Britischer Minister will Schutzfristverlängerung für Musik

Einzelmeinung oder Politikwechsel?

Der britische Kulturminister Andy Burnham hat angekündigt, er wolle sich für eine Verlängerung der Schutzfrist für Musikaufnahmen einsetzen. Sie sollen künftig 70 Jahre lang geschützt werden, statt bisher 50 Jahre.

Artikel veröffentlicht am ,

Der britische Kulturminister hat am gestrigen Donnerstag für eine Überraschung gesorgt. Auf einer Konferenz, die von seinem Ministerium und dem Bildungsministerium veranstaltetet wurde, gab er bekannt, er trete für eine Verlängerung der Schutzfrist für Musikaufnahmen ein. Statt wie bisher 50 Jahre nach Erscheinen sollten die Aufnahmen künftig 20 Jahre länger geschützt werden. Bisher vertrat die britische Regierung die Auffassung, dass eine Schutzfristverlängerung nicht in Frage kommt.

Burnham erklärte nun laut BBC: "Es ist nur richtig, wenn jemand, der etwas geschaffen hat oder einen Beitrag zu etwas wirklich Wertvollem geleistet hat, sein ganzes Leben lang davon profitiert."

Ob die Ankündigung des britischen Kulturministers mit dem Rest der Regierung abgestimmt war, ist nicht bekannt.

Burnhams Einsatz für die Schutzfristverlängerung wurde vom Verband der britischen Phonoindustrie (BPI) sogleich begrüßt. Der Verbandsvorsitzende Geoff Taylor wird dazu in der MusicWeek mit den Worten zitiert: "Das Urheberrecht ist die Lebensader unserer Kreativwirtschaft und wir sind erfreut, dass die Regierung das mit ihrer Unterstützung für eine Schutzfristverlängerung anerkennt. Das Urheberrecht stimuliert Investitionen in Musiktalente und fördert die Innovation. Tausende von Musikern, hunderte Musikunternehmen und alle britischen Musikfans werden von einer faireren Schutzfrist profitieren."

Auch Vertreter des Musikerverbandes UK Music zeigten sich vom Vorstoß des Kulturministers hoch erfreut. Der Verbandsvorsitzende Feargal Sharkey sagte: "Nie waren die Kreativindustrien wichtiger für das Prosperieren des Landes als in dieser Zeit des Wandels. Die heutige Ankündigung hinsichtlich der Schutzfristverlängerung sendet ein klares Signal, dass die Regierung... dazu beitragen will, die führende Stellung der britischen Musik in der Welt zu sichern."

UK Music hatte zusammen mit dem BPI in den vergangenen Jahren massiv Lobbyismus betrieben, um eine Schutzfristverlängerung zu erreichen. Zuletzt hatten insgesamt 38.000 Musiker in einer Videobotschaft, die an Premierminister Gordon Brown gerichtet war, um Unterstützung geworben. Die Musiker können dabei auf den Rückhalt von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy bauen. McCreevy hatte im Sommer einen Richtlinienentwurf vorgelegt, der eine Verlängerung der Schutzfrist auf 95 Jahre vorsieht.

Bisher war die britische Regierung strikt gegen eine Schutzfristverlängerung. Der von ihr in Auftrag gegebene sogenannte Gowers-Report hatte eine Verlängerung der Schutzfrist als volkswirtschaftlich unsinnig eingestuft. Die britische Regierung hatte sich diese Position zu eigen gemacht und wurde darin von Rechtswissenschaftlern und Ökonomen aus ganz Europa unterstützt. Diese haben in empirischen Untersuchungen herausgefunden, dass der durchschnittliche Musiker von einer Schutzfristverlängerung praktisch nicht profitieren würde.

Stattdessen würde der überwiegende Teil der Mehreinnahmen an Plattenfirmen und wenige Stars und deren Erben fließen. Musikstars im Rentenalter wie Cliff Richard und Paul McCartney, die beide viele Millionen mit Plattenaufnahmen verdient haben, gehören denn auch zu den stärksten Befürwortern der Schutzfristverlängerung. [von Robert A. Gehring]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Captain 23. Dez 2008

Danach hat der niedliche GEZ Fuzzy halt ein paar A...löcher mehr...

spanther 23. Dez 2008

Ach übrigens das ich noch lächeln kann darüber hat einen ganz einfachen Grund. Auch...

Captain 23. Dez 2008

rofl... ich behaupte, das in einem "ordinären" Patent mehr Hirnschmalz und...

Seher 14. Dez 2008

Britischer Minister offenbar bestochen sollte die Uberschrift lauten. Ich fordere nach...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Verkaufsverbot
Huawei will 50-Cent-Lizenzgebühr pro AVM-Fritzbox

Huawei hat gerichtlich ein gültiges Verkaufsverbot von Fritzboxen mit Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7 durchgesetzt. Es geht um Huaweis Patente für den Standard.

Verkaufsverbot: Huawei will 50-Cent-Lizenzgebühr pro AVM-Fritzbox
Artikel
  1. Federal Aviation Administration: Ermittlungen gegen Boeing nach Rumpfbeschädigung
    Federal Aviation Administration
    Ermittlungen gegen Boeing nach Rumpfbeschädigung

    Die US-Flugsicherheitsbehörde FAA ordnet eine Inspektion der Boeing-737-9-MAX-Flotte nach einem Vorfall an, bei dem ein Teil des Rumpfes herausbrach.

  2. Elektro-SUV: Porsche macht den Macan deutlich aerodynamischer
    Elektro-SUV
    Porsche macht den Macan deutlich aerodynamischer

    Der vollelektrische Porsche Macan soll "in Kürze" in die Produktion gehen. Dazu hat der Sportwagenhersteller neue Details zu dem SUV genannt.

  3. The Lost Crown im Test: Prince of Persia als super spaßiger Sidescroller
    The Lost Crown im Test
    Prince of Persia als super spaßiger Sidescroller

    Kein Prinz als Held, aber sonst königlich: Prince of Persia - The Lost Crown entpuppt sich im Test als rundherum gut gemachtes Abenteuer.
    Von Peter Steinlechner

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • PS5 + Spider-Man 2 569€ • AMD Ryzen 9 5950X 379€ • Switch-Controller 17,84€ • AOC 27" QHD 165Hz 229€ • MindStar: Gigabyte RTX 4070 Ti 819€ • Google -47% • Steelseries -64% • Corsair -39% • Bose -36% • 3 Spiele für 49€ • Gigabyte 27" QHD 240 Hz 399€ • EA-Spiele -66% [Werbung]
    •  /