Und Apple?

"Und Apple?" , "Verpassen die wieder einen Trend?" . Die Trollwiese von Golem.de, das Rehabilitationszentrum für missbrauchte Buchstaben, ist prall gefüllt mit solchen Fragen. Zeit, ihnen nachzugehen.
Die Firma Apple Computer, die Anfang 2007 das Wort Computer aus der Firmenbezeichnung strich ( Das Ende von Apple Computer ), hat 2008 in ihrer Computersparte folgerichtig wenig getan. Im Gegensatz zu anderen Computerfirmen fehlt es bei Apple aber an Auswahl, eigentlich kann sich das Unternehmen eine solche Pause nicht leisten. Vor allem der Mac mini wurde sträflich vernachlässigt.
Entertainment wurde dafür umso wichtiger. Als Apple mit großem Tamtam kleinere iPods ankündigte und die Mac-Gemeinde enttäuschte, stellte sich die Frage: 'Let's Rock: Zählt für Apple nur noch Musik?' .
Das MacBook Air
Zu Beginn des Jahres 2008 sorgte immerhin das MacBook Air für Diskussionen. Aber es fiel vor allem durch Kompromisse auf: kein Firewire, kein Ethernet, ein mickriger USB-Anschluss, an den nicht einmal direkt Mobilfunkmodems gesteckt werden können, und erneut ein besonderer Displayausgang. Ein optisches Laufwerk gibt es nicht, was für viel Spott sorgte - obwohl auch einige Windows-Rechner im Geschäftsumfeld seit einiger Zeit so gebaut sind.
Doch das MacBook Air wollten trotzdem viele haben: Es ist leicht, schick und so flach, dass der Anwender davon auch mehrere mitnehmen könnte. Diesen Trend haben zwar andere früher gesetzt, doch angesichts der Masse an Windows-Rechnern fiel das nicht besonders auf, vor allem weil diese Notebooks deutlich mehr als 2.000 Euro kosten. Erst mit Apples MacBook Air, das günstiger ist, ist ein solches Gerät auf dem Massenmarkt angekommen.
Die Nachahmer kamen prompt: Samsung mit dem "Lighter Than Air" X360 und Lenovo mit dem Thinkpad X300 und X301, die anders als das MacBook Air ein Laufwerk haben. Demnächst wird wohl auch Dell mit "Adamo" dem MacBook Air etwas entgegensetzen. Offiziell hat Dell das nicht bestätigt, es versucht sich im viralen Marketing: Die Fakten zu diesem Notebook tauchen nur scheibchenweise auf.
Die Zeit des App Stores
Nach dem Air wurde es um das Thema Computer still bei Apple: ein Update hier und , aber keine neuen Trends bei der Hardware. Apple setzte anderswo Maßstäbe: beim iPod touch und beim iPhone, das in der neuen Version auch mit UMTS-Basisstationen kommunizieren konnte.
Den UMTS-Trend hatte Apple mit dem ersten iPhone in der Tat verschlafen, holte 2008 aber schnell auf. Perfekt war das iPhone 3G damit trotzdem nicht, wie der Test zum 3G-Modell zeigte. Deutlich wichtiger war aber die neue Firmware 2.0 , die mit dem iPhone 3G kam und auch für das erste iPhone und den iPod touch zur Verfügung steht.
Der bedeutendste Teil dieser Firmware ist der App Store. Er ist ein Versuch, die Plattform iPod und iPhone für Anwendungen zu öffnen. Das ebnete den Weg für zahlreiche Programme von Fremdherstellern, die ihre Software über den App Store verteilen konnten. Sogar Microsoft entdeckte das iPhone für sich .
Beim App Store, also abseits der klassischen Computer, war Apple 2008 extrem erfolgreich. Macrumors etwa berichtet von deutlich gestiegenen Verkäufen im App Store(öffnet im neuen Fenster) . Beim iPhone ist sowohl die Entwicklergemeinde als auch die Softwareauswahl in nur einem halben Jahr beeindruckend groß geworden. Das sind Hinweise darauf, dass sich iPhone und iPod touch als eigenständige Plattform etablieren.
Und am Erfolgskonzept App Store arbeitet auch die Konkurrenz . Traditionelle Verkaufsplattformen wie der Fachhandel funktionieren bei Mobiltelefonen offenbar nicht.
Ein wichtiger Teil des App Store sind die Spiele. Sim City ist neben Super Monkey Ball eines der Highlights auf der noch jungen Plattform iPhone und iPod touch.
Sorgten der App Store und iPhone bei manchen für Begeisterung, so kritisierten andere, es gebe wieder einmal einen übertriebenen Hype um Apple. Auf den Punkt brachte es Matt Groening, der seine Simpsons richtig über Apple herziehen ließ . Das allerdings auf gewohnt witzige und intelligente Art.
Es gibt wieder Computerhardware
Auf den Computermarkt brachte Apple erst im Oktober 2008 wieder etwas Neues. Unibody hieß das Stichwort. Ein Meilenstein in der Notebookentwicklung, an dem Apple lange gearbeitet hat. Entsprechend stolz präsentierte Apple die Fertigung seiner neuen und sehr stabilen Notebooks.
Ein stabiles Gehäuse aus einem Stück Aluminium gefräst, neue spiegelnde Displays und ein auffälliger Umbau der Schnittstellen führten im Test zu einem ambivalenten Urteil . Auf jeden Fall spiegeln die neuen Apple-Notebooks deutlich stärker als die meisten Windows-Notebooks. Beim MacBook Pro wurden außerdem erstmals in einem Apple-Notebook zwei Grafikkerne verbaut, zwischen denen der Nutzer hin und her schalten kann. Sony hatte das mit seinem Vaio Z bereits vorgemacht.
Das kleinere MacBook sorgte für eine Kontroverse, weil ihm die Firewire-Schnittstelle fehlt. Mac-Fans beschwerten sich darüber in Foren ausgiebig. Denn wer sich eine Firewire-Festplatte gekauft hatte, konnte auf die neuen Geräte nicht umsteigen.
Ausblick
Ob Firewire damit am Ende ist und einen der größten Unterstützer verliert, wird die kommende Macworld zeigen, die im Januar 2009 in San Francisco stattfindet. Sie wird die letzte Macworld mit Apple sein und noch einmal spannend werden, obwohl Steve Jobs die Keynote Phil Schiller überlässt .
Halbwegs verlässlichen Hinweisen zufolge könnte es dort Ankündigungen von neuen Mac minis und iMacs mit Nvidias neuem MCP79-Chipsatz geben. Dieser Chipsatz findet sich bereits in den neuen MacBooks. Wann es einen Mac Pro mit Intels für Anfang 2009 erwarteten neuen Xeon-CPUs gibt, kann nur spekuliert werden. Wie an den langen Diskussionen in verschiedenen Foren zu sehen ist, warten viele Nutzer aber darauf.
Ein großes Thema dürfte auch das Betriebssystem Snow Leopard werden, die nächste Version von Apples MacOS X. Die Version ist vor allem für Entwickler sehr interessant. Endanwender profitieren indirekt von der neuen Betriebssystemversion.
Apple verschläft zwar den ein oder anderen Trend, schafft es aber trotz seiner geringen Größe immer wieder, einen neuen zu setzen, was den Mitbewerbern ordentlich Druck macht. Bei einer Firma, die sich so sehr in Geheimhaltung übt und häufig für Überraschungen gut ist, ist eine klare Tendenz für 2009 nur schwer abzusehen. Phil Schiller wird am Abend des 6. Januar 2009 in San Francisco vielleicht etwas mehr verraten.



