Spellforce-Entwickler kurz vor Fertigstellung des Strategienachfolgers. Battleforge, dem das deutsche Entwicklerteam EA Phenomic derzeit den letzten Schliff verpasst, setzt auf Monster und Soldaten zum Sammeln. Golem.de hat das prächtig animierte Werk in einer Betaversion angespielt und nach den Kosten für den ungewöhnlichen Spielspaß gefragt.
Ein bisschen gemein ist es schon: Normalerweise bringt ein Strategiespiel die Einheiten einfach mit, die Echtzeit- oder Rundengeneräle für Schlachten, Belagerungen oder Feldzüge benötigen. Bei Battleforge ist das anders. Das Programm von EA Phenomic, dem 2006 von Electronic Arts übernommenen Ingelheimer Team des Siedler-Erfinders Volker Wertich hinter Spellforce , setzt erstens auf Online und zweitens auf Sammelkarten. Das bedeutet: Im Mittelpunkt des Spiels stehen Mehrspielerpartien - und in denen kloppen sich Einheiten, die der Spieler ähnlich wie Trading-Cards sammeln kann.
Das hat einen großen Nachteil: Die Kosten sind langfristig höher als bei Titeln wie Command & Conquer oder Starcraft. Es hat aber auch ein paar Vorteile: Es gibt sehr viel mehr Einheitentypen. Damit das Geschäftsmodell funktioniert, müssen die Entwickler regelmäßig neue, wirklich spannende Truppen und Monster erfinden, die dann ohne Integrationsprobleme ins Spiel passen sollten.
Das Spiel wird ganz regulär für rund 50 Euro im Handel erhältlich sein. Neben der DVD mit Battleforge liegen der Packung Codes bei, die zu jeder der vier Mächte im Spiel ein Set mit 16 Einheitenkarten freischalten. Bei den insgesamt 64 Einheiten finden sich bei jedem Spieler unterschiedlich auch doppelte Einheiten. Außerdem bekommt der Käufer so viele der Battleforge-Kaufpunkte gutgeschrieben, dass er damit zwölf sogenannte "Booster-Packs" kaufen kann: Das sind weitere 96 - ebenfalls rein virtuelle - Einheitenkarten, ebenfalls mit Doppelungen.
Wer noch mehr Karten möchte, muss sie in Ingame-Auktionen von anderen Spielern erhandeln oder einfach tauschen. Alternativ ist es möglich, ein Booster-Pack für umgerechnet 2,50 Euro zu kaufen. Weitere Kosten für das stark auf Online- und Multiplayermatches ausgelegte Spiel fallen nicht an. Die Entwickler sehen ihr Modell als Alternative zu gebührenpflichtigen Onlinespielen wie World of Warcraft. Ab April 2009 soll es neue Maps geben, weitere 200 Einheitenkarten sind für Sommer 2009 geplant.
Zum Start von Battleforge wird es 200 unterschiedliche Karten geben - und damit auch 200 unterschiedliche Einheitentypen. So ungewohnt es sich für Echtzeitstrategen anhört: In der Betapraxis funktionierte das nach kürzester Zeit ohne weitere Irritationen. Aus einer seitlichen Leiste, in der die eigenen Karten übersichtlich sortiert sind, verschiebt der Spieler 20 Einheiten in Form von hübsch bunten Kärtchen auf die Iconleiste am Bildschirmrand, und im Kampfmodus erklickt und platziert er sie wie aus anderen Spielen gewohnt.
Die 200 Karten sind in vier Fraktionen aus jeweils 50 Einheitentypen unterteilt: Frostmonster eignen sich besonders gut zur Verteidigung, Naturbestien unterstützen andere Einheiten, Flammenwesen sind für Angriffe ausgelegt - unter ihnen befinden sich Drachen und andere Feuerspucker. Und Schattenkreaturen arbeiten mit fieser Magie und Tricks - unter ihnen sind Einheiten wie der Harvester, der Skelettkrieger herbeibeschwören kann, oder Monster für besonders effektive Selbstmordangriffe. Je mächtiger und stärker eine Einheit ist, desto schwieriger ist sie allerdings auch zu bekommen: Die Entwickler haben ein System aus vier "Rare"-Stufen entwickelt - die ultraseltenen Einheitenkarten machen nur etwa zwei Prozent der Gesamtkartenmenge aus.
Spieler treten wahlweise in Multiplayerpartien an, in denen bis zu zwölf Teilnehmer gleichzeitig um den Sieg kämpfen. Oder sie verbünden sich mit anderen und agieren im Coop-Modus als Team. Wer alleine in Einzelspielermissionen antreten möchte, wählt auf einer Übersichtskarte seine Einsätze aus und folgt so einer vollwertigen Kampagne.
Bevor der Spieler - der im Szenario von Battleforge die Rolle eines göttergleichen "Skylords" hat - in den Kampf zieht, steht allerdings erst das Zusammenstellen der eigenen Truppen auf der Tagesordnung. Strategen, die an so etwas Spaß haben, kommen voll auf ihre Kosten: In einer Art Arena lässt sich mit Einheiten experimentieren und die optimale Feinaufstellung erkunden. Wie effektiv arbeitet die Frostzauberin, die mächtige Eisschutzschilde heraufbeschwört, mit den riesigen Belagerungsbaummonstern der Natursektion zusammen? Oder ist doch die Kombination aus dem riesigen gehörnten Vorzeigemonster Jaggernaut zusammen mit den Pyro-Asche-Kriegern kampfstärker? Um das herauszufinden, lassen sich in der Arena auf Knopfdruck schnell ein paar unterschiedlich starke Feinde als Kanonenfutter herbeizaubern.
Mit Battleforge geht EA Phenomic ein gewisses Risiko ein, weil unklar ist, ob der neuartige Mix aus klassischer Echtzeitstrategie mit dem Sammelkartenelement in der Szene ankommt. Soweit sich das bislang beantworten lässt, stimmen zumindest die Grundlagen: Das Konzept macht einen durchdachten Eindruck, Grafik und Animationen haben die Entwickler gut hinbekommen. So lebensecht und trotzdem effektvoll hat sich noch kein Drache in PC-Echtzeittiteln bewegt und ist noch kein riesiger Monsterwurm durchs Erdreich gekrochen.
Battleforge erscheint nach aktueller Planung Ende März 2009. Wer bereits jetzt antreten möchte, kann sich im Rahmen des groß angelegten Betatests registrieren und dann mit relativ großer Wahrscheinlichkeit auch schon mitspielen.