Seagate zieht Firmwareupdate zurück, warnt vor Installation

Die seit Ende November 2008 schwelende Affäre um einen Firmwarefehler in den Desktopfestplatten von Seagate entwickelt sich für das Unternehmen zu einem Desaster. Wie berichtet können Laufwerke der Serien Barracuda 7200.11, Barracuda ES.2 DiamondMax 22 und SV35 beim Einschalten spontan ausfallen. Die Daten auf den Laufwerken sind zwar noch vorhanden, ein Zugriff darauf ist aber nicht mehr möglich. Bei den meisten der von Anwendern im Seagate-Supportforum berichteten Fälle taucht das Laufwerk mit "0 MByte" im BIOS auf.
Für einen Teil der betroffenen Laufwerke aus der Serie Barracuda 7200.11 hatte Seagate in der Nacht zum Montag, dem 19. Januar 2009, ein Update bereitgestellt , das Anwender selbst mittels einer Boot-CD installieren können. Dazu fragt das Programm, wie Golem.de überprüfen konnte, die Modellnummer, Seriennummer und die Version der bisher verwendeten Firmware ab.
Diese drei Angaben reichen aber nicht, um ein Seagate-Laufwerk eindeutig zu identifizieren. Wie Seagate Deutschland nun Golem.de erklärte, kommt es auch noch auf die "Part Number" an. Ähnlich wie bei Mainboards bestimmt diese Nummer, welche Revision der Hardware bei einer Festplatte vorhanden ist.
Das bisher veröffentlichte Firmwareupdate weist zwar zur Laufzeit auf die Part-Number hin, überprüft sie aber nicht. Daher kann es Seagate zufolge passieren, dass eine zur Konfiguration des Laufwerkes unpassende Firmware eingespielt wird. Das kann dann beim nächsten Start des Geräts in Einzelfällen dazu führen, dass das Laufwerk nicht funktioniert. Der Effekt lässt sich laut Seagate meist durch Einspielen der ursprünglichen Firmware wieder beheben, setzt aber einen Kontakt zum technischen Support des Unternehmens voraus, um diese Version zu erhalten.
Das Unternehmen hatte mehrfach darauf hingewiesen, vor einem eventuellen Update die Angaben von Modellnummer, Seriennummer und Firmwareversion an discsupport@seagate.com zu schicken. Die entsprechenden Part Numbers ergeben sich so auch für Seagate, so dass das Laufwerk nicht ausgebaut werden muss – die Nummer ist nämlich nur auf dem Aufkleber der Festplatte vermerkt und lässt sich per Software nicht auslesen. Seagate führt nach eigenen Angaben derzeit die Datenbanken der Seriennummern aus den weltweit verteilten Festplattenfabriken zusammen, um per Seriennummernabfrage die betroffenen Laufwerke zu identifizieren.
Das auch auf privaten Webseiten gespiegelte Update für die Serie Barracuda 7200.11 soll man laut Seagate vorerst nur einspielen, wenn auch die Angaben von Modellnummer, Part Number und Firmware zueinander passen. Das kann bisher aber nur Seagate überprüfen.
Inzwischen hat Seagate auch etwas mehr zu den Hintergründen des ursprünglichen Problems erklärt. Es müssen drei Bedingungen gegeben sein, um den Schaden hervorzurufen: Ein interner Ereigniszähler des Laufwerks muss seine letzte zur Verfügung stehende Position erreicht haben, genau in diesem Moment wird das Laufwerk ausgeschaltet. Würde ein weiteres Ereignis stattfinden, würde dieser Zähler auf null zurückspringen. Zu diesen "Events" gehört beispielsweise das Umkopieren von Daten auf Reservebereiche, wie es jede Festplatte bei Sektorauslagerungen tut. Die Laufwerke führen darüber Buch, um beispielsweise bei Reklamationsfällen für den Hersteller Informationen bereitzustellen.
Als dritte Bedingung musste das Laufwerk an einem bestimmten Testsystem während der Herstellung geprüft worden sein. Genaugenommen, so Seagate, handelt es sich damit auch nicht um ein Problem der Firmware, sondern um das Testgerät, das falsch konfiguriert wurde. Das ist dem Unternehmen zufolge einer der Gründe, warum nur ein Bruchteil der Laufwerke für dieses Phänomen anfällig ist: Nur die Festplatten, die an einem der falsch eingestellten Testgeräte geprüft wurden, können das Phänomen überhaupt aufweisen.
Wenn man alle Möglichkeiten nutzen will, um den laut Seagate sehr seltenen Fall des plötzlichen Ausfalls zu vermeiden, rät der Hersteller, Rechner mit den potenziell gefährdeten Festplatten nicht auszuschalten. Das Phänomen kann nämlich nur beim Einschalten des Laufwerks auftreten.
Kunden, die durch das ursprüngliche Problem keinen Zugriff auf ihre Daten mehr haben, hatte das Unternehmen bereits eine kostenlose Datenrettung versprochen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Angebot nun auch für die Kunden ausgesprochen wird, die das von Seagate ohne eindeutige Informationen zur Eignung für das jeweilige Laufwerk zur Verfügung gestellte Update vorgenommen haben und deren Festplatte nun den Dienst verweigert.



