Minister: Qimonda-Pleite bedroht Europas Konkurrenzfähigkeit
Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) sieht durch die Insolvenz des Speicherchipherstellers Qimonda weitreichende Folgen für ganz Europa. Keine andere Industriebranche bestimme derart weitreichend die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft, sagte er am 2. Februar 2009 auf der Tagung ISS Europe 2009 in Dresden. "Wenn es uns nicht gelingt, in dieser technologiegetriebenen Branche an der Spitze dabeizubleiben, verliert Europa als Ganzes unwiederbringlich an Boden."Er forderte von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission ein "stärkeres industriepolitisches Engagement im Bereich der Mikroelektronik". Qimonda hatte am 23. Januar 2009 Insolvenz angemeldet.
In Dresden stellt auch der US-Konzern AMD nahezu alle Prozessoren der Serien Athlon, Phenom, Opteron und Turion her. Das Defizit des Chipherstellers AMD ist im vierten Quartal auf 1,42 Milliarden US-Dollar angewachsen. Von Februar bis Ende Juli 2009 führt AMD Deutschland Kurzarbeit ein.
Durch diese Einbrüche gerieten auch andere Branchen wie der Automobilbau oder der Maschinenbau, in "problematische technologische Abhängigkeiten", sagte Jurk weiter. Mit Blick auf die enormen Anstrengungen südostasiatischer Regierungen, gerade in dieser Branche die Führungsrolle in der Welt einzunehmen, bestehe die Gefahr, dass ausschließlich asiatische Standorte gestärkt aus der Krise hervorgingen.
Die Branche mache weltweit eine schwierige Phase durch. Auch Samsung und Intel hätten mit Problemen zu kämpfen und bauten in erheblichem Umfang Kapazitäten ab. Jurk: "Das zeigt, der Insolvenzantrag von Qimonda hat mit dem Standort Dresden nichts zu tun."Er hoffe, dass es dem Qimonda-Insolvenzverwalter gelänge, einen "neuen Investor zu finden".
Das Dresdner Ifo-Institut hat die Entwicklung bei AMD und Qimonda als herben Rückschlag für den Chipstandort Dresden bezeichnet. Der stellvertretende Geschäftsführer Joachim Ragnitz sagte dem Sender MDR Info(öffnet im neuen Fenster), dass er hoffe, "dass auf Dauer der Chipstandort Dresden auch erhalten werden kann." Das gehe nur, indem stärker auf Forschung und Entwicklung gesetzt und versucht werde, neueste Produkte zu entwickeln.
Bei Qimonda werde sicherlich "ein Großteil der 3.000 Arbeitsplätze wirklich verloren gehen". AMD habe mit Nachfragerückgängen zu kämpfen und werde möglicherweise auch Stellen abbauen, um Kosten zu senken. Ragnitz erklärte, Dresden habe sehr stark auf die Chipindustrie gesetzt und versäumt, eine stärkere Streuung zu erreichen, um sich auf diese Weise unabhängig zu machen.
Am 3. Februar 2009 ruft die IG Metall in Dresden zu einer Demonstration zum Erhalt aller Arbeitsplätze bei Qimonda auf. Eingeladen sind alle Mitarbeiter Qimondas, Infineons, der Zulieferer, der Forschungsinstitute, der ortsansässigen Betriebe sowie die Freunde und Familien.
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