Konsolenchip-Entwicklung: Sony von Microsoft ausgetrickst?

Ende 2002 habe sich dann allerdings ein weiteres Unternehmen an IBM gewandt, das einen Prozessor für eine Konsole brauchte: Microsoft. Folge sei gewesen, dass IBM-Angestellte der Firma im Jahr 2003 unter anderem Spezifikationen des eigentlich unter Beteiligung von Sony entwickelten Kerns des Cell-Prozessors präsentierten. Laut den Autoren sei zwischen IBM, Toshiba und Sony zwar vereinbart gewesen, dass IBM die teuer erforschten Technologien auch an andere Unternehmen verkaufen dürfe – aber dass es ausgerechnet der Sony-Konkurrent Microsoft werden würde, sei Sony damals nicht bekannt gewesen.
Angeblich sei es damals so gewesen, dass IBM-Entwickler ihre Arbeit für den Xbox-360-Chip regelrecht vor Sony- und Toshiba-Ingenieuren verstecken mussten, die direkt neben ihnen in Büro arbeiteten. David Shippy schreibt, er habe sich "beschmutzt" gefühlt von seinen Treffen mit Microsoft-Entwicklern, als er mit ihnen bei Meetings die Architektur von Xenon – so der finale Name des Xbox-360-Prozessors – diskutierte und dabei auf Know-how zurückgreifen musste, das beim Design des PS3-Chips entstand.
Anschließend sei es sogar noch schlechter für Sony gelaufen. Beide Prozessoren seien etwa gleichzeitig fertig geworden. Bei der Massenherstellung sei es jedoch zu Problemen gekommen – aber nur Microsoft habe sich im Vorfeld alternative Produktionsressourcen gesichert. Dadurch, und durch weitere Verzögerungen bei Sony, sei die Xbox 360 Ende 2005 auf den Markt gekommen, die Playstation 3 erst ein Jahr später – ein Vorsprung, den Sony bislang nicht aufholen konnte. Fünf Monate später, im April 2007, hatte Playstation-Chefentwickler Ken Kutaragi seine Posten bei Sony Computer Entertainment niedergelegt .



