Bedrohen UK-Schnäppchenpreise die deutsche Spielebranche?

So mancher Spieler deckt seinen monatlichen Grundbedarf an Computerspielen nicht mehr in Deutschland, sondern bestellt bequem per Internet in Großbritannien. Dank des - für Kontinentaleuropäer - extrem günstigen Pfund-Kurses unterbietet der englische Versandhandel so gut wie jedes Schnäppchen- und Sparangebot bei Media Markt, Saturn & Co. Aktuelle Konsolenspiele für Playstation 3, Xbox 360 und Wii sind selbst ohne weitere Rabatte oder Sonderaktionen oft für Preise zwischen umgerechnet 30 und 40 Euro zu haben - hierzulande kosten Titel wie Skate 2 normalerweise zwischen 60 und 70 Euro.
Bei PC-Spielen ist der Preisunterschied zwar nicht so drastisch, aber spürbar: Beim UK-Versandhändler Amazon.co.uk kostet etwa der kommende Ego-Shooter Fear 2 rund 25 britische Pfund - umgerechnet 28 Euro; bei Amazon.de ist er für 40 Euro zu haben. Auch Filmfans können ordentlich sparen: Die Blu-ray-Ausgabe des James-Bond-Films Ein Quantum Trost etwa lässt sich im englischen Versandhandel für umgerechnet rund 20 Euro vorbestellen. In Deutschland müssen 007-Fans etwa 10 Euro mehr berappen. Angenehmer Nebeneffekt: Die UK-Fassung erscheint am 23. März 2009, die deutsche Blu-ray erst vier Tage später. Anderes ist hier immer noch nicht erhältlich: So ist die dritte Staffel der hochgelobten TV-Serie "Battlestar Galactica" in Deutschland noch nicht offiziell erschienen.
Die Portokosten bei Amazon.co.uk fallen wie bei spezialisierten Spiele- oder Film-Versandhändlern kaum noch ins Gewicht: Je nach Versandart und Gewicht der Waren fallen bei der Bestellung eines gängigen PS3-, Xbox-360- oder PC-Spiels Kosten in Höhe von 4,98 Pfund (5,62 Euro) an - bei größeren Bestellmengen lässt sich entsprechend mehr sparen. Bis vor kurzem lag der einfache Versand, den Amazon UK mit zwei bis drei Werktagen angibt, noch bei knapp 3 Pfund. Hat Amazon UK vielleicht zugunsten der deutschen Niederlassung den Versandpreis in anderen europäischen Ländern angehoben? Beim Spieleversender Game.co.uk sind es weiter weniger als 3 Pfund.
Deutsche Spielepublisher sind nervös. Boris Schneider-Johne, bei Microsoft Deutschland Produktmanager für die Xbox 360, äußert sich in seinem Blog Dreisechzig.net(öffnet im neuen Fenster) : "Ich weiß auch, dass das Britische Pfund gerade sehr günstig für Euro-Einkäufer ist und dass einige internationale Versandhändler das weidlich ausnutzen. Trotzdem will ich dreisechzig.net nicht zu einer über die Kommentare indirekten Werbeplattform für Importe machen. Das hat eine Menge von Gründen, beginnend bei persönlichen (Importe werden nicht der Microsoft Deutschland GmbH zugerechnet, sprich, die Firma, für die ich arbeite, erreicht ihre Umsatzziele nicht) und endend bei der Warnung, dass für Importe nun mal nur der Händler, bei dem man gekauft hat, einsteht und nicht die lokale Abteilung des Herstellers."
Der Hinweis ist berechtigt: Wer in England ein Spiel kauft und etwa einen Materialfehler beim Datenträger feststellt, hat gegenüber dem deutschen Publisher oder Handel keinerlei Rückgabe- oder Mängelbeseitigungsrechte, sondern muss sich an den englischen Verkäufer wenden - was unter Umständen zeitraubend und umständlich ist.
Der Einkauf bei den Briten ist für deutsche Kunden - europäischer Binnenmarkt sei Dank - aber vollständig legal. Allerdings erhalten für Großbritannien vorgesehene Filme nur in seltenen Fällen eine deutsche Tonspur oder Spiele die deutsche Lokalisation - thus, advanced language skills are a must in order to save money and have fun. Und Spieler können Probleme mit Add-ons bekommen, die nur über Games for Windows Live oder Xbox Live angeboten werden. Obwohl das Spiel englisch ist, bekommen etwa Fallout-3-Käufer die aktuelle Erweiterung Operation Anchorage nur auf Deutsch angeboten.



