Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Kinderdatenbank in Großbritannien gestartet

Zwangsweise Erfassung persönlicher Daten aller Minderjährigen. In Großbritannien läuft ein neues ambitioniertes und umstrittenes Datenbankprojekt der Labour-Regierung: Alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren werden in einer zentralen Datenbank erfasst. Zugang erhalten rund 390.000 Erwachsene, die sich um Kinder kümmern.
/
92 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Jedem Kind eine Nummer und zu jeder Nummer ein Datensatz in einer Datenbank. So will die britische Labour-Regierung die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Schulen, der Polizei, Kinderärzten und anderen Stellen verbessern, die in ihrer Arbeit mit Kindern zu tun haben. Gespeichert werden in der Datenbank namens ContactPoint unter anderem Name, Geburtsdatum, Anschrift sowie die Kontaktadressen der Eltern, der Schule und des Hausarztes. Die Regierung geht davon aus, dass rund 390.000 Erwachsene Zugang zu den Kinderdaten erhalten.

Die Auffassung in der Datenbank ist für alle Kinder in Großbritannien vorgesehen. Die Eltern haben nicht die Wahl, ob sie ihr Kind erfassen lassen oder nicht. Nach Aussage der zuständigen Ministerin, Baronesse Morgan(öffnet im neuen Fenster) , soll die Datenbank dazu dienen, "die einzelnen Puzzle-Teile zu einem Bild zusammenzufügen" . Die Ministerin versicherte, dass Vorkehrungen getroffen würden, um von häuslicher Gewalt betroffene Kinder besonders zu schützen.

In den vergangenen Jahren ist es in Großbritannien immer wieder zu erheblichen Datenschutzverletzungen durch Regierungsbehörden gekommen. Fast regelmäßig sind Fälle bekanntgeworden, in denen der Regierung Millionen von Datensätzen abhanden gekommen sind. Kritiker werfen der Regierung deshalb vor, nicht aus ihren Fehlern zu lernen.

Der für Kinder- und Jugendfragen zuständige Sprecher der britischen Liberalen, David Laws(öffnet im neuen Fenster) , kritisierte: "Die Regierung hat gezeigt, dass man ihr keine vertraulichen Daten überlassen kann. Es ist das gute Recht aller Eltern, zu verlangen, dass die persönlichen Informationen ihrer Kinder keinem Risiko ausgesetzt werden."

Regierungsvertreter(öffnet im neuen Fenster) bemühten sich, die Bedenken zu zerstreuen. Weder sei es möglich, Daten aus der Datenbank herunterzuladen und zu speichern, noch könne sich jemand unbemerkten Zugang zu der Datenbank verschaffen. Alle Personen mit Zugangsberechtigung würden "eine eindeutige ID, ein Passwort und eine PIN" vorweisen müssen. Vor der Erteilung der Zugangsberechtigung würden sie zudem anhand des Strafregisters überprüft. [von Robert A. Gehring]


Relevante Themen