Studie: Gewalt in Computerspielen trägt kaum zum Spaß bei

Die Vorstellung, dass Computerspieler auf Gewalt stehen, ist weit verbreitet – und falsch. Eine an der University of Rochester (New York) durchgeführte Studie kommt zumindest zu dem Ergebnis, dass etwa Bluteffekte selbst bei Spielern, die gegenüber Gewaltinhalten aufgeschlossen sind, den tatsächlichen Spielspaß kaum erhöhen. Die Forscher haben für ihre wissenschaftliche Arbeit insgesamt sechs Studien durchgeführt – zwei davon basierten auf Umfragen unter bis zu 2.670 Spielern. An vier Experimenten waren bis zu 300 Teilnehmer beteiligt.
Besonders aufschlussreich für die Wissenschaftler war ein Test mit zwei modifizierten Versionen des Ego-Shooters Half-Life . Eine Hälfte der Probanden musste eine extrem gewalthaltige Fassung spielen, die andere Hälfte eine stark entschärfte. In anschließenden Befragungen gaben beide Gruppen fast gleiche Antworten auf Fragen danach, wie sie selbst den Spielspaß einschätzen und ob sie ihre jeweilige Version erneut spielen möchten.
Eine kleine Gruppe von Probanden entpuppte sich bei den Untersuchungen als mit etwas aggressiveren Charakterzügen ausgestattet als der Rest; die Wissenschaftler kamen auf rund 5 Prozent, was sich ungefähr mit anderen Studien über den Anteil aggressiver Persönlichkeiten deckt. Als diese 5 Prozent die Wahl zwischen der gewalthaltigen und der nahezu gewaltfreien Version von Half-Life hatten, bevorzugten sie sowohl vor als auch nach dem Spielen die Splattervariante. Den tatsächlichen Spielspaß der beiden Fassungen schätzte auch dieser Personenkreis fast gleich ein.
Tatsächlich entscheidende Auswirkungen auf den Spielspaß, so die Wissenschaftler, seien bei so gut wie allen Spielern Faktoren wie der Eindruck, autonom handeln zu können, und Erfolgserlebnisse. Die Autoren der im Personality and Social Psychology Bulletin(öffnet im neuen Fenster) veröffentlichten Studie sehen in ihren Ergebnissen auch Auswirkungen auf die Entwickler von Computerspielen. "Es gibt wahrscheinlich bessere Gebiete, in die sie Arbeit stecken können als dafür zu sorgen, dass ein Arm realistisch abgeschossen werden kann" , sagte Craig Anderson, einer der beteiligten Forscher, zur kanadischen Onlinezeitung Metronews.ca(öffnet im neuen Fenster) .



