Digitalkameras 2009: Profifunktionen für die Mittelklasse
Digitale Spiegelreflexkameras
Der Live-View-Modus bei digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) hat sich am Markt durchgesetzt. Dabei wird das Bild vom Sucher elektronisch auf das Display gelenkt. Allerdings bietet die Technik noch viel Potenzial. Vor allem die Geschwindigkeit des Autofokus im Live-View-Betrieb müssen alle Hersteller noch verbessern. Das könnte 2009 der Fall sein. Auch bei Videoaufnahmen werden Techniken zur Gesichtserkennung hinzukommen, um dem Autofokus und der Belichtungssteuerung zu assistieren.
Durch den Einsatz von Live-View- und Videotechnik kommt dem Display eine höhere Bedeutung zu als bisher. In einigen Kameras werden schon recht hochauflösende Exemplare mit 640 x 480 Pixeln verwendet. Die meisten Hersteller arbeiten aber noch immer mit 320 x 240 Pixeln Auflösung. In der kommenden Generation werden weitere Kameras mit besseren Displays auf den Markt kommen.
Was für Displays gilt, wird auch in anderen Bereichen der Fall sein. Ehemalige Profifunktionen werden langsam an die Mittelklasse weitergereicht. Dazu zählen auch Korrekturen, die Objektivfehler automatisch berücksichtigen und herausrechnen. Vor allem die Vignettierungskorrektur, also die Entfernung von Randabschattung, ist ein heißer Anwärter für das mittlere und untere Preissegment. Elektronische Wasserwaagen für die richtige Ausrichtung der Kamera und immer mehr wetterfeste Gehäuse im DSLR-Einsteigerbereich werden als Kaufargumente herhalten müssen.
Zwitterwesen
Bridgekameras, also Kompakte mit fest eingebautem Zoomobjektiv und elektronischen Suchern, konkurrieren mit Spiegelreflexkameras. Bridgekameras werden 2009 weniger wichtig sein. Zu groß sind die Vorteile der Spiegelreflextechnik: Echte Sucher sowie lichtstärkere und wechselbare Objektive laufen den Bridgekameras den Rang ab. Die gehobene Bildqualität von DSLRs tut ihr Übriges. Auch preislich sind Spiegelreflexkameras mittlerweile auf einem Niveau angekommen, auf dem sie mit Bridgekameras fast gleichziehen können. Für die Hersteller sind DSLRs auch aufgrund des Folgegeschäftes mit Objektiven lukrativer.
Ein glänzendes Zubehörgeschäft versprechen sich auch die Hersteller des nächsten Zwitterwesens, das zwischen DSLRs und Kompaktkameras zu finden ist. Die Lumix DMC-G1 war 2008 die erste Digitalkamera auf Basis des neuen Micro-Four-Thirds-Systems. Sie vereint die Vorteile von DSLR- und Kompaktkameratechnik und arbeitet mit Wechselobjektiven. Davon sind derzeit zwar nur zwei erhältlich, doch lange dürfte es nicht dauern, bis der Objektivmarkt ausgebaut wird. Olympus als Mitentwickler des Four-Thirds-Systems wird 2009 ebenfalls eine Kamera anbieten. Zahlreiche Objektive werden folgen.
Kompaktkameras
Mit der Gesichtserkennung, dem Lächeldetektor und der automatischen Erkennung und Entfernung roter Augen fing es an: Kompaktkameras sind randvoll mit Technik, um die Bildbearbeitung am PC überflüssig zu machen. Dieser Trend wird sich 2009 fortsetzen. Dank zunehmender Rechengeschwindigkeit der Kameraprozessoren werden stärkere Eingriffe ins Bild möglich, wie zum Beispiel die automatische Gesichtskorrektur – Falten, Pickeln und Mitessern wird elektronisch zu Leibe gerückt.
Doch selbst bei bester interner Bildbearbeitung müssen die Bilder irgendwann die Kamera verlassen. Sie werden bislang über ein Kabel oder durch Speicherkartentausch zum Rechner oder Drucker weitergeleitet. Zwar sind 2007 und 2008 einige Kameras mit integrierten WLAN-Modulen vorgestellt worden, aber UMTS zum schnellen Übertragen der Bilder ins Internet besitzt keine Kamera. Der Umweg über den Rechner ist dank zahlreicher UMTS-Sticks ein gangbarer Weg, doch komfortabel ist er nicht. Vielleicht wird 2009 eine Kamera vorgestellt, die ihre Bilder sozusagen nach Hause telefonieren kann.
Womöglich reicht aber selbst die Übertragungsgeschwindigkeit von UMTS und Co. den Herstellern nicht aus, um in vernünftiger Zeit Fotodateien in voller Größe zu übertragen. Und eines ist klar: Der wichtigste Trend 2009 wird sich um höhere Auflösungen drehen.
Vermutlich werden schon zur Messe Photo Marketing Association (PMA), die im März 2009 in Las Vegas stattfindet, Kompaktkameras mit über 15 Megapixeln angekündigt. Und selbst damit wird das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein.
Megapixelwahn
Technisch sind die hohen Auflösungen zu realisieren, doch die Bildqualität wird dadurch nicht besser. Vor allem beim Bildrauschen und bei der Schärfe sind keine Wunder zu erwarten, zumal die Kamerchips nicht größer werden, sondern nach wie vor in kleine und kleinste Gehäuse verbaut werden. Böse Absichten sollte man den Herstellern jedoch nicht unterstellen. Letztlich produzieren sie nur, was sich auch verkaufen lässt und was der Markt verlangt.
2009 wird ein spannendes Jahr für Foto-Enthusiasten. Viele Verbesserungen, die früher nur Spitzengeräten zugute kamen, werden das mittlere und untere Preissegment erreichen. Aufwendige Bearbeitungen am PC werden überflüssig, weil sie intern schon erfolgen.
Damit eröffnen sich auch Hobbyfotografen neue Möglichkeiten. Doch immer noch gilt die alte Fotografenweisheit: Eine teure Kamera allein macht noch keine guten Fotos.
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