KDE 4.2 bessert nach

Schon beim Blick auf die Plasma genannte Arbeitsfläche sowie die Startleiste Kicker fällt die farbliche Überarbeitung auf. Die Designer haben offensichtlich Hand angelegt, damit KDE wieder wie aus einem Guss erscheint. Der Kicker ist nicht mehr schwarz, sondern in einem dunklen Blau gehalten. Die optischen Änderungen ziehen sich durch weitere Elemente des Desktops und sorgen so für ein einheitliches Erscheinungsbild. Wer das ändern möchte, kann dafür ein neues Konfigurationswerkzeug verwenden.
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| Video: KDE 4.2 – Test (2:41) |
Die Taskleiste erlaubt es, Einträge zu gruppieren, und sie kann in einem mehrzeiligen Layout dargestellt werden. Im Release Candidate hatte die Größenänderung aber noch einen Grafikfehler zur Folge. Erst nach erneutem Anmelden war ein mehrzeiliges Panel in KDE vorhanden. Die Symbole im Systray lassen sich ausblenden, das Panel kann sich automatisch verstecken, um mehr Platz zum Arbeiten freizumachen.
Neu sind hier Benachrichtigungen, die als Pop-up angedockt an das Panel erscheinen. Hierzu zählt beispielsweise der Statusdialog beim Kopieren von Dateien. Das spart Platz auf dem Bildschirm, da der Dateimanager nicht auf einmal einen mittig platzierten Dialog einblendet. Da es sich um ein normales Plasmoid – also ein Widget für Plasma – handelt, lässt sich der Statusdialog aber auch an jeder beliebigen Stelle auf dem Desktop positionieren.
Neue Plasmoids haben die KDE-Entwickler ebenfalls hinzugefügt, die Google Gadgets für Linux lassen sich jetzt verwenden. Wer eigene Widgets schreiben möchte, kann das mit Ruby und Python tun. Compositing-Desktopeffekte aktiviert KDE 4.2 automatisch, sofern Hardware und Treiber dies unterstützen.
Auch bei den in KDE enthaltenen Programmen gab es Änderungen: So kann der Dateimanager Dolphin eine Dateivorschau in einem Tooltip einblenden und enthält eine Zoomfunktion. Sein großer Bruder Konqueror, der Dateimanager und Webbrowser in einem ist, soll von Verbesserungen in KHTML profitieren und Webseiten schneller laden. Auch eine Find-as-you-type-Suche ist nun in Konqueror integriert. Standardmäßig ist ein Werbeblocker in dem Browser aktiv. Die Texteditoren Kate und KWrite verfügen über einen Vi-Eingabemodus.
Fazit:
Die KDE-Entwickler haben kräftig nachgelegt. KDE 4.1 fühlte sich stellenweise noch sehr nach einer Baustelle an. Diesen Eindruck hat das KDE-Team erfolgreich beseitigt. KDE 4.2 überzeugt direkt beim Start durch ein deutlich stimmigeres optisches Gesamtbild, und die kleinen und größeren Verbesserungen an vielen Stellen kommen der Desktopumgebung zugute. Natürlich gibt es noch einiges zu tun, nicht alles ist perfekt. Doch nach den Desktops der Entwickler und der Enthusiasten ist KDE reif, auch die Computer der Endanwender zu erobern.
Wie üblich werden Fehler in KDE 4.2 im Rahmen monatlicher Updates beseitigt. Und das nächste größere Update ist schon geplant: KDE 4.3 kommt im Sommer 2009.
KDE 4.2 steht unter kde.org(öffnet im neuen Fenster) zum Download bereit. Die Screenshots im Artikel stammen aus KDE 4.2-rc1.