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Nokia und Google setzen die mobilen Trends 2009

Android kommt, Nokia befreit Symbian, Apple sperrt aus. 2008 war das Jahr des iPhone 3G , mit dem das Handy zur mobilen Surfstation wurde. Google tritt dagegen mit seiner offenen Plattform Android an, Platzhirsch Nokia versucht es ebenfalls mit Open Source und überführt Symbian in eine Stiftung. Bereits Anfang 2009 will Palm seine neue Smartphone-Plattform vorstellen.
/ Ingo Pakalski
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Das Google-Handy...

Open Source erobert die Handywelt: 2008 veröffentlichte Google sein auf Linux basierendes Smartphone-Betriebssystem Android in der Version 1.0 , Nokia hat Symbian komplett übernommen, um aus dem Unternehmen eine Stiftung zu machen und das Betriebssystem als Open Source weiterzuentwickeln. Vergleichbare Projekte waren bislang in einem frühen Stadium eingeschlafen, das hat sich mit Android erstmals geändert.

Mit dem G1 hat T-Mobile zusammen mit HTC ein erstes Mobiltelefon mit Android auf dem Markt – zumindest in den USA. In Deutschland kommt das Gerät erst im Frühjahr 2009 in den Handel, ebenfalls exklusiv bei T-Mobile. Ein erster Test des G1 zeigt deutlich, welches Ziel Google mit Android verfolgt: Das Unternehmen will eine mobile Plattform haben, über die Nutzer bequem auf die Dienste von Google zugreifen können. Vor allem die enge Verzahnung von Android mit Googles Diensten sticht deshalb hervor.

Bei der Vorstellung von Android waren auch neue Ansätze und Konzepte für Mobiltelefone erwartet worden, doch die blieben bislang aus. Das könnte sich mit neuen Android-Versionen sowie mit ausgefeilteren Geräten im kommenden Jahr ändern. Denn das Open-Source-Betriebssystem Android kann von Herstellern beliebig angepasst und erweitert werden. Hersteller können also eigene Vorstellungen damit umsetzen und sind weniger an das gebunden, was der Betriebssystemanbieter vorgibt. Eine gute Voraussetzung für Mobiltelefone, die neue Wege beschreiten und dem Markt deutliche Impulse geben.

Sony Ericsson will ein Mobiltelefon mit Android entwickeln und auch von Samsung und Asus sind laut aktuellen Gerüchten entsprechende Geräte zu erwarten. T-Mobile plant außerdem eine Variante des G1, die unter der Bezeichnung G2 firmiert und ohne echte Tastatur auskommt. Von HTC sind weitere Android-Mobiltelefone zu erwarten.

...und die Antworten darauf

Als Reaktion auf Googles Android entschied Nokia, die Smartphone-Plattform Symbian in eine Stiftung zu überführen und das gesamte Betriebssystem in einem letzten Schritt als Open Source zur Verfügung zu stellen. Zunächst sollen jedoch nur einzelne Komponenten als Open Source veröffentlicht werden. Die weitere Entwicklung rund um die Symbian-Stiftung bleibt im kommenden Jahr spannend. Mittlerweile beteiligen sich immer mehr Hersteller an der Stiftung. Womöglich werden bereits im kommenden Jahr erste Mobiltelefone mit einem Open-Source-Symbian zu sehen sein.

Microsoft hingegen ignoriert den Trend in Richtung Open Source mit seinem Smartphone-Betriebssystem Windows Mobile. Der Konzern setzt trotz der Konkurrenz durch Android und die Symbian-Stiftung weiterhin darauf, dass Gerätehersteller Lizenzgebühren bezahlen, um Mobiltelefone mit Windows Mobile entwickeln und verkaufen zu dürfen. Damit ist Windows Mobile das letzte geschlossene Smartphone-Betriebssystem, das an andere Hersteller lizenziert wird. Bringt das kommende Jahr auch bei Microsoft einen Richtungswechsel?

Bisher ist nicht bekannt, dass es im kommenden Jahr größere Änderungen an Windows Mobile geben wird. Daher wird es Microsofts System immer schwerer haben, sich mit der nicht mehr zeitgemäßen Bedienung gegen die Konkurrenz zu behaupten. Einer der wichtigsten Hersteller von Windows-Mobile-Smartphones war auch im vergangenen Jahr HTC, die aber nun auch auf Android setzen. Das könnte für Microsoft eine harte Bewährungsprobe werden, falls HTC im kommenden Jahr weniger aktiv damit ist, neue Windows-Mobile-Smartphones zu entwickeln.

HTC hatte mit seinem TouchFlo-Konzept im Touch Pro und auch im Touch HD bereits versucht, das angestaubte Windows Mobile optisch aufzupolieren und es leichter bedienbar zu machen. Auch Sony Ericsson ging mit dem Xperia X1 in diese Richtung und setzt auf eine Panel-Bedienung. Beide Ansätze haben aber mit der Basisbedienung von Windows Mobile zu kämpfen, die nicht auf Fingerbedienung ausgerichtet ist.

Mobile Datennutzung mit dem iPhone

Lange vor und erst recht nach dem Marktstart hat Apples iPhone 3G den Mobiltelefonmarkt im zurückliegenden Jahr maßgeblich beeinflusst. Die Kernfunktionen des Geräts haben sich seit dem iPhone der ersten Generation zwar nicht verändert, aber mit dem iPhone 3G gab es einen deutlichen Preisrutsch. Nun konnten sich mehr Menschen das iPhone 3G leisten, obwohl Apples Mobiltelefon im Vergleich zu anderen Handys weiterhin teuer ist. Doch das Kulthandy ist dank Preisrutsch nun immer öfter in Bahnen und Bussen des öffentlichen Nahverkehrs zu sehen.

Seit es das iPhone 3G gibt, sind Firmwareupgrades erschienen, um Fehler zu korrigieren, aber auch, um von Nutzern gewünschte Funktionen nachzurüsten – besonders dringend war vielen eine Abschaltoption für die Autokorrektur . Eine systemweite Zwischenablage für das iPhone 3G fehlt allerdings weiterhin. Vielleicht reicht Apple die im kommenden Jahr per Firmwareupgrade nach? Hinweise darauf, dass Apple im nächsten Jahr ein neues iPhone-Modell auf den Markt bringen wird, gibt es jedenfalls derzeit keine.

Mit dem iPhone 3G hat die mobile Datennutzung erheblich zugenommen. Zwei Faktoren haben diese Entwicklung begünstigt: Einerseits ist der Browser auf dem iPhone so bequem und leicht zu bedienen wie kein anderer Handybrowser. Andererseits führt die Zwangskopplung von Datentarifen beim iPhone-Kauf dazu, dass das mobile Internet auch genutzt wird. In den meisten T-Mobile-Tarifen für das iPhone 3G ist eine Datenflatrate enthalten, die ab einem Volumen von 5 GByte in der Bandbreite gedrosselt wird.

Zudem hat sich bei den mobilen Datentarifen im vergangenen Jahr viel getan: Sie sind im Preis deutlich gefallen und zunehmend setzen sich mobile Datenflatrates durch. Diese Datenflatrates sind im Volumen nicht begrenzt, aber sobald ein bestimmtes Kontingent überschritten wird, reduziert der Anbieter die Bandbreite für den Rest des Monats. Dadurch entstehen dem Kunden keine zusätzlichen Kosten, er kann in jedem Fall den ganzen Monat das mobile Internet verwenden. Bild und RTL bieten außerdem Prepaid-Tarife an, bei denen das entsprechende Portal der Medienunternehmen gratis genutzt werden kann. Das Abrufen von Webseiten jenseits der Portale ist dann kostenpflichtig.

Der App Store und seine Ableger

Zeitgleich mit dem iPhone 3G hat Apple einen zentralen Softwareshop eröffnet, den App Store . Er eignet sich für das iPhone 3G sowie für das iPhone und den iPod touch mit installierter Firmware 2. Dieser App Store ist für Softwareanbieter die einzige Möglichkeit, Applikationen für die beiden Geräte anzubieten. Andere Distributionswege sieht Apple nicht vor. Kunden finden iPhone-Applikationen so über ein einziges Portal. Die Programmanbieter sind aber davon abhängig, ob Apple eine Software freigibt. Denn es ist immer wieder vorgekommen, dass bestimmte Applikationen Apples Segen nicht bekamen – meist ohne Erklärung.

Trotz aller Kritik ist das App-Store-Konzept erfolgreich. Softwareanbieter profitieren von der zentralen Anlaufstelle und können ihre Produkte effizient an den Kunden bringen. Das spült auch Geld in die Kassen von Apple, denn 30 Prozent aller Umsätze verbleiben bei Apple. Mit der Zunahme an Applikationen wird der App Store allerdings immer unübersichtlicher und es ist nicht ganz einfach, sich über neue Software zu informieren. Bleibt zu hoffen, dass Apple den App Store im nächsten Jahr verbessert.

Der zentrale Onlineshop für Mobiltelefon-Applikationen hat auch andere Hersteller begeistert: Mit Android Market bietet Google etwas Vergleichbares für Android-Smartphones. Im März 2009 will auch der Blackberry-Hersteller RIM (Research In Motion) ein Application Center eröffnen. Im Unterschied zu Apple behält RIM aber nur 20 Prozent an den Umsätzen und arbeitet mit PayPal zusammen. SkyMarket heißt das App-Store-Pendant für Windows-Mobile-Geräte, an dem Microsoft arbeitet.

Der Mulitouch-Touchscreen

Obwohl das iPhone bei weitem nicht das erste Mobiltelefon mit Touchscreen war, hat es das Interesse für diese Eingabetechnik deutlich gesteigert, vor allem durch die Multitouch-Technik. Mobiltelefone mit Windows Mobile oder die Treo-Modelle von Palm arbeiten seit jeher mit Touchscreens, allerdings waren die Bildschirme nicht multitouchfähig. Zudem wurden Touchscreens vornehmlich mit einem Stylus bedient, mit dem iPhone rückte der Finger als zentrales Steuergerät in den Mittelpunkt.

Multitouch-Displays blieben jedoch auch 2008 die Ausnahme. RIMs Blackberry Storm besitzt ein solches, das zudem klickbar ist. Damit soll das Fehlen einer echten Tastatur besser ausgeglichen werden. Aufgrund der Touchscreensteuerung wurde das Blackberry-Betriebssystem überarbeitet, das nicht sonderlich intuitive Bedienkonzept blieb dabei allerdings erhalten.

Während ein Teil des Mobiltelefonmarktes auf offene Lösungen setzt, bleibt auch RIM bei seinem geschlossenen System, das sich nur in den Blackberry-Mobiltelefonen wiederfindet. Im kommenden Jahr sind weitere neue Blackberry-Modelle zu erwarten. Spannend wird dabei sein, wie viele der künftigen Blackberry-Geräte mit einem Touchscreen ausgerüstet sein werden und ob es bald ein erstes Touchscreen-Gerät mit echter QWERTZ-Tastatur geben wird.

Auch bei Nokia drehte sich viel um den Touchscreen. Bereits vor zwei Jahren hatte der Marktführer im Handymarkt bekanntgegeben, dass Symbian S60 eine Touchscreenunterstützung erhalten wird. Erst im Oktober 2008 stellte Nokia das erste S60-Smartphone mit Touchscreen vor, das 5800 XpressMusic . Mit Spannung wurde die neue Touchscreenoberfläche erwartet, sie brachte dem Handymarkt jedoch keinen neuen Anstoß.

Im ersten Halbjahr 2009 kommt dann Nokias HSDPA-Smartphone N97 , das eigentlich alles bietet, was der Handyfan heutzutage von einem Topprodukt erwartet. Neben einem Touchscreen besitzt es eine aufklappbare QWERTZ-Tastatur, einen GPS-Empfänger, 32 GByte Speicher und WLAN-Unterstützung. Mit weiteren Touchscreen-Mobiltelefonen von Nokia ist im kommenden Jahr zu rechnen.

Jahr der Entscheidung für Palm und Motorola

Für Motorola hingegen sieht es gar nicht gut aus. Der Hersteller leidet unter einer stark veralteten Modellpalette und hat sich viel zu lange auf dem Erfolg des RAZR-Modells sowie dessen Varianten ausgeruht. Momentan ist nicht bekannt, dass Motorola 2009 bahnbrechende neue Mobiltelefone plant und vielleicht doch noch die Kurve kriegt.

Im vergangenen Jahr brachen die Absatzzahlen von Motorola massiv ein, was sich in einem drastisch verkleinerten Marktanteil auswirkte. Lange Jahre war Motorola im Handymarkt der ewige Zweite hinter Nokia, musste diesen Platz aber im Laufe des Jahres an Samsung abgeben.

Nach vielen Entlassungen in der Vergangenheit verordnet der Konzern seinen Mitarbeitern für 2009 eine Nullrunde beim Gehalt und die geplante Abspaltung der Handysparte muss verschoben werden. Im vergangenen Jahr war Motorola vornehmlich mit sich selbst beschäftigt, neue Produkte waren die Ausnahme.

Etwas optimistischer blickt Palm in die Zukunft. Das Unternehmen muss im kommenden Jahr eine Kehrtwende schaffen, wenn es nicht weiter an Marktbedeutung verlieren will. Dabei ruht alle Hoffnung auf dem PalmOS-Nachfolger Nova. Das neue Betriebssystem nutzt einen Linux-Kernel und soll kompatibel zu PalmOS-Anwendungen sein. Dabei setzt Palm voraussichtlich auf das gleiche Konzept wie Apple und RIM, also auf ein geschlossenes Betriebssystem, das nur vom Hersteller selbst in den eigenen Geräten verwendet wird. Parallel dazu will Palm neue Smartphones auf Basis von Windows Mobile entwickeln, die sich dann verstärkt an den Unternehmenskunden richten.

Zunächst will Palm Anfang 2009 erste Nova-Smartphones vorstellen, die dann wohl bis Juli 2009 in den Regalen stehen werden. Dabei werden vom PDA-Pionier bahnbrechende Neuerungen für das Mobiltelefon der Zukunft erwartet. Sollte es Palm gelingen, diese hohen Erwartungen zu erfüllen, könnte 2009 auch das Jahr der Nova-Smartphones werden.


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