicht im richtigen Moment die richtige Aktion vollführt, stürzt und reiht nicht Kombo an Kombo, sondern Blessur an Blessur. Ein praktisch am Skater klebendes Board, wie es die Tony-Hawk-Reihe bietet, gibt es hier nicht.

Spielerisch gibt es zwei große Unterschiede zum ersten Skate: Einerseits ist es jetzt möglich, vom Board abzusteigen und Strecken zu Fuß zurückzulegen. Das ist praktisch, wenn der Spieler etwa eine Treppe hinaufklettern möchte. Zudem lassen sich jetzt Objekte verschieben und aufstellen, um eigene Szenerien zu entwerfen. Leider sind beide neuen Möglichkeiten spielerisch mangelhaft umgesetzt: Die Animationen zu Fuß wirken längst nicht so geschmeidig wie auf dem Board, die Kameraführung gibt sich sperrig, und das Aufstellen von Objekten gerät oft zur Geduldsprobe.

Gut also, dass einige andere Dinge für lang anhaltende Motivation sorgen. Die bei Turnieren gewonnenen Preisgelder lassen sich nicht nur für schöne, neue und von bekannten Markenfirmen bereitgestellte Klamotten ausgeben, sondern auch, um Bekannte und Security-Leute zu schmieren und so Zugang zu eigentlich nicht betretbaren Arealen zu erhalten. Foto- und Videoaufgaben gibt es ebenso wie spezielle Trickvorgaben.

Wer nicht gerne alleine skatet, freut sich über die zahlreichen, teils nahtlos ins Programm integrierten Onlineoptionen. Da gibt es Trickwettbewerbe ebenso wie Koop-Optionen, bei denen mehrere Teilnehmer gemeinsam nach Punkten jagen. Ebenfalls unterhaltsam ist die Möglichkeit, sich Wiederholungen anzusehen und kleine Skate-Filmchen zu schneiden. Wer das in vollem Umfang tun will, benötigt allerdings das "Filmer Pack", das EA nur kostenpflichtig zum Download anbietet.

Technisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger noch weniger getan als spielerisch. So flüssig die Tricks und Skater-Animationen aussehen, so detailarm wirken einige Schauplätze und Charaktere. San Vanelona ist oft wie ausgestorben, die Texturen sind teils matschig. Immerhin präsentiert sich das Spiel - abgesehen von den angesprochenen Problemen beim Fußmarsch - weitgehend flüssig, Sprachausgabe und der gelungene Soundtrack sorgen für viel Atmosphäre.

Skate 2 ist für Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich und kostet rund 60 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten, wurde allerdings für den deutschen Markt dezent geschnitten. Deshalb können Spieler der deutschen Version im Onlinemodus nicht gegen Amerikaner antreten.

Fazit:
Skate 2 ist das beste derzeit erhältliche Skateboard-Spiel - und enttäuscht trotzdem, weil die Unterschiede zum Vorgänger kaum der Rede wert sind und teils schlecht umgesetzt wurden. Vor allem die Fußmärsche und das Objekteverschieben sind eher anstrengend. Wer den Vorgänger besitzt, muss nicht unbedingt zugreifen. Skatewillige Einsteiger mit einer gehobenen Frustrationsschwelle dürfen hingegen schnellstens aufs Brett hüpfen und die Hallen, Parks und Hinterhöfe von San Vanelona erobern. Auch in Skate 2 gilt nach der Eingewöhnungszeit: Heaven is a Half-Pipe.


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