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Spieletest: Killzone 2 - die PS3 am Limit?

Shooter-Fortsetzung von Guerilla Games setzt technische Maßstäbe. Killzone 2 eröffnet den 2009er-Reigen von Exklusivtiteln für die Playstation 3. Hauptfigur Sev muss zwei Missionen erfüllen: einerseits das Mutantenvolk der Helghast endlich besiegen und so die Menschheit retten. Andererseits muss Sev die Playstation 3 im Konsolenwettstreit mit der Xbox 360 wieder auf Kurs bringen.
/ Thorsten Wiesner
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Den erbitterten Kampf zwischen der von Menschen geführten ISA und der Mutantenrasse Helghast kennen Playstation-2-Besitzer seit dem ersten Killzone-Spiel von 2004. In Killzone 2 auf der Playstation 3 geht der Krieg nun weiter, allerdings mit veränderten Vorzeichen. Mussten die Spieler damals noch die Mutantenangriffe zurückschlagen, wird die ISA nun selbst aktiv und stürmt den Heimatplaneten der Helghast. Das Ziel: den Mutantenanführer Visari - einen düsteren Diktator eines faschistischen Vasallenstaates - ausschalten.

Viel Tiefgang hat die Story nicht zu bieten, aber mit dem frühen Angriff auf Helghast gelingt es den Entwicklern, den Spieler von Beginn an mit kompromissloser Action zu konfrontieren. Nur wenige Sekunden nach dem bombastischen Intro starten wüste Schießereien in einem beeindruckend intensiven Kriegsgebiet. Bis zum Ende der rund neunstündigen Kampagne gibt es kaum Gelegenheit für den Adrenalinspiegel, wieder auf ein normales Niveau abzufallen.

Jede der sehr umfangreichen Missionen wartet mit zahlreichen Unteraufgaben auf. Beispielsweise muss Sev erst den Strand sichern, dann eine Brücke einnehmen, einem Konvoi Feuerschutz gewähren oder einfach sämtliche Mutanten in einem Areal beseitigen. Dafür stehen unterschiedliche Waffen zur Verfügung, etwa mehrere Maschinengewehre, Flammenwerfer oder gar eine Panzerfaust. Allerdings kann Sev jeweils nur einen Schießprügel aufnehmen, denn als Zweitwaffe dient immer der mitgeführte und wenig durchschlagskräftige Revolver, der immerhin über unbegrenzte Munition verfügt. Den Großteil des Spiels ist Sev zu Fuß unterwegs, nur von Zeit zu Zeit darf er in einem stationären Geschütz Platz nehmen oder kurz einen Panzer steuern.

Eine Gesundheitsanzeige gibt es wie in so vielen anderen Shootern mittlerweile nicht mehr. Bei Treffern verfärbt sich das Blickfeld des Spielers immer stärker blutrot, beim Aufsuchen einer sicheren Deckung regeneriert sich Sevs Zustand wieder.

Killzone 2 läuft äußerst linear ab. Es gilt, zusammen mit den zahlenmäßig unterlegenen Kameraden der ISA Schritt für Schritt gegen die Mutanten vorzurücken und eine Stellung nach der anderen einzunehmen; alternative Lösungsmöglichkeiten gibt es selten. Trotzdem bieten die Missionen durchaus Freiraum für taktische Überlegungen - vor allem, da ein unbedachtes Vorgehen meist zum schnellen Ableben führt. Deckung ist das Schlüsselwort: Immer wieder gilt es, eine geschützte Stelle ausfindig zu machen, dann aus der Deckung heraus den Gegner aufs Korn zu nehmen, beständig nachzuladen und bei erfolgreichem Abschuss weiter vorzurücken.

Schön daran: Die ISA-Kollegen sind im Gegensatz zu ihren Counterparts in so vielen anderen Shootern mit reichlich virtuellem Hirnschmalz gesegnet, geben dem Spieler Deckung oder ermöglichen es ihm, unbeobachtet vorzurücken. Die einzelnen Schauplätze bieten hierzu auch meist zahlreiche Gelegenheiten: erhöhte Plattformen, Panzerwracks, Pfosten und Pfeiler. Die grundsätzliche Stoßrichtung mag linear und vorgegeben sein, der Weg dorthin nicht unbedingt.

Wer zu lange in seiner Deckung verharrt, wird zudem schnell von den ebenfalls clever agierenden und in unterschiedlichen Klassen auftauchenden Helghast eingeschnürt; die warten nicht auf ihren Positionen, sondern versuchen, den Spieler mit Granaten aus seinem Versteck zu locken oder nutzen selbst Schleichwege, um plötzlich unvermittelt vor Sev aufzutauchen. Zahlreiche Schockmomente sind garantiert. Die Schauplätze des Kampfes variieren. Mal kämpft Sev in der zerbombten Hauptstadt von Helghan, dann in einer Wüste, in düsteren Minen und in finsteren Innenräumen.

Die Farbpalette im Spiel variiert zwischen Grau, Braun und Dunkelgrün - ein technisches Meisterwerk ist Killzone 2 dennoch. Vor allem, da bisher wohl kein anderer Konsolenshooter so düster, unwirtlich und beeindruckend dreckig aussah. Ein äußerst hoher Detailgrad bei Gebäuden, Fahrzeugen und Personen, überzeugende Licht- und Schatteneffekte, flüssige und realistische Animationen, in sich zusammenstürzende Gebäude und zerstörbare Umgebungen, grandiose Partikeleffekte: Dieses Spiel holt einiges aus der Hardware heraus.

Technisch perfekt ist es allerdings nicht, was unter anderem an den vielen kurzen, aber spürbaren Nachladepausen liegt. Anderes ist zumindest gewöhnungsbedürftig, etwa die etwas trägen und verzögerten Reaktionen von Sev beim Bewegen und Zielen. Die sind gewollt realistisch, für einen so actionreichen Shooter aber doch ungewöhnlich. Oder die teils recht plumpe deutsche Sprachausgabe, wenn Sev sich mit seinen Kollegen unterhält. Auch die kleinen Spielereien mit Sixaxis - der Controller muss etwa zum Aufdrehen eines Reglers oder Betätigen eines Schalters gedreht werden - wirken aufgesetzt.

Wer die Einzelspieler-Kampagne beendet hat - was je nach Auswahl der insgesamt vier Schwierigkeitsgrade trotz zahlreicher fair gesetzter Checkpoints auch deutlich länger als die veranschlagten neun Stunden dauern kann -, darf sich im Multiplayermodus weiter austoben. Mehrere freischaltbare Klassen, große Maps und Modi wie Capture The Flag, Deathmatch, Assassination oder Warzone bieten reichlich Gelegenheit, noch weitere Wochen und Monate mit dem von Guerilla Games entwickelten Titel zu verbringen.

Killzone 2 kommt in Deutschland ungeschnitten auf den Markt - viel Blut inklusive. Allerdings hat die USK dem Titel keine Jugendfreigabe gewährt, Käufer müssen also mindestens 18 sein. Im Handel soll Killzone 2 ab dem 25. Februar 2009 erhältlich sein, der Preis wird etwa 70 Euro betragen.

Fazit:
Killzone 2 ist ein geradliniger, überraschungsarmer Ego-Shooter mit vorhersehbarer Story und schnörkelloser Action. Und trotzdem ist der Titel für erwachsene PS3-Besitzer ein Muss, weil kein anderes Actionspiel auf der Sony-Konsole bisher technisch so beeindrucken konnte, und weil nur wenige Shooter über die gesamte Spieldauer ein so intensives Mittendrin-Erlebnis zu bieten hatten. Die neun Stunden der Solokampagne gehören sicherlich nicht zu den vielseitigsten, aber zweifellos den intensivsten Stunden, die Actionfans in einem PS3-Shooter bisher erleben konnten. Sie sind nah dran, der PS3 endlich den bislang ausgebliebenen "Halo-Killer" zu bescheren.


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