Spieletest: Herr der Ringe: Eroberung - der Star-Wars-Sauron
EA und Pandemic machen aus einem alten Star Wars ein neues Herr-der-Ringe-Spiel. Fantasy-Geschichtsschreibung mal anders: Was wäre gewesen, wenn in Mittelerde nicht das Gute gesiegt, sondern der böse Sauron seinen Ring zurückbekommen und Mittelerde unterjocht hätte? Was Tolkien in seinem Werk nicht geschehen ließ, darf der Spieler auf PC und Konsole jetzt ausprobieren.
Auf der Packung steht zwar Der Herr der Ringe drauf – drin ist allerdings Star Wars. Jedenfalls zum Teil, denn das neue Actionspiel von Pandemic und EA ist recht offensichtlich von Star Wars Battlefront inspiriert. So ist das Spielprinzip wie in Battlefront hauptsächlich auf den Multiplayer-Modus ausgerichtet. Eine Einzelspieler-Kampagne existiert zwar, umfangreich ist die aber nicht.
Wer trotzdem alleine ins Gefecht zieht, muss erst auf Seiten des Guten kämpfen und Aufträge erfüllen, bevor das Spiel die zweite Kampagne mit einer alternativen Handlung freischaltet. Hier darf der Spieler für die dunkle Seite zum Schwert greifen. Die spielt sich zwar nicht bedeutend anders, viele Herr-der-Ringe-Fans dürften sich aber darüber freuen, auch mal böse sein zu dürfen. Zwar ist zunächst ein namenloser Recke zu steuern, im Spielverlauf warten aber auch Charaktere wie Gandalf, Legolas oder gar Sauron darauf, dass der Spieler sie steuert.
Inhaltlich wird auf beiden Seiten unkompliziert gemetzelt: Je nach Charakterklasse – Krieger, Bogenschütze, Magier und Späher – stehen verschiedene Waffen, Spezialangriffe und Kombos zur Verfügung. Die meiste Zeit aber wird ohnehin nur wild auf die Gegnerhorden eingeprügelt. Weil die Tastenkombinationen unabhängig von der Klasse oft dieselben sind, spielen sich die verschiedenen Charaktere weniger unterschiedlich als es auf Basis der jeweiligen Fähigkeiten zu erwarten wäre. Für bestimmte Aktionen wie Feuerbälle oder Wirbelattacken benötigt der Spieler Energie, die er sich wiederum durch gelungene Kampfaktionen verdient; die eigene Gesundheitsleiste füllt er mit den Seelen der erlegten Feinde auf.
Weder die bösen noch die guten Computergegner agieren sonderlich intelligent; taktischer Tiefgang kommt also erst ins Spiel, wenn es mit bis zu 16 menschlichen Mitspielern im Eroberungsmodus um die Einnahme von Stützpunkten geht, oder wenn Massenschlachten im Deathmatch anstehen. Auch dann bleibt Herr Der Ringe: Eroberung allerdings ein recht oberflächliches Spiel. Wer mehr als schnelle und unkomplizierte Gefechte erwartet, ist mit früheren Spielen der Serie besser bedient.
Für Fans erfreulich: Anstatt sich an der Handlung eines einzelnen Films zu orientieren, reiht Die Eroberung praktisch alle großen Schlachten der Trilogie aneinander und ergänzt sie um zusätzliche Gefechte. Kurze Ausschnitte aus den Filmen leiten die Kämpfe meist ein und sorgen für beständige Wiedererkennungseffekte. Allerdings wirken diese Videoschnipsel teils lieblos eingebunden und nicht sonderlich gut auf die jeweils folgende Spielsequenz abgestimmt. Überhaupt lässt die Technik zu wünschen übrig: Die Texturqualität schwankt zwischen detailarm und hässlich, ein paar Darstellungsfehler trüben zusätzlich das Bild. Immerhin läuft die Action auch bei vielen Akteuren auf dem Schirm meist flüssig ab.
Herr der Ringe: Eroberung ist für Xbox 360, Playstation 3 und PC im Handel erhältlich. Die PC-Fassung benötigt Windows XP oder Vista und abhängig davon mindestens 1 GByte oder 1,5 GByte Speicher. Als CPU setzt das Programm einen Zweikern-Prozessor mit 2,4 GHz voraus, die Grafikkarte muss über 256 MByte RAM verfügen und Pixelshader 3.0 beherrschen. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 6 GByte an Speicher. Ärgerlich: Bei der PC-Version konnten wir die Auflösung nicht höher als 1.280 x 960 Pixel stellen, obwohl der Rechner auch mehr problemlos bewältigt hätte. Wie bei EA üblich, verwendet Der Herr der Ringe: Die Eroberung den Kopierschutz Securom in der Variante mit Onlineaktivierung, dafür läuft das Spiel ohne DVD im Laufwerk.
Das Programm kostet 50 (PC) beziehungsweise 70 Euro (Konsolen) und hat von der USK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit: So reizvoll es ist, auf der bösen Seite die Herr-der-Ringe-Geschichte neu zu schreiben und so unkompliziert sich die Action in "Eroberung" auch präsentiert: Wirklich begeistern kann der neue Actiontitel in Mittelerde nicht. Zu beliebig wirken die Gefechte, zu lieblos die Einbindung der Filmschnipsel, als dass sich wirkliche Atmosphäre einstellen würde. Für eine kleine Prügelei zwischendurch taugt der Titel; in der in den letzten Jahren beachtlich lang gewordenen und mit einigen Highlights gespickten Liste an Herr-der-Ringe-Spielen ist das Ganze aber kaum eine Erwähnung wert.