Baut Sega eine neue Konsole? (Update)
Videospiele-Veteranen erinnern sich: In den 1980er und 1990er Jahren war Sega mit seinen Heimkonsolen lange der einzige echte Gegenspieler für Nintendo – zwar fast immer ein bisschen erfolgloser, aber irgendwer musste ja zumindest versuchen, Mario und Donkey Kong Paroli zu bieten. Diese Rolle hat dann Sony mit seiner Playstation übernommen, und Sega zog sich 2001 mit der Dreamcast vom Hardwaremarkt zurück. Nun plant das Unternehmen Gerüchten zufolge, wieder eine Konsole anzubieten. Angeblich hat sich Sega die Marken "Ringwide" und "Ringedge" sowie das passende Logo schützen lassen – und zwar nicht nur für Arcade-Maschinen, sondern ausdrücklich auch für "stand alone video game machines", berichtet Siliconera.com.
Der neue Kurs könnte eine gewisse Logik haben: Im Heimatmarkt Japan verdient Sega Sammy Holdings, so der ganze Firmenname, einen Großteil seines Geldes mit Geldspielautomaten und Arcade-Geräten. Allerdings entwickelt sich der Markt von Konsolenhardware und -software besser. So berichtet Sega in einem aktuellen Geschäftsbericht(öffnet im neuen Fenster) von harten Rahmenbedingungen im Geldspielgerätemarkt, während es insbesondere in den USA und in Europa gut laufe im Konsolensoftwarebereich. Wegen des Automatengeschäfts verfügt Sega nach wie vor über Entwicklerressourcen für Hardware.
Andererseits: Das Geschäft mit Videokonsolen hat sich seit dem Marktaustritt von Sega verändert. Leistungsfähige Hardware spielt nicht mehr die entscheidende Rolle, sondern Marketingkompetenz und Zugang zum Casual-Markt – anders hätte es die Wii von Nintendo nicht zur derzeit meistverkauften Konsole gebracht.
96,2 Milliarden Yen (815 Millionen Euro) von insgesamt 309 Milliarden Yen (2,61 Milliarden Euro) hat Sega in den ersten neun Monaten des derzeit laufenden Geschäftsjahres mit Konsolenspielen wie Sonic Unleashed und Mario and Sonic at the Olympic Games umgesetzt; im Vorjahreszeitraum lag der Gesamtumsatz bei 342 Milliarden Yen (2,89 Milliarden Euro). Dabei fielen im Heimspielesegment Verluste in Höhe von 5,65 Milliarden Yen (47 Millionen Euro) an; insgesamt hat Sega ein Minus von rund 10,8 Milliarden Yen (91,3 Millionen Euro) gemacht – im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 15,8 Milliarden Yen (134 Millionen Euro).
Nachtrag vom 11. Februar 2009 um 11.50 Uhr:
Sega hat inzwischen bekannt gegeben, mit einem Jahresverlust von umgerechnet rund 235 Millionen US-Dollar zu rechnen. Um Kosten zu senken, plant das Unternehmen die Schließung von 110 Spielhallen im japanischen Raum. Außerdem wird die Belegschaft um rund 560 der 3.100 Mitarbeiter verkleinert – auf freiwilliger Basis und durch das Nichtbesetzen offener Stellen. Kündigungen sind nicht vorgesehen.