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Test: T-Mobiles G1 mit Google-Zwang und gutem Browser

HSDPA-Mobiltelefon mit WLAN, GPS-Empfänger und QWERTZ-Tastatur. Das G1 ist das erste Google-Telefon auf dem deutschen Markt, T-Mobile beginnt am 2. Februar 2009 mit dem Verkauf. Im Test musste das Android-Smartphone die Vorzüge der neuen Plattform unter Beweis stellen.
/ Ingo Pakalski
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Google-Bindung

Bei der Einrichtung des G1 muss sich der Käufer mit einem Google-Konto anmelden. Ohne ein solches Konto ist das Mobiltelefon nicht einsetzbar. Dadurch sind alle Google-Suchanfragen, alle Google-Maps-Aufrufe, alle Google-Mail-Nachrichten, alle Google-Kalender-Termine und alle Google-Talk-Botschaften für den Internetgigangten einem Konto zugewiesen. Der Nutzer kann sich also nicht dagegen wehren, dass sein Nutzerverhalten von Google protokolliert wird.

Sowohl der Kalender als auch das Adressbuch werden ständig mit dem entsprechenden Google-Konto abgeglichen. Eine Synchronisationssoftware für den PC liegt dem Gerät nicht bei, um die Daten per USB-Verbindung zwischen Handy und PC abzugleichen. Auch Firmwareupgrades werden drahtlos eingespielt, allerdings nur, wenn eine WLAN-Verbindung besteht.

Bedienung

Der Touchscreen in T-Mobiles G1 wird zwar mit dem Finger bedient, die markanten iPhone-Gesten mit zwei Fingern kennt der Neuling aber nicht. Dafür funktioniert das Blättern in Applikationen und das Scrollen in langen Listen so butterweich wie auf dem Apple-Konkurrenten. Wenn eine Software Zoomfunktionen bietet, werden sie mit eingeblendeten Plus- und Minussymbolen angezeigt, um einen Bereich zu vergrößern oder zu verkleinern.

Wird eines der Symbole ein bisschen länger gedrückt, arbeitet die Zoomfunktion schneller, so dass etwa in Google Maps sehr zügig herein- oder herausgezoomt werden kann. Ganz so komfortabel wie auf dem iPhone arbeiten die Zoomfunktionen nicht, aber mit einer modifizierten G1-Firmware steht Abhilfe für experimentierfreudige Nutzer bereit.

Obwohl Android keinen Gebrauch davon macht, steckt im G1 ein Display mit Multitouch-Technik. Der 3,2 Zoll große Touchscreen reagiert gut und zügig auf alle Eingaben und zeigt bei einer Auflösung von 320 x 480 Pixeln bis zu 65.536 Farben an. Einen Helligkeitssensor gibt es im G1 nicht, so dass die Bildschirmhelligkeit nicht automatisch abhängig von dem Umgebungslicht geregelt wird. Zum Verändern der Helligkeit muss sich der Nutzer in die Tiefen der zentralen Einstellungsoptionen begeben, einen Schnellzugriff gibt es in der Standardkonfiguration nicht. Es gibt aber bereits kostenlose Software, mit der dieses Manko umgangen werden kann.

Der integrierte Lagesensor richtet den Displayinhalt passend zur Position des Geräts aus, allerdings reagieren die meisten der vorinstallierten Applikationen darauf nicht. Es bleibt unverständlich, warum der Lagesensor nicht unterstützt wird, denn sobald die Tastatur aufgeklappt ist, steht immer die Querformatsdarstellung bereit. Im Test zeigte sich, dass viele Applikationen von Fremdherstellern den integrierten Lagesensor nutzen.

Außer über den Bildschirm kann das Mobiltelefon auch mit einem Trackball, den daneben befindlichen Knöpfen sowie der Menütaste effizient und schnell gesteuert werden. Während der Haus-Knopf den Programmstarter aufruft, dient die Taste auf der anderen Seite des Trackballs dazu, einen Schritt in einer Applikation zurückzugehen. Ganz außen befinden sich Tasten zum Annehmen und Beenden eines Telefonats. Meist sind die Telefontasten für eine intuitive Bedienung grün und rot eingefärbt, nicht so beim G1. Wird die Auflegentaste länger gedrückt, kann das Gerät ganz abgeschaltet oder der Lautlosmodus umgeschaltet werden. An den Gehäuseseiten findet sich noch ein Kameraknopf sowie Lautstärketasten.

Der Programmstarter besteht aus maximal drei Seiten. Widgets und Applikationen lassen sich darin nach Belieben ablegen. Auch das Hintergrundbild kann frei gewählt werden. Alle installierten Applikationen erreicht der Nutzer über eine im Programmstarter integrierte Lasche, mit der sich die Programmübersicht fast auf ganze Bildschirmgröße aufziehen lässt. In dieser Programmübersicht wird es allerdings schnell unübersichtlich, wenn viel Software aufgespielt wurde.

Die Programmstarterseiten sind dafür gedacht, die häufig benötigten Programme zügiger zu finden. Das Herauskopieren aus der Programmübersicht geschieht bequem, indem das betreffende Programmsymbol mit dem Finger festgehalten wird. Das Gerät signalisiert mit dezenter Vibration, dass die Applikation an eine andere Position gebracht werden kann. Ohne Widgets passen auf jede Seite 16 Programmsymbole, so dass auf den drei Seiten maximal 48 Programme untergebracht werden können.

Applikationen lassen sich von einer der Programmstarterseiten entfernen, indem das Programmsymbol auf die Lasche gezogen wird, hinter der sich alle installierten Applikationen befinden. Sobald ein Applikationssymbol im Programmstarter eine Weile festgehalten und bewegt wird, wird die Lasche zu einem Mülleimersymbol. Die Lasche mit der Programmübersicht befindet sich unmittelbar oberhalb der Menütaste, so dass der Menüknopf immer wieder irrtümlich betätigt wird, um die Programmübersicht zu öffnen.

In allen Applikationen erreicht der Nutzer das Programmmenü, in dem Befehle oder auch Einstellungen zu finden sind. Als nützlich erweist sich, dass in dem Menü nach Drücken des Menüknopfs nur die wichtigen Funktionen erscheinen, der Nutzer also nicht mit überfrachteten Menüs abgeschreckt und verwirrt wird. Weitere Befehle verbergen sich dann in einer zweiten Ebene in einer langen Liste, durch die der Anwender scrollt, wenn nicht alle Befehle auf den Bildschirm passen. Hier fehlt ein Hinweis für den Nutzer, falls die Liste mehr Einträge enthält als auf den Bildschirm passen.

Eine pfiffige Idee ist der integrierte Zugriffsschutz, damit Unbefugte das Mobiltelefon nicht nutzen können. Standardmäßig ist dieser deaktiviert und kann in den Sicherheitseinstellungen eingeschaltet werden. Im Unterschied zu bisherigen Lösungen muss der Anwender bei aktiviertem Zugriffsschutz aber kein Kennwort eingeben, sondern malt ein vorher definiertes Muster auf einer 3x3-Matrix. Das ist sehr bequem und mit einer Hand besser nutzbar, als einen Zahlen- oder Buchstabencode einzugeben.

Das Android-Betriebssystem ist multitaskingfähig, so dass mehrere Programme parallel laufen können. Im Test reagierte das Mobiltelefon immer zügig. Auch wenn mehrere Programme im Hintergrund liefen, gab es keine Verzögerungen. Die Statusleiste am oberen Bildschirmrand nutzt das System für Benachrichtigungen anderer Applikationen, so dass die aktuell laufende Anwendung nicht gestört wird. Je nach Benachrichtigungstyp erscheinen andere Symbole und mit einem Fingerwisch vom oberen Displayrand in die Bildschirmmitte öffnet sich ein Fenster mit weiteren Details zu den Benachrichtigungen.

Einen vergleichbaren Ansatz des unterbrechungsfreien Arbeitens verfolgt Palm mit WebOS und dem Palm Pre , geht hier aber noch einen Schritt weiter: Denn hier kann der Nutzer direkt auf Benachrichtigungen reagieren und erhält mehr Informationen, um die Dringlichkeit einer Nachricht noch besser einschätzen zu können.

In der Statuszeile des G1 finden sich neben den Benachrichtigungen auch Angaben zu Uhrzeit, Akkustand sowie gewählter Netzverbindung. Leider handelt es sich hierbei um reine Statusanzeigen, so dass die Bedienung an der Stelle nicht sonderlich intuitiv ist. Hier erwartet der Nutzer von einem Touchscreengerät eigentlich, dass sich nach Berühren des Symbols etwa der Mobilfunkmodus ausschalten, WLAN aktivieren oder Bluetooth umschalten lässt. Aber all das fehlt beim G1, der Nutzer muss immer das Einstellungsmenü bemühen.

Allerdings kann der Nutzer nach kurzer Eingewöhnung gut erkennen, ob das Mobiltelefon gerade GPRS, EDGE, HSDPA oder WLAN verwendet. Sobald sich der Nutzer im Bereich eines bekannten WLAN-Hotspots aufhält, meldet es sich automatisch an, sofern die WLAN-Funktion aktiviert ist. Auch der Status des integrierten GPS-Empfängers ist dort zu erkennen.

Tastatur

Für Texteingaben steht eine QWERTZ-Tastatur mit separater Zahlenreihe bereit, die erscheint, wenn das Display seitlich weggeklappt wird. Das ist ungewöhnlich, weil es bei anderen Mobiltelefonen mit Klapptastatur üblich ist, dass nicht das Display, sondern die Tastatur ausgeklappt wird. Und wie sich am G1 zeigt, wäre das der bessere Weg. Denn die G1-Tastatur lässt sich nicht gerade komfortabel mit beiden Händen bedienen. Mit der rechten Hand erreicht der Anwender die eine Tastaturhälfte nur schwer, weil der Bereich mit Trackball und Funktionstasten zwischen Tastatur und Hand sitzt.

Ansonsten sind die Tasten angenehm dimensioniert und auch der Tastenabstand ist ausreichend groß, so dass es nicht leicht zu Vertippern kommt. Der gut fühlbare Druckpunkt verschafft ein angenehmes Tippgefühl, obwohl die Tasten sehr flach ausfallen. Deutsche Umlaute werden durch Drücken der Optionstaste eingegeben, was eine komfortable Lösung darstellt. Weniger komfortabel ist die Tastenbeschriftung. Während die weißen Tastenaufdrucke gut lesbar sind, ist der in Blau gehaltene Optionsbereich nicht gut zu erkennen.

Die Tastatur ist beleuchtet, kennt aber nur eine unveränderbare, sehr niedrige Helligkeitsstufe. Dadurch bemerkt der Anwender die Beleuchtung nur, wenn die Umgebung sehr dunkel ist. Bei schummerigen Lichtverhältnissen hilft die Beleuchtung nicht. Hier bleibt unverständlich, warum das Tastenlicht sich nicht an die eingestellte Displayhelligkeit anpasst, wie es bei vielen anderen Mobiltelefonen mit Tastatur der Fall ist.

Eine praktische Besonderheit ist eine spezielle Suchentaste, die in Applikationen sofort den Suchdialog öffnet, während im Programmstarter unmittelbar zur Google-Suche gewechselt wird. Das funktioniert auch, wenn das Google-Such-Gadget nicht auf einer der drei Programmstarterseiten vorhanden ist. Tasteneingaben im Programmstarter springen sofort in die Kontaktdatenbank und suchen nach den passenden Einträgen.

Der Mechanismus zum Wegklappen des Displays macht keinen sehr robusten Eindruck, was die Frage aufwirft, wie lange der Mechanismus einer intensiven Benutzung gewachsen ist. Bereits während des Tests machten sich unangenehme Knarzgeräusche bemerkbar, wenn das Mobiltelefon bei eingeklapptem Display benutzt wurde. Diese Probleme sind eindeutig auf den Klappmechanismus zurückzuführen und lassen vermuten, dass die Geräusche noch zunehmen, wenn das Gerät länger im Einsatz ist.

Browser

Der Android-Browser basiert auf WebKit. Er zeigt Webseiten zügig an und ergänzend zu den Zoomsymbolen vereinfacht eine Lupenfunktion die Navigation auf Webseiten. Ein Klick auf das Kreuz in der rechten unteren Ecke des Bildschirms zeigt eine Miniaturansicht der Webseite, der Nutzer bestimmt dann einen Bereich, der vergrößert wird. Im Unterschied zum iPhone-Browser zeigt der Browser des G1 beim Start immer einen Seitenausschnitt und nicht die ganze Seite in Miniaturdarstellung. Dadurch kann der Anwender sofort mit dem Lesen beginnen, erkennt dafür aber nicht immer gleich die Struktur der Webseite.

Der Browser beherrscht Tabbed Browsing, kann also mehrere Fenster in einer Browserinstanz geöffnet halten. Beim Wechsel zwischen Tabs wird im Unterschied zum iPhone-Browser der Seiteninhalt nicht noch einmal geladen, so dass eine geladene Webseite deutlich zügiger erscheint. Eine Sicherheitsabfrage verhindert das versehentliche Schließen eines Browsertabs. Dauert das Laden einer Seite etwas länger, kann der Nutzer dank Multitasking zu einer anderen Applikation wechseln und dann zum Browser zurückkehren, der die Seite in der Zwischenzeit geladen hat.

Im Browser gibt es keine Symbole zum Aufruf der Adresszeile oder zum Öffnen von Lesezeichen. Alles geschieht über das Programmmenü, was in der Bedienung nicht sonderlich intuitiv ist. Immer wieder ertappt sich der Nutzer dabei, wie er die Adressleiste aufrufen will, indem er auf die Browsertitelleiste tippt, aber es passiert nichts. Die Navigation mit dem Trackball auf der Webseite ist nicht gut gelöst, denn damit kann der Nutzer immer nur von Link zu Link springen. Sinnvoller wäre es, wenn der Anwender mit dem Trackball in Webseiten blättern könnte. Wird der Trackball bei gedrückter Alt-Taste nach oben oder unten bewegt, springt der Browser zum Anfang respektive Ende der Webseite.

Der Android-Browser selbst spielt keine Videos ab, die in Webseiten enthalten sind. T-Mobile erklärt dies damit, dass Google für die Einbindung des Flash-Players Lizenzgebühren zahlen müsste und das dem Konzept widerspricht, dass Android als Open Source angeboten wird. Offen bleibt aber die Frage, warum T-Mobile hier nicht in die Bresche springt und für seine Kunden den Flash-Player für das G1-Mobiltelefon lizenziert.

Nur über das spezielle Youtube-Programm lassen sich auf dem G1 Videos aus dem Internet abspielen. Bildschirmfüllend erscheinen die Videos ausschließlich, wenn diese über WLAN abgespielt werden. Bei einer Mobilfunkverbindung wird eine geringere Auflösung gewählt, bei der das Video kleiner als der Bildschirm ist, damit es ohne Unterbrechungen abgespielt werden kann.

Zwischenablage

Weil das iPhone bis heute keine funktionierende Zwischenablage bietet, stellt sich bei jeder neuen Mobiltelefon-Plattform die Frage, ob eine Zwischenablage vorhanden ist, um bequem Daten zwischen Applikationen auszutauschen. Das kann für Android bejaht werden. Die Zwischenablage kennt auch die üblichen PC-Tastenkürzel Strg-C, Strg-X und Strg-V, nur dass beim G1 statt der Strg-Taste die Menütaste betätigt wird. Alternativ dazu erscheinen diese Optionen in einem Pop-up-Menü, wenn der Finger etwas länger auf dem zu kopierenden Bereich auf dem Bildschirm gehalten wird.

Textbereiche können entweder mit dem Finger oder dem Trackball markiert werden, indem dabei die Shift-Taste niedergedrückt wird. Bei der Textauswahl mit dem Finger kann auch der Start- und Endpunkt einer Markierung bestimmt werden, um bequem längere Textbereiche zu selektieren. Im Browser gibt es allerdings keine Möglichkeit, Textstellen einer Webseite zu markieren, um diese in die Zwischenablage zu bringen. Eine Telefonnummer oder Adresse auf einer Webseite muss also mühsam abgeschrieben werden, E-Mail-Adressen werden hingegen erkannt und lassen sich kopieren.

Ansonsten ist die Verzahnung zwischen den Applikationen gelungen. Über die Kontakte kann eine Postanschrift in Google Maps angezeigt werden und auch der SMS-Versand kann über das Adressbuch angestoßen werden. Eine URL im Browser lässt sich bequem per E-Mail versenden.

Android Marketplace

Mit Android Marketplace bietet Google ein Pendant zum App Store von Apple, damit Anwender bequem Software direkt über das Mobiltelefon herunterladen und installieren können. Der Google-Ansatz gleicht in Aufbau und Struktur dem App Store, bietet derzeit jedoch nur kostenlose Programme. Eine Bezahlfunktion soll später integriert werden, damit Entwickler auch kostenpflichtige Software darüber anbieten können. Die Google-Variante ist derzeit angenehmer in der Bedienung. Während es beim App Store immer wieder passiert, dass sich der Nutzer abermals autorisieren muss, passiert das beim Marketplace nie. Schließlich ist der Nutzer automatisch mit dem G1 bei Google angemeldet. Dieses Problem könnte aber auch bei Marketplace auftreten, wenn erst einmal Bezahlfunktionen darin integriert sind.

E-Mail

Auf dem G1 gibt es zwei unterschiedliche E-Mail-Clients, die sich im Funktionsumfang drastisch unterscheiden. Die Google-Mail-Software bietet sogar eine Push-Funktion, so dass E-Mails unmittelbar auf dem Mobiltelefon landen. Sie zeigt angehängte Word-, Excel-, PowerPoint- und PDF-Dokumente in einer HTML-Vorschau an und kann auch Bilder direkt darstellen. Der HTML-Vorschau fehlt allerdings eine Zoomfunktion, so dass das Lesen ausgesprochen unkomfortabel ist: Der Nutzer muss beim Lesen immer wieder nach oben und unten, nach links und rechts scrollen. Die empfangenen Anhänge lassen allerdings auch direkt auf dem Mobiltelefon speichern und ansehen, sofern die passende Software installiert ist.

Der zweite E-Mail-Client kennt all das nicht. Er kann weder angehängte Dateien anzeigen noch speichern. Dafür braucht die Software zum Öffnen einer E-Mail mit Anhang oftmals so lange, dass der Eindruck entsteht, die Software sei abgestürzt. Der zweite E-Mail-Client ist für den Zugriff auf POP3- und IMAP-Postfächer gedacht, bietet allerdings nur so rudimentäre Funktionen, dass eine sinnvolle Nutzung gar nicht möglich ist. Ein Zugriff auf Exchange-Server ist mit beiden Programmen nicht vorgesehen, soll sich aber mittlerweile über kostenpflichtige Software nachrüsten lassen.

Software für Google-Dienste

Auf dem Mobiltelefon sind weitere Applikationen installiert, mit denen sich vor allem Google-Dienste nutzen lassen. Dazu zählt etwa Google Maps, das den integrierten GPS-Empfänger zur Positionsbestimmung nutzt. Alternativ versucht es, den aktuellen Standort über die Mobilfunkmasten zu bestimmen, was meist aber weniger exakt ist. Nach wie vor bietet Google Map keine umfassenden Navigationsfunktionen, so dass hier nur Zusatzsoftware Abhilfe schaffen kann.

Für Instant Messaging steht Google Talk bereit, andere Protokolle werden von Haus aus nicht unterstützt. Passende Software zum Nachrüsten steht allerdings schon bereit, um auch über ICQ, Windows Live Messenger, Yahoo Messenger oder Ähnliches Kontakt mit anderen aufnehmen zu können.

Keine Office-Software vorhanden

Eine Office-Software zur Bearbeitung von Office-Dateien gibt es nicht, sie müsste bei Bedarf nachgekauft werden. DataViz arbeitet noch an einer Variante von Documents To Go für die Android-Plattform und auch Quickoffice gibt es noch nicht für Android. Allgemein fällt die dürftige Bestückung mit Software auf, nicht einmal eine Notizsoftware oder eine Aufgabenverwaltung sind dabei. Der Nutzer muss also erst Software installieren, um einen Funktionsumfang zu erreichen, der bei anderen Smartphones ganz normal ist.

Die Sprachqualität bei Telefonaten ist gut und die Telefonanwendung lässt sich gut bedienen, Sprachbefehle fehlen allerdings. Für Fotoaufnahmen steht eine 3,2-Megapixel-Kamera bereit, die halbwegs anständige Fotos schießt, sofern die Lichtbedingungen gut sind. Videoaufnahmen sind damit nicht möglich und viel Komfort hat der Nutzer von der Kamera nicht zu erwarten, die weder Autofokus noch ein LED-Licht bietet. Für Daten steht ein interner Speicher von 192 MByte bereit und T-Mobile legt dem deutschen G1-Modell noch eine Micro-SD-Karte mit einer Kapazität von 2 GByte bei. Das Gerät unterstützt Speicherkarten mit bis zu 8 GByte. Der Speicherkartensteckplatz befindet sich hinter einer Abdeckung, die sich nur umständlich öffnen lässt, um die Karte zu wechseln.

Akkulaufzeit

Beim Test des G1 machten sich sehr kurze Akkulaufzeiten negativ bemerkbar. Die genauen Ursachen dafür konnten nicht ermittelt werden. Bei aktiviertem WLAN passierte es, dass der Akku nach 4 Stunden leer war, obwohl das Gerät nicht benutzt wurde. Da hilft es auch nichts, wenn die Datensynchronisierung in den Optionen deaktiviert wird. Die vom Hersteller versprochenen Sprechzeiten von bis zu 6,5 Stunden im GSM-Betrieb mit einer Akkuladung scheinen damit in der Praxis nicht erreichbar zu sein, wenn das Mobiltelefon normal verwendet wird. Auch die Bereitschaftsdauer von 16 Tagen wird wohl nicht einzuhalten sein. Bei durchschnittlicher Nutzung des Mobiltelefons ist jeden Tag, spätestens alle zwei Tage das Aufladen des Akkus fällig. Hier schaffen Konkurrenzprodukte deutlich bessere Ergebnisse.

Bei einem täglichen Aufladen des Akkus stellt sich die Frage, wie lange der Nippel hält, der den proprietären Anschluss vor Verschmutzungen schützen soll. Über diesen Anschluss werden das Netzteil, das USB-Kabel oder das mitgelieferte Stereo-Headset angeschlossen. Das Bluetooth-Profil A2DP beherrscht das Gerät nicht und eine normale Kopfhörerbuchse gibt es auch nicht. Das US-Modell des G1 ist mit einer Anbindung an den MP3-Shop von Amazon.com versehen. Hierzulande fehlt eine vergleichbare Integration.

Fazit

Mit dem G1 kommt ein neues Mobiltelefon auf den Markt, das trotz Multitasking sehr schnell reagiert und eine angenehme Bedienung bietet. Das Zusammenspiel mit Tasten und der Bildschirmsteuerung ist effektiv und der Nutzer gewöhnt sich zügig daran. Es macht Vergnügen, auf der integrierten Tastatur zu tippen. Noch schöner wäre es, wenn sie symmetrisch angeordnet wäre und damit besser in den Händen liegen würde und der Öffnungsmechanismus müsste deutlich stabiler sein.

Der integrierte Browser kommt fast an den iPhone-Browsers heran, der immer noch der Maßstab beim Komfort ist. Wie auch dem iPhone-Browser fehlt dem Android-Pendant eine Flash-Unterstützung, so dass viele Webseiten damit nicht angezeigt werden können. Die Menge und der Leistungsumfang der mitgelieferten Software enttäuscht und vor allem der E-Mail-Client für POP3 und IMAP ist eine Zumutung.

Gegen die Google-Anbindung ist der Besitzer eines G1 machtlos, so dass die Nutzung der Google-Dienste vom Anbieter sehr genau protokolliert werden kann. Für all das ist eine Datenflatrate zwingend erforderlich. Mit dem preiswertesten T-Mobile-Vertrag kann das G1 nicht sinnvoll genutzt werden, wenn der Käufer keine horrenden monatlichen Rechnungen riskieren will.

Hohe Rechnungen drohen auch bei Aufenthalten im Ausland , weil das US-Gerät wohl immer online geht, selbst wenn alle Datenfunktionen deaktiviert sind. Dann fallen im Ausland hohe Roaminggebühren an. Möglicherweise betrifft das auch das deutsche G1-Modell. Um sich rechtlich abzusichern, sollten sich G1-Besitzer von T-Mobile schriftlich bestätigen lassen, dass die Datennutzung komplett abschaltbar ist. Falls dann hohe Rechnungen kommen, obwohl im Ausland das mobile Internet nicht verwendet wurde, kann sich der Kunde dann besser gegen die Forderungen wehren.

Das Arbeiten mit Android bereitet auf dem G1 viel Vergnügen, weil das System immer zügig reagiert. Manche Nachteile des G1 könnten mit passender Software ausgebügelt werden. Wenn Googles Plattform verwendet werden soll, bleibt sonst nur, auf ein anderes Android-Smartphone zu warten. Noch dieses Jahr werden bestimmt welche folgen, die vielleicht weniger Nachteile als das G1 haben.


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