Test: Blackberry Storm hat den Touchscreen mit Klick

Der berührungsempfindliche Touchscreen des Blackberry Storm ist auf der gesamten Fläche klickbar, so dass zum Ausführen von Befehlen der Bildschirm niedergedrückt wird. Damit erhält der Nutzer eine fühlbare Rückmeldung, wenn eine Schaltfläche betätigt wird. Die fehlende Rückmeldung von Touchscreens haben manche Hersteller versucht auszugleichen, indem das Gerät bei der Berührung von Schaltflächen vibriert. Allerdings enttäuschten die Resultate bisher und der Gewinn für den Anwender war dürftig.
Anders der Ansatz des Blackberry-Herstellers: Das klickbare Display sorgt für ein besseres Gefühl bei der Bedienung. Besonders bei der Eingabe von Texten über eine Bildschirmtastatur geht das Tippen einfacher von der Hand. Auch aufgrund der gut dimensionierten Tasten kommt es nicht so häufig zu Vertippern. Eine echte Tastatur kann aber auch dieser Ansatz nicht ersetzen. Denn das Erfühlen einzelner Tasten mit dem Finger ist damit nicht möglich. Gleichwohl gibt es derzeit kein anderes Mobiltelefon mit Touchscreen-Technik, mit dem sich über den Bildschirm so komfortabel Text eingeben lässt wie mit dem neuen Blackberry-Modell.
Die Klickfunktion des Touchscreens sorgt dafür, dass es zwei verschiedene Betriebsmodi zur Steuerung und damit neue Wege der Gerätebedienung gibt. Klickt der Nutzer den Touchscreen nicht, kann der Bildschirminhalt verschoben werden, ohne Sorge zu haben, versehentlich eine andere Funktion auszulösen. Dieses Problem haben manch andere Mobiltelefone mit Touchscreen-Funktion. Besonders beim Navigieren in Webseiten ist es von Vorteil, die Webseite mit dem Finger verschieben zu können, ohne ungewollt einen Link zu öffnen.
Zudem wird die von einigen Blackberry-Modellen bekannte SureType-Eingabe geboten. Das von RIM erdachte SureType-Layout verteilt Buchstaben auf 14 Tasten und ist an eine automatische Wortvervollständigung gekoppelt. Die SureType-Technik kommt vor allem bei Blackberry-Modellen zum Einsatz, die ein kleineres Gehäuse bieten und somit keinen Platz für eine vollwertige Tastatur haben.
Alle drei Tastaturen lassen sich gut bedienen und die Tasten sind großzügig dimensioniert, so dass Vertipper eher die Ausnahme als die Regel sind. Enttäuschend ist die im Querformat gebotene QWERTZ-Tastatur dann aber doch, weil es keine separaten Tasten für deutsche Umlaute gibt. Diese werden eingegeben, indem der zugehörige Vokal berührt wird. Es öffnet sich ein Pop-up-Fenster, aus dem der Umlaut ausgewählt werden kann. Das gilt auch für das ß, das sich hinter der S-Taste verbirgt. Das verringert Effizienz und Produktivität, weil der Nutzer warten muss, statt eine Taste direkt zu tippen.
Beim Einsatz der QWERTZ-Tastatur wird der Nutzer verleitet, Eingaben zügig mit zwei Fingern einzutippen. Dabei kann es aber passieren, dass Eingaben nicht wahrgenommen und quasi verschluckt werden. Es scheint, dass der Multitouch-Touchscreen mit einer zu hohen Geschwindigkeit nicht klarkommt.
Die drei Tastaturen zeigen immer nur Großbuchstaben, so dass der mögliche Komfort einer Bildschirmtastatur nicht ausgereizt wird. Intuitiver wäre es, wenn standardmäßig alle Tasten mit Kleinbuchstaben belegt wären und nur dann Großbuchstaben erscheinen, wenn die Umschalttaste betätigt wird. Andere Bildschirmtastaturen machen davon Gebrauch, so dass der Nutzer schnell sieht, welcher Modus gerade aktiv ist. Immerhin gibt es beim Blackberry Storm eine deutlich sichtbare Markierung, wenn die Umschalttaste betätigt wurde.
Während das iPhone bislang keine Funktion bietet, um Text zu markieren, um Fehleingaben zügig zu korrigieren oder Textbereiche in andere Applikationen zu kopieren, ist all das mit dem Blackberry Storm kein Problem. Bequem legt der Nutzer mit zwei Fingern fest, welcher Bereich eines Textes markiert werden soll. Dann kann dieser in die Zwischenablage kopiert und in andere Applikationen übertragen werden. Vorsicht ist aber geboten, wenn ein Textbereich markiert ist. Denn falls dann eine Eingabe erfolgt, wird der Textbereich ohne Rückfrage gelöscht und alle Eingaben sind verloren, sofern sie nicht vorher abgespeichert wurden. Eine Undo-Funktion hierfür gibt es nicht.
Indem das Gerät anders gehalten oder geschüttelt wird, lässt sich der Lagesensor bei anderen Mobiltelefonen dazu überreden, den Bildschirminhalt wie gewünscht anzuzeigen. Nicht so beim Blackberry Storm. Das Drehen und Wenden des Geräts brachte oftmals erst nach mehreren Wendemanövern Erfolg. Freude kommt damit nicht auf.
Durch den Einsatz eines Touchscreens musste RIM die Blackberry-Bedienung verändern, hat dabei aber nur wenig Mut bewiesen. Das grundsätzliche Bedienkonzept blieb gleich, so dass sich auch der Neuling nicht intuitiv bedienen lässt. So muss sich der Besitzer eines Blackberry Storm weiterhin durch lange Menüs quälen, um den gewünschten Befehl zu finden. Nur sehr kleine Pfeile zeigen dabei an, dass das Menü überhaupt mehr Einträge hat, als auf dem Bildschirm dargestellt werden. Im Test passierte es immer wieder, dass der falsche Menüpunkt aktiviert wurde, so dass lästige Fehler entstanden.
Auf dem Startbildschirm informiert das Blackberry Storm über eingegangene Nachrichten sowie Kurzmitteilungen und zeigt Datum und Uhrzeit an. Ein Klick auf diese Bereiche bleibt aber ohne Reaktion. Es öffnet sich weder die E-Mail-Applikation, noch die SMS-Anwendung, noch die Uhr oder der Kalender. Hier erwartet der Nutzer etwas anderes, wenn er ein Gerät mit Touchscreen-Bedienung in der Hand hält. Der Hersteller sollte hier nachbessern und diese Bereiche sinnvoller nutzbar machen.
Positiv fällt auf, dass sich alle Menüpunkte gut mit dem Finger bedienen lassen und nicht zu klein ausfallen. Das ist auch dringend erforderlich, weil sich der Touchscreen ausschließlich mit dem Finger steuern lässt und eine Stylus-Bedienung nicht funktioniert. Allerdings finden sich in den Programmen gelegentlich Dialoge, deren Inhalt nur teilweise zu lesen ist, besonders wenn die Tastatur eingeblendet ist. Der Anwender bleibt dann ratlos.
Das Display des Blackberry Storm bietet eine Diagonale von 3,25 Zoll und zeigt darauf bei einer Auflösung von 480 x 360 Pixeln bis zu 65.536 Farben. Sehr farbenfroh und kontrastreich zeigt das Display die Inhalte mit kräftigen Farben an, es lässt sich auch unter direktem Sonnenlicht vorzüglich ablesen. Das Display spiegelt zwar, das macht sich im alltäglichen Gebrauch aber nicht negativ bemerkbar. Die Displayhelligkeit wird automatisch an das Umgebungslicht angepasst.
Unterhalb des Displays befinden sich vier Knöpfe. Damit kann der Nutzer bequem Anrufe annehmen oder beenden, das Hauptmenü aufrufen und mittels der Escape-Taste einen Schritt zurückgehen. An der rechten Gehäuseseite befinden sich Lautstärketasten und eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, um handelsübliche Kopfhörer daran anzuschließen. Außerdem sind zwei Tasten vorhanden, die standardmäßig die Sprachwahl und die Kamera aufrufen. In den Optionen kann das geändert werden. Leider ist vor allem die Taste zur Sprachwahl ungünstig positioniert, so dass diese auch mal ungewollt betätigt wird.
Auch im Blackberry Storm kommt der kürzlich überarbeitete Browser von RIM zum Einsatz, der wie andere mobile Browser Websites verkleinert darstellt. Dadurch bleibt das Seitenlayout erhalten und der Anwender kann sich leichter zurechtfinden. Durch die Touchscreen-Ebenen passiert es beim Scrollen in einer Webseite nicht, dass versehentlich ein Link geöffnet wird, statt den Seitenausschnitt zu verändern.
Dem Blackberry-Browser fehlt eine Tab-Unterstützung, so dass maximal eine Webseite im Browser geöffnet werden kann. Bis eine Webseite geladen und dargestellt ist, dauert es vergleichsweise lange. Bei gleicher Mobilfunkabdeckung ist der noch nicht vollständig an den Blackberry Storm angepasste Browser Opera Mini deutlich zügiger. Das Rendern der Homepage von Golem.de dauerte im Blackberry-Browser bis zu 28 Sekunden, während Opera Mini die gleiche Webseite in 5 Sekunden anzeigt.
Der Startbildschirm kennt zwei Bedienoptionen. Im Hochkantformt erscheinen zunächst Statusinformationen sowie eine Auswahl an oft genutzten Programmen und Optionen. Ein zweiter Druck auf die Menütaste zeigt dann alle Applikationen und Einstellungen. Im Querformat gibt es hingegen nur die Ansicht mit allen Einträgen. In dieser langen Liste verbergen sich auch Verzeichnisse, die durch ein Ordnersymbol gekennzeichnet sind, das aber nicht sonderlich auffällig ist, so dass Nutzer nur schwer zwischen Programmen und Verzeichnissen unterscheiden können.
Der integrierte Mediaplayer versteht die Musikformate MP3, WMA, AAC, AAC+ sowie eAAC+ und Videos der Formate MPEG4,WMV, H.263 sowie H.264. Dem steht ein Equalizer mit elf Voreinstellungen zur Seite, um die Musikwiedergabe an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Der Mediaplayer lässt sich komfortabel über den Touchscreen bedienen und in langen Listen kann der Nutzer mit einem Fingerwisch scrollen. Alternativ dazu stehen Icons zur Verfügung, um seitenweise zu blättern.
Die Office-Software Documents To Go liegt nur in der Standardversion bei. Damit lassen sich Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumente öffnen und bearbeiten. Das Anlegen neuer Office-Dateien ist damit allerdings nicht ohne weiteres machbar. Der Menüpunkt zum Anlegen neuer Dateien ist gesperrt und ein Klick darauf fordert zum Kauf der Premiumausführung von Documents To Go auf. Mit Hilfe einer Vorlagedatei kann diese Einschränkung jedoch umgangen werden. Das bedeutet: Wer keine Word-, Excel- oder PowerPoint-Dateien auf dem Blackberry Storm hat, kann mit der Standardversion keine neuen Dateien anlegen.
Die Klangqualität des Blackberry Storm ist gut, Stimmen sind klar und deutlich zu erkennen. Auch die Freisprechfunktion transportiert Telefonate gut verständlich. Die Telefonapplikation lässt sich als eine der wenigen Applikationen nur im Hochformat verwenden, eine Querformatdarstellung gibt es nicht. Beim Telefonieren sollte man das Blackberry Storm nicht zu fest ans Gesicht drücken, sonst werden ungewollt Funktionen wie Anruf halten, Mikrofon aus oder Freisprechen aktiviert. Je nach Telefongewohnheit kann das sehr nervig sein. Das Unterklemmen zwischen Kinn und Schulter sollte man mit dem Blackberry Storm in jedem Fall meiden.
Die integrierte 3,2-Megapixel-Kamera bietet einen Autofokus sowie ein LED-Licht und kann den integrierten GPS-Empfänger verwenden, um aufgenommene Fotos mit Geotags zu verwenden. Mit Hilfe von Geotags wird der Aufnahmestandort mit abgespeichert. Diese Option ist standardmäßig deaktiviert und muss erst eingeschaltet werden.
Um den GPS-Empfänger für die Navigationen zu nutzen, ist Blackberry Maps installiert, das auch Navigationsfunktionen bietet. Darüber werden Kartendaten mobil über das Internet geladen, so dass die Navigationssoftware im Ausland aufgrund von Roaminggebühren schnell hohe Kosten verursacht. Alternativ kann auch Google Maps nachträglich installiert werden, das aber ohne umfassende Navigationsfunktionen daherkommt.
Der interne Flash-Speicher fasst 1 GByte, so dass zahlreiche Fotos, Musikstücke oder Videos darin Platz finden. Der RAM-Speicher ist 128 MByte groß und dient zum Ausführen der Applikationen. Zudem können Daten auf einer Micro-SD-Karte ausgelagert werden. Das Gerät unterstützt Karten mit einer Kapazität von bis zu 16 GByte. Bei der Produktankündigung war nur von einer maximalen Kapazität von 8 GByte die Rede, hier hat sich also etwas für den Kunden verbessert. Der Speicherkartensteckplatz befindet sich unterhalb des Akkudeckels. Zum Wechsel der Speicherkarte muss der Akku nicht entfernt werden.
Mit dem austauschbaren Akku wiegt das Blackberry Storm vergleichsweise schwere 155 Gramm. Das 112,5 x 62,2 x 13,95 mm messende Mobiltelefon liegt aber gut in der Hand, vermittelt einen soliden Eindruck und die Gehäuserückseite ist aus Metall. Ansonsten überwiegt Kunststoff beim Gehäuse.
Zum Lieferumfang des Blackberry Storm 9500 gehören ein Netzteil mit Adaptern für andere Länder, ein USB-Kabel, ein Reinigungstuch, ein Stereo-Headset sowie eine Tasche, die das Gehäuse aber nicht vollständig schützt.
Vodafone bietet den Blackberry Storm exklusiv in Deutschland zum Preis von 479,50 Euro ohne Vertrag an. Mit einem Mobilfunkvertrag verringert sich der Gerätepreis. Vodafone bietet verschiedene Tarife an, die bereits im vergangenen Monat vorgestellt wurden.
Fazit:
Technisch überzeugt der klickbare Touchscreen des Blackberry Storm. Er verschafft ein vollkommen neues Touchscreen-Erlebnis. Die Eingabe von Texten ist so komfortabel wie mit keinem anderen Touchscreen-Mobiltelefon. Wer normale Touchscreens gewohnt ist, muss sich zwar ein wenig umstellen, gewöhnt sich aber zügig daran. Zudem lässt sich das Display vorzüglich ablesen und Inhalte zeigt es farbenfroh und kontrastreich an. Aber die unzureichende Softwareunterstützung verleidet das Vergnügen mit dem Blackberry Storm.
Unzufriedenheit hinterlassen auch die unzureichend realisierten Bildschirmtastaturen, die ohne viel Programmieraufwand komfortabler sein könnten. Vielschreiber werden damit nicht glücklich, denn der klickbare Touchscreen ist einer echten Tastatur nicht ebenbürtig, so dass das Fehlen einer echten Tastatur diese Kundengruppe schmerzt.
Auch der unzuverlässig arbeitende Lagesensor trübt die Freude am Gerät nachhaltig. Immer wieder kam es im Test vor, dass das Mobiltelefon langsam und träge reagierte. Letzteres war bisher kein Problem von Blackberry-Geräten – mit dem Blackberry Storm ändert sich das. Im Test kam es außerdem immer wieder zu Programmabstürzen, was für Blackberry-Smartphones ebenfalls bislang die Ausnahme war. Insgesamt wirkt die gesamte Software unfertig und es bleibt nur die Hoffnung, dass RIM mit entsprechenden Firmwareupgrades zügig nachbessert.
Allerdings lässt sich damit nicht das Fehlen einer echten Tastatur sowie WLAN ausgleichen. Besonders das fehlende WLAN lässt den Blackberry Storm im Vergleich zur Konkurrenz sehr blass aussehen. Denn in dieser Preisklasse gehört diese Funktechnik mittlerweile zur Pflichtausstattung. Vielleicht schafft es RIM, diese beiden Kritikpunkte bei einem kommenden Storm-Ableger zu beseitigen.



