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Test: AMD spielt wieder mit - Phenom II überzeugt

Mehr Takt und Tempo, aber weniger Leistungsaufnahme. AMDs erster Desktopprozessor mit 45-Nanometer-Technik ist da. Der Phenom II ist in allen Bereichen deutlich schneller als sein Vorgänger und macht Intel in der Quad-Core-Klasse um 3 GHz ernsthafte Konkurrenz. Anders als beim Core i7 braucht AMD für die Mehrleistung aber nicht mehr Strom.
/ Nico Ernst
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Diesmal hat sich AMD sehr beeilt: Nur knapp 13 Monate nach dem unglücklichen Start seines ersten Quad-Cores namens "Phenom" kommt bereits das Modell "Phenom II" auf den Markt. Nicht nur die Produkteinführung des ersten Phenom hatte AMD verpatzt, die Prozessoren hinkten auch mit folgenden Modellen bis zum Phenom 9950 mit 2,6 GHz Intels Core-Prozessoren in der Rechenleistung hinterher. Zudem braucht der Phenom 9950 mit einer Leistungsaufnahme (TDP) von 140 Watt geeignete Mainboards und kräftige Kühler.

In der Folge musste AMD die Phenom-Prozessoren regelrecht verschleudern, um im Verhältnis von Preis zu Rechenleistung konkurrenzfähig zu sein. Selbst der Phenom 9950, die bisher schnellste Desktop-CPU von AMD, kostet laut aktueller Preisliste für PC-Hersteller nur 174 US-Dollar.

In dieser Preisklasse muss Intel nur seine viel billiger herzustellenden Dual-Cores anbieten, selbst der kleinste Quad-Core Q6600 mit 2,4 GHz kostet aktuell bei Intel 183 US-Dollar. Diese 65-Nanometer-CPU ist zudem ein Auslaufmodell.

Prozessor Takt OEM-Preis
Phenom II X4 940 3,0 GHz 275 US-Dollar
Phenom II X4 920 2,8 GHz 235 US-Dollar

Für AMD muss der Phenom II also alles besser machen: Mehr Rechenleistung bei weniger Leistungsaufnahme ist gefragt. Nur so lassen sich günstige Plattformen bauen, für die sich letztlich wieder höhere Preise erzielen lassen. Und mehr Geld zu verdienen ist für das vor kurzem aufgeteilte und hoch verschuldete Unternehmen AMD das wichtigste Ziel.

Zunächst schickt AMD dafür die zwei Modelle "Phenom II X4 940 Black Edition" (3,0 GHz) und "Phenom II X4 920" (2,8) GHz ins Rennen, die ab sofort in Massenstückzahlen erhältlich sein sollen. Nur das schnellere Modell, das aber immerhin in einer Serienausführung, konnte AMD bisher zum Test zur Verfügung stellen.

Beide Prozessoren passen in bestehende Mainboards mit dem Sockel AM2+ und arbeiten folglich mit dem günstigen DDR2-Speicher. Erst im Laufe des ersten Quartals 2009 will AMD auch weitere Phenom II für den Sockel AM3 und DDR3-Speicher anbieten.

45-Nanometer-Fertigung und verdreifachter L3-Cache

Wie Intel bei seinem Core i7 hat AMD die Architektur der Kerne kaum überarbeitet, um beim Wechsel von Phenom zu Phenom II mehr Rechenleistung zu erreichen. Was genau sich an den Kernen geändert hat, behält AMD bisher für sich. In den Präsentationen zur Vorstellung der neuen CPU ist nur von einem "3% Core Uplift" die Rede, die AMD auch auf Nachfragen nicht näher erklärt.

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis findige Programmierer die Unterschiede der bisherigen K10-Kerne freigelegt haben. Bis dahin kann nur spekuliert werden, ob AMD den im ersten Phenom verbuggten TLB gründlich überarbeitet hat. Die Funktion dieses Zwischenspeichers, der in den ersten K10-CPUs fehlerhaft arbeitet, hatte AMD schon mit dem Stepping B3 des Phenom korrigiert.

Mehr Leistung erzielt AMD beim Phenom II vor allem durch den Wechsel auf eine Strukturbreite von 45 Nanometern statt bisher 65 Nanometern in AMDs ausgelagerten Chipfabriken in Dresden. Durch die feineren Strukturen arbeiten die Schaltungen mit geringerer Spannung. Umgekehrt kann, und das ist bei CPUs üblich, die Spannung auch im gleichen Rahmen gehalten werden, was höhere Taktfrequenzen erlaubt. Diesen Effekt hat AMD genutzt, um gleich zum Start den Takt von bisher 2,6 GHz um über 15 Prozent auf 3,0 GHz zu steigern. In diese Regionen ist jedoch Intel schon lange vorgestoßen, die schnellsten Desktopprozessoren des Marktführers arbeiten mit 3,2 GHz und dank Turbo-Modus im Fall des Core i7 965 sogar darüber.

Nur durch den Takt kann AMD also sein Ziel nicht erreichen – folglich wurde der L3-Cache auf 6 MByte verdreifacht. Die eng an die CPU gebundenen L2-Caches blieben mit 512 KByte pro Kern unverändert, ebenso die L1-Caches von je 64 KByte für Daten und Instruktionen für jeden Kern.

Durch den verdreifachten L3-Cache blieb die Die-Größe nahezu unverändert: Ein Phenom ist 285 Quadratmillimeter groß, ein Phenom II 258 Quadratmillimeter. Die Herstellungskosten kann AMD so nur wenig senken.

Das Die des Phenom II mit Codenamen "Deneb" ist im Prinzip identisch mit dem des Opteron mit Shanghai-Kern . Der wesentliche Unterschied ist neben noch höheren Frequenzen der Speichercontroller: Er kann bei den aktuellen Opterons nur mit DDR2-800 umgehen, beim Phenom II wie beim ersten Modell der Serie mit DDR2-1066. Entgegen früheren Angaben von AMD für die ersten AM2-Prozessoren, die sich immer noch in den Handbüchern mancher Mainboards finden, sind auch bei effektiv 1.066 MHz zwei Module für jeden der beiden Speicherkanäle zulässig. Der CPU-Hersteller bestätigte das auf Nachfrage mehrfach.

Ein kleiner Rückschritt steckt jedoch im Phenom II: Statt bisher mit 2 GHz arbeitet der HyperTransport-Link zum Rest des Systems nur noch mit 1,8 GHz. Dieser auch von Tools wie CPU-Z(öffnet im neuen Fenster) in der aktuellen Version 1.49 angezeigte Wert stimmt laut AMD. Leistungseinbußen erwartet der Chiphersteller davon nicht, will jedoch in kommenden Phenom-II-CPUs den HyperTransport-Takt wieder anheben. Offenbar hatte für stabilen Betrieb der Takt der Kerne Priorität vor dem des HT-Links.

Einfache Upgrades dank Sockelkompatibilität

Einer der größten Vorteile des Phenom II ist seine Abwärtskompatibilität. Theoretisch sollte der Prozessor in jedem Mainboard mit dem Sockel AM2+ laufen, in der Praxis braucht man für sicheren und sparsamen Betrieb ein BIOS-Update. Zumindest für ihre High-End-Boards haben Asus, Gigabyte und MSI im Vorfeld der Phenom-II-Vorstellung bereits entsprechende Firmwareaktualisierungen für die Tester zur Verfügung gestellt.

So konnten wir vor dem Test die BIOS-Version F3M für das Gigabyte-Board MA790GP-DS4H mit einem Phenom 9950 einspielen und anschließend den Phenom II 940 problemlos nutzen. Es bleibt zu hoffen, dass die Mainboardhersteller auch für einfachere AM2+-Boards ein neues BIOS zur Verfügung stellen. Da diese Bauteile schon unter 50 Euro angeboten werden – dann aber mit sehr einfacher Ausstattung -, ließe sich so eine konkurrenzlos günstige Plattform schaffen. Beim Marktstart des Phenom waren die Mainboardhersteller mit ihrer Unterstützung anfangs sehr zögerlich.

Noch etwas theoretischer sollte ein Phenom II auch in einem AM2-Board (also ohne "Plus") funktionieren. Davon ist laut AMD jedoch abzuraten, weil diese Mainboards weder alle Stromsparfunktionen der AM2+-CPUs unterstützen noch sicher für die erhöhten Spannungsanforderungen ausgelegt sind. Im Zweifel sollte man vor so einem Upgrade auf jeden Fall beim Hersteller des Mainboards nachfragen.

Die als Nachfolger des glücklosen "Spider" für den Phenom II "Dragon" genannte Plattform besteht AMDs Spezifikationen zufolge auch aus aktuellen Bauteilen: Ein Chipsatz der 700er-Serie und eine Radeon-HD-4000 sollten es sein.

Dennoch sind die Tage des erst im November 2007 eingeführten Sockels AM2+ gezählt: AM3 mit Unterstützung für DDR3 steht vor der Tür. Durch die breite Verfügbarkeit von AM2+-Prozessoren ist jedoch damit zu rechnen, dass entsprechende Mainboards noch während des gesamten Jahres 2009 erhältlich sind.

Der Wechsel zu DDR3 ist für AMD unvermeidlich, da die unter extremem Preisverfall leidende DRAM-Industrie nicht noch jahrelang parallel DDR2 und DDR3 in großen Stückzahlen produzieren kann. Zwar ist DDR3 im Vergleich zu DDR2 immer noch mindestens doppelt so teuer, aber die absoluten Preise haben sich in den vergangenen Monaten auf ein Niveau bewegt, das den Speicher alleine nicht mehr zu einer teuren Komponente macht. Der Speichercontroller des Phenom II ist bereits für DDR3 vorbereitet, AMD muss nur noch das Chipgehäuse ändern.

Testsysteme und Verfahren

Um vollständige Vergleichbarkeit zum Test des Core i7 zu erreichen, haben wir den Phenom II 940(3,0 GHz) wie seinen Vorgänger Phenom 9950 (2,6 GHz) im Gigabyte-Mainboard MA790GP-DS4H mit 790GX-Chipsatz getestet. Dieses Board ist eines der drei Modelle, die AMD für den Test unterstützt.

Obwohl das Namensschema des Phenom II eine Vergleichbarkeit mit dem Core i7 940 nahelegt, konnte Intel diese CPU nicht zur Verfügung stellen. Wie schon beim Test der i7-Serie schlug Intel vor, seine Leistungsfähigkeit durch Heruntertakten des 965 nachzubilden. Das ist bei identischen Dies ein vertretbares Verfahren, wir haben dennoch darauf verzichtet. Die Skalierungsfähigkeit der Architektur zeigt sich auch durch die Tests des 920, in puncto Leistungsaufnahme ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich 940 und 965 deutlich unterscheiden.

Durch die drei Speicherkanäle des Core i7 lässt sich mit praxisnahen Speichermengen nur bei 3 GByte die gleiche Bestückung auf Dual-Channel-Systemen erreichen. Mit 2 x 1 GByte und 2 x 512 MByte ist das jedoch problemlos möglich, moderne Chipsätze vertragen auch nichtidentische Module und erreichen dabei ihre volle Leistung. Wir setzten dafür nach Rücksprache mit AMD HyperX-Module von Kingston mit DDR2-1.066 ein. Diese Module lassen sich auch mit höheren Frequenzen betreiben, wir beließen die Einstellungen bei 533 MHz physikalischem Takt und 5-5-5-18-Timings.

Gegen den Phenom II traten die Core i7 (920: 2,66 GHz, 965: 3,2 GHz) auf dem Intel-Board X58SO (DDR3-1.066) und ein Core 2 Extreme QX9770 (3,2 GHz) auf dem Gigabyte-Mainboard X48-DQ6 mit den gleichen DDR2-Speichermodulen und Timings wie die Phenoms an.

Alle Systeme wurden mit der Intel-SSD SSD X25-M mit 80 GByte bestückt. Die Solid-State-Disc erreichte auf allen Rechnern Leseraten von mindestens 220 MByte pro Sekunde und schrieb Daten mit rund 60 MByte pro Sekunde. Vor allem durch die kurzen Latenzen verlagert die SSD den Flaschenhals bei den Anwendungstests vom Massenspeicher zur CPU.

Als Netzteil diente ein 850-Watt-Modell von BeQuiet (Dark Power Pro), die Grafik stellte die Radeon HD 4870 X2 mit zwei R700-GPUs samt Catalyst-Treiber 8.10. Alle Tests fanden unter Windows Vista Ultimate SP1 in der 32-Bit-Version mit aktuellen Chipsatztreibern statt.

Im Sinne der Vergleichbarkeit blieb der Grafiktreiber unverändert, obwohl inzwischen Catalyst 8.12 erschienen ist – allerdings ist mit Crysis hier nur ein grafisches forderndes Spiel vertreten. Das gilt auch für iTunes, das hier in Version 8.0.1 verwendet wird, obwohl die Ausgabe 8.0.2 bereits erschienen ist. Kurze Vergleichsmessungen auf einem anderen System ergaben beim MP3-Encoding mit der Apple-Software jedoch keine Änderungen in der Geschwindigkeit der Versionen.

Synthetische Benchmarks

Cinebench R10 von Maxon basiert auf der Rendering-Anwendung Cinema4D und lastet laut Angaben des Herstellers bis zu 16 Kerne voll aus. Bei den acht virtuellen Kernen des Core i7 war das auch gut zu beobachten, sie liefen stets zu 100 Prozent.

Demzufolge sind die acht virtuellen HyperThreading-Kerne des Core i7 auch für den Phenom II kaum einzuholen. Gegen seinen Vorgänger steigert sich die AMD-CPU aber um knapp 18 Prozent und damit mehr, als der reinen Takterhöhung entspricht. Der große L3-Cache wirkt sich bei diesem speicherintensiven Programm offenbar stark aus.

Das in der ersten Version bereits 1995 veröffentlichte Programm SuperPi (hier in der Ausgabe 1.5XS, die auch unter Vista läuft) ist bei Übertaktern und Rekordjägern immer noch sehr beliebt. Es berechnet die Kreiszahl Pi auf Millionen von Nachkommastellen und gibt sehr exakte Werte aus, kleine Werte sind hier besser.

Da SuperPi kaum in Threads aufgeteilt ist, zeigt sich hier gut die Effizienz der Rechenwerke. Der Phenom II ist bei der Suche nach der Kreiszahl über 26 Prozent schneller, wenn auch deutlich langsamer als alle Intel-CPUs.

Auch im dritten synthetischen Test kann der neue AMD-Prozessor noch nicht zeigen, was in ihm steckt, denn wie auch Cinebench R10 ist 3DMark Vantage voll auf möglichst viele Kerne optimiert, so dass die Core i7 hier dominieren. Der Phenom II legt jedoch im Vergleich mit dem Phenom um 22 Prozent zu.

PC Mark Vantage

Der Test von Futuremark basiert nicht auf echten Anwendungen, nutzt aber zahlreiche Funktionen von Windows Vista aus. In der "Overall"-Suite bildet er von Medienverarbeitung über Webbrowsing bis zu Office-Programmen nahezu alle Alltagsaufgaben aus. Zudem ist er fein in Threads aufgeteilt.

Bei diesem praxisnahen Benchmark wird deutlich sichtbar, was der große L3-Cache und der gesteigerte Takt des Phenom II bringen: Die neue AMD-CPU schlägt den mehr als dreimal so teuren QX9770 und auch den Core i7 920.

Das zeigt sich noch deutlicher bei der Suite "Productivity" des PC Mark. Der Phenom II ist den mit nominal 200 MHz mehr getakteten QX9770 und Core i7 965 dicht auf den Fersen und lässt den Core i7 920 hinter sich.

Ein ähnliches Bild ergibt die mit Konvertierungen und dem Mischen von Musikstücken beschäftigte Suite "Music" des Tests. Mit dem Core i7 965 kann es der Phenom II 940 hier nicht aufnehmen, aber selbst der QX9770 ist nur wenig schneller.

Medienbearbeitung

Mit der Version 8.0.1 von iTunes konvertieren wir eine 700 MByte große WAV-Datei in ein MP3 mit variabler Bitrate von höchstens 256 Kilobit pro Sekunde bei maximaler Qualitätseinstellung. Dies entspricht der Zeit, die für eine randvolle CD nötig wäre, so deren Dateien sich schon auf der Festplatte befinden.

Der langsamer getaktete Core i7 920 schlägt dank seines Turbo-Modus den Phenom II nur knapp, und Core i7 965 und Core 2 QX9770 liegen hier dicht beieinander, die Unterschiede zeigten sich bei mehreren Messungen. Das liegt an der schlechten Aufteilung in Threads des MP3-Encoders von iTunes: Nur zwei Kerne lastet die Routine voll aus. Die Nehalems können hier ihr HyperThreading nicht ausspielen und im Endeffekt zählt hier vor allem die Taktfrequenz.

Nahezu perfekt lastet alle verfügbaren Kerne der Windows Movie Maker aus. Eine 41 Minuten lange Datei aus einer HD-Kamera im Format AVCHD (1.440 x 1.080 Pixel) ist mit dem 965 in weniger als Echtzeit in eine WMV-Datei mit 720p verpackt. Dieses Format schlägt das Programm für eine Xbox 360 zur Wiedergabe vor. Der effiziente Phenom II wandelt das Video dank Taktvorteil etwas schneller als der Core i7 920 um und erreicht auch den QX9770 fast. Einen wirklich spürbaren Vorteil bringt nur der Core i7 965, abgeschlagen ist der Phenom 9950: Der Phenom II ist 19 Prozent eher fertig.

Weniger gut in Threads aufgeteilt ist Nikon Capture NX, das unter anderem zur Konvertierung von RAW-Fotos dient. Das Programm muss in unserem Test 257 Bilder von 1,36 GByte in LZW-komprimierte TIFF-Dateien wandeln. Hier kann der Phenom II unter den Intel-CPUs nur den Core i7 920 schlagen, liegt aber mit dem QX9770 dichtauf.

Dateikomprimierung und Spiele

Die gleichen RAW-Dateien wie beim Konvertierungstest muss WinRAR 3.8 mit normaler Kompressionsstufe in ein RAR-Archiv verpacken. Zwar lastet trotz schneller Daten von der SSD das Programm die acht HT-Kerne des Core i7 nur zu rund 60 Prozent aus, er nutzt aber zumindest alle Kerne.

Das führt dazu, dass sich wie bei anderen Aufgaben aus kleinen Schleifen zeigt, dass der Phenom II solche Alltagsanwendungen gut bewältigt. Er packt die Dateien ein wenig schneller als der QX9770 ein, gegen das HyperThreading der Core-i7-CPUs verliert er jedoch.

Im Level "Lost Paradise" macht das Spiel Crysis ausführlich Gebrauch von Physik-Effekten für recht realitätsnahe Darstellung von Nebel, Rauch und Schneetreiben. Laut Crytek skaliert das Spiel gut mit Mehrkern-CPUs, auch wenn es sie nicht immer voll auslastet.

Um den Einfluss der ohnehin schnellen Grafikkarte zu minimieren, testen wir bei 1.280 x 1.024 Pixeln Auflösung in der Einstellung "High", die schon die meisten Effekte darstellt. Das auf Intel-CPUs schon immer vergleichsweise schnelle Spiel lässt auch dem Phenom II hier keine Chance, sogar der deutlich langsamer getaktete Core i7 920 zieht davon.

Diese überraschenden Ergebnisse ließen sich mehrfach wiederholen, auf einem zweiten Monitor zeigte sich bei nicht bewerteten Versuchen mit dem Taskmonitor, dass Vista ständig die Tasks neu verteilt und die Nehalem-CPUs häufig den Turbo-Modus nutzen konnten. Gepaart mit HyperThreading verschaffen sie sich so den Vorteil. Dieser Effekt kommt jedoch nicht bei allen Szenen von Crysis zum Tragen, nur das Eis-Level ist durch die Physik-Engine derart CPU-lastig.

Leistungsaufnahme und Übertakten

Um Strom zu sparen, hat AMD seinen K10-CPUs mit 45-Nanometer-Kernen – also nicht nur dem Phenom II, sondern auch dem Opteron – eine Funktion namens "Smart Fetch" spendiert. Jeder der vier Kerne kann sich selbstständig nahezu vollkommen abschalten. Um die Datenintegrität zu erhalten, werden die Inhalte des L1- und L2-Caches in den L3-Cache geschrieben. Dort können auch andere Kerne auf die Daten des abgeschalteten Kerns zugreifen, ohne den Schläfer zu wecken.

Zusammen mit anderen Mechanismen ergibt sich so ein sehr effizientes Energie-Management des Phenom II. Die für AMD neue Strukturbreite hat der Chiphersteller zudem nicht für extreme Taktfrequenzen, sondern für eine Leistungsaufnahme in noch halbwegs vernünftigem Rahmen genutzt. Statt 140 Watt TDP (thermal design power) für den Phenom 9950 bei 2,6 GHz benötigt der Phenom II 940 nur noch 125 Watt TDP für 3,0 GHz. Intel gibt für seine Core-i7-Serie bei allen Modellen 130 Watt TDP an, ebenso für den QX9770.

In der Praxis schwankt die Leistungsaufnahme bei allen modernen CPUs stark. Zwischen Idle-Modus und voller Rechenleistung können fast 100 Watt liegen, zudem hat jede einzelne CPU eine andere "Load Line", welche die für einen bestimmten Takt nötige Spannung beschreibt.

Die beiden Core i7 wollten sich auch im Energiesparmodus von Windows Vista, der über die Systemsteuerung einstellbar ist, nicht unter 1,6 GHz takten. Anders der Phenom II: Er senkt seinen Takt auf 800 MHz, so dass er ohne Last der sparsamste Quad-Core mit 3 GHz ist, den wir bisher vermessen konnten.

Für die Tests der Leistungsaufnahme haben wir die 4870-X2-Karte durch eine Radeon HD 4670 ersetzt, die für den Vista-Desktop laut AMD nur 11 Watt benötigt. Auf die Messergebnisse des Render-Tests von Cinebench R10, den wir für die Volllastmessung verwendet haben, hat diese Karte keinen Einfluss.

Dass für hohe Rechenleistung aber auch AMD viel Strom in Wärme umwandelt, zeigt die Messung unter Volllast mit Cinebench: Der Phenom II ist fast gleich energiehungrig wie der 200 MHz höher getaktete QX9770, aber 30 Watt sparsamer als der bisherige Phenom. Damit erscheint die neue TDP-Angabe von 125 statt 140 Watt recht realistisch. Nochmals 40 Watt mehr als der Phenom II braucht für seine höhere Rechenleistung der Core i7 965.

Wer keinen Wert aufs Energiesparen legt, wird den als "Black Edition" mit frei einstellbarem Multiplikator fürs Übertakten ausgelegten Phenom II 940 wohl auch außerhalb seiner Spezifikationen betreiben wollen. Das ist mit dem Tool "Overdrive 3.0" recht bequem unter Windows möglich.

Da jedes einzelne Exemplar eines modernen Prozessors fest eingebrannte elektrische Parameter wie die "Load Line" besitzt, welche die für einen bestimmten Takt nötige Spannung beschreibt, sind allgemeingültige Ratschläge fürs Übertakten nur noch schwer möglich. Unser Exemplar des Phenom II 940 ließ sich jedenfalls mit einem Multiplikator von 18 bei einer Spannung von 1,3875 Volt bei 3,6 GHz betreiben. Bei einem Durchlauf von Cinebench kam der Rechner so auf 10.985 Punkte, verheizte aber auch 191 Watt. Als Luftkühler diente dabei wie für den Rest des Tests ein Modell von Akasa mit vier Kupfer-Heatpipes.

Fazit

Selten zuvor lagen AMDs nicht immer ganz transparente Modellnummern so nahe an der Wirklichkeit wie beim Phenom II 940. Wenn man das Marketing ausblendet und eine Stufe tiefer ansetzt, macht ein Phenom II 940 dem Core i7 920 in den meisten Anwendungstests das Leben schwer. Bei den synthetischen Benchmarks, die sehr auf Intels Befehlssätze optimiert sind, fällt AMDs Neuer jedoch deutlich zurück. Wie viel Strom sich im Ruhezustand eines 45-Nanometer-Prozessors sparen lässt, zeigt der Phenom II eindrucksvoll.

Doch viel bedrohlicher für Intel ist nicht der Angriff auf die neue Nehalem-Architektur des Core i7, sondern auf die Mittelklasse der Quad-Core-CPUs unterhalb von 3 GHz. Hier wird bei den Vierkernern das Geld verdient, die Boliden der "Extreme"-Serie sind nur Aushängeschilder und Luxusspielzeug für Technikfans.

Da die Mehrzahl der Prozessoren nicht einzeln, sondern in Komplett-PCs verkauft wird, liegt es nun vor allem an den PC-Herstellern und Mainboardbauern, dem Phenom II auch zum Erfolg zu verhelfen. Mit der neuen Plattform "Dragon" aus Phenom II, 700er-Chipsatz und einer Grafikkarte der Serie Radeon HD 4000 hat AMD – ganz anders als beim ersten Versuch "Spider" – ein attraktives Paket geschnürt. Durch billigen DDR2-Speicher und günstige Mainboards sind so für alle Anwendungen gerüstete Quad-Core-PCs mit 2,8 oder 3,0 GHz möglich, die deutlich unter 800 Euro kosten können.

Die vielzitierte Performance-Krone bleibt jedoch klar bei Intel. Mit dem Phenom II hat der Marktführer aber seit der Vorstellung der Core-Prozessoren Mitte 2006 endlich wieder echte Konkurrenz bei den Desktopprozessoren. Ob Intel sich dadurch angesichts eines Einbruchs der Prozessornachfrage schnell zu massiven Preissenkungen hinreißen lässt, ist inzwischen fraglich. Spätestens die Phenom-II-CPUs für den Sockel AM3 samt neuer Mainboards dürften hier die Entscheidung bringen.


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