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Spieletest: Rise Of The Argonauts - Herkules stottert

Viel Mythologie, wenig technischer Feinschliff in neuem Codemasters-Titel. Statt seine Hochzeit mit der geliebten Alkmene zu feiern, muss König Jason mit ansehen, wie ein Meuchelmöder die Party sprengt. Zwar verfehlt die Attacke den König, doch dafür wird seine Geliebte tödlich getroffen. Auf den Spieler wartet viel Arbeit in Codemasters neuem Actionrollenspiel Rise Of The Argonauts.
/ Thorsten Wiesner
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Die Flitterwochen fallen ins Wasser, nachdem ein Mörder die Hochzeit von König Jason mit seiner geliebten Alkmene stört und die frisch gebackene Frau Gemahlin stirbt. Natürlich lässt Jason das nicht auf sich sitzen und schwört Rache – dem Spieler obliegt es fortan, den Attentäter und seine Hintermänner zu strafen und zugleich einen Weg zu finden, Alkmene zurück ins Leben zu holen. Schließlich gibt es ja das sagenumwobene Goldene Vlies auf der Insel Kolchis, das für derartige Zwecke hilfreich sein soll. Ein Schiff ist schnell organisiert, und auch freiwillige Mitstreiter gibt es mehr als genug – nach und nach wächst die Gruppe rund um Jason beachtlich.

Die Entwickler von Rise Of The Argonauts bedienen sich zwar der griechischen Mythologie nach Homer, allerdings nehmen sie es mit den Details nicht so genau – Personen und Schauplätze sind größtenteils überliefert, aber nicht in der dargereichten Zusammenstellung. Wer kein Spiel getreu der antiken Vorlage erwartet, wird aber viele interessante Charaktere entdecken: Herkules, Achilles und Pan sind nur ein paar der prominenten Griechen, die sich mit ins Gefecht stürzen. Jason wird immer von zwei auswählbaren Helden begleitet, um die sich der Spieler nicht sorgen muss – sie handeln weitgehend autonom.

Das eigentliche Spielprinzip bietet kaum Überraschungen. Jason besucht Städte, führt Gespräche mit den Bewohnern und löst Quests. Die bewegen sich oft auf dem Niveau "Besorg eine Karte in X und bring sie nach Y", was schon bald die Motivation drückt. Die Entwickler muten dem Spieler zu, mehrfach dieselben Laufwege zurückzulegen. Immerhin gewinnt Jason durch erfolgreiche Aufträge Fähigkeiten hinzu. Je nachdem welchem Schutzgott er gerade huldigt, kann er im späteren Spielverlauf schneller laufen oder mit Blitzen um sich werfen.

Regelmäßig stehen Kämpfe auf der Tagesordnung. Je länger das Spiel dauert, desto ausufernder wird das Gemetzel. Dabei fließt Blut in rauen Mengen, die USK hat nicht zufällig die Einstufung "Keine Jugendfreigabe" erteilt. Wirklich Spaß machen die Gefechte allerdings nicht: Zwar gibt es mehrere Attacken und Kombos, aber kaum Tiefgang. Stattdessen setzt schnell Monotonie ein, zumal meist auch planloses Knöpfchendrücken zum Sieg führt.

Rise Of The Argonauts hätte trotz der Schwächen im Action- und Rollenspielteil ein gutes Spiel werden können. Gerade in den späteren Spielstunden warten einige schöne Schauplätze und interessante Storysequenzen. Genießen lassen sich diese aber nur bedingt, da Codemasters leider auf technischer Seite Unterdurchschnittliches bietet. Der Titel sollte offensichtlich unbedingt noch vor Weihnachten in die Läden kommen – ungeachtet der Tatsache, dass das Spiel einfach noch nicht fertig ist. Die Grafik kämpft mit Darstellungsfehlern, teils matschigen Texturen und Rucklern; auffällig ist, dass die Qualität der Optik von Schauplatz zu Schauplatz extrem schwankt. Auch die deutsche Synchronisation ist misslungen; derart unmotiviert und mit gelegentlichen Aussetzern haben antike Helden wohl selten gesprochen. Da hilft nur, die Systemsprache der Konsole auf Englisch einzustellen und die deutlich besser erträgliche Originaltonspur anzuhören.

Rise Of The Argonauts ist für Xbox 360 und Playstation 3 für rund 60 Euro erhältlich. Die PC-Fassung kostet 50 Euro und setzt eine CPU mit mindestens 3 GHz, 1,5 GByte Speicher sowohl unter Windows XP als auch unter Vista sowie 12 GByte freien Festplattenspeicher voraus. Die Grafikkarte muss DirectX 9 beherrschen.

Fazit:
Als Rise Of The Argonauts der Fachpresse erstmals vorgestellt wurde, wirkte es wie ein vielversprechender Mix aus Action und Rollenspiel, garniert mit bombastischer Mythologie. Das Endergebnis zeigt diese guten Ansätze zwar zum Teil, macht durch unfertige Technik und einen einfach nicht rund und durchdacht wirkenden Kampf- und Questmix trotzdem nur eingeschränkt Spaß. Da wäre weitaus mehr möglich gewesen als dieses halbgare Gemetzel!


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