Der absurde Streit zwischen PS3- und Xbox-360-Machern

Wer hat Folgendes gesagt? "Das ist nicht im Bezug auf Zahlen gemeint, oder wer die größte installierte Basis hat, oder wer die meisten Einheiten in einer bestimmten Woche oder Monat verkauft. Aber ich mag den Gedanken, dass wir weiterhin der offizielle Marktführer in dieser Branche sind."
Ein Tipp: nicht der Boss von Nintendo. Auch wenn dessen Unternehmen nach unabhängigen Zahlen fast im Alleingang das amerikanische Spiele-Weihnachtsgeschäft vor der Rezessionsfalle gerettet hat. Auch wenn Nintendo in Europa und Japan die Nase mit der Wii vorn hat.
Normalerweise läuft das PR-Spiel so, dass sich Nintendo, SCE und Microsoft bei passender Gelegenheit - Messe, Jahresende, Sommeranfang - aktuelle Zahlen von Marktforschern vorknöpfen und die Statistiken so lange durchforsten, bis sie einen vermeintlich klaren Vorsprung für ihr Produkt entdecken. Das wird dann mit viel Tamtam verkündet, die internationale Presse berichtet entweder brav oder lästernd - und alle sind zufrieden.
Derzeit ändert sich der Tonfall aber. Kein Wunder, der Druck insbesondere auf SCE und Microsoft nimmt zu. Zwar haben beide Unternehmen Konsolen im Angebot, die sich gut verkaufen, aber keine Konsole erreicht annähernd eine Marktbedeutung, wie sie Nintendo mit der familienkompatiblen Wii hat. Der Kampf um die Silbermedaille ist offener denn je: In Japan liegt die Playstation 3 laut VGChartz mit einem Vorsprung von rund 1,9 Millionen verkauften Geräten klar vor der Xbox 360. In den USA hat die Microsoft-Konsole je nach Studie einen Vorsprung von sieben bis neun Millionen Einheiten. Und in Europa, dem dritten wichtigen Markt, herrscht zwischen beiden ein Patt.
Beide Unternehmen liefern sich daher einen verbalen Schlagabtausch, auch auf die Gefahr hin, die Bodenhaftung zu verlieren. Etwa wenn Sony-Boss Hirai im Interview mit dem offiziellen amerikanischen Playstation-Magazin die komplizierte Technik seines Produkts lobt: "Wir bieten keine einfach zu programmierende Konsole, wie sie Entwickler gerne hätten, weil 'einfach zu programmieren' bedeutet, dass jeder gleich alles aus der Hardware herausholt" . Entwickler schütteln über solche Aussagen den Kopf, denn hoher Programmieraufwand bedeutet hohe Kosten, und die kann sich in wirtschaftlich harten Zeiten niemand leisten.
Microsoft agiert auch nicht zimperlich. Ohne belastbare Zahlen zu nennen, feiert das Unternehmen sich in Pressemitteilungen als unangefochtener Marktführer. Auf Basis von 'Schätzungen' wird da verkündet, die Verkaufszahlen im Weihnachtsgeschäft seien fast doppelt so hoch gewesen wie im Vorjahr. Oder man sei "stärker und schneller als unsere Wettbewerber gewachsen" . In einigen Märkten mag das im Vergleich zur PS3 nachvollziehbar sein. Aber "unsere Wettbewerber" ist Plural, und zumindest gegenüber Nintendo bleibt Microsoft jeden Beleg schuldig. Die Worte "Nintendo" oder "Wii" tauchen in der Mitteilung nicht auf.
Dem Spieler bringt das herzlich wenig. Er richtet sich mit seinem Konsumverhalten erfahrungsgemäß nicht nach dem, was sich die PR-Abteilungen der Konzerne ausdenken - sondern danach, wo es mehr Spielspaß gibt. Da fällt es auf, dass die Manager über ihre Spiele derzeit so gut wie keine Worte verlieren.



