Test: Asus P552w ist eine hakelige Angelegenheit

In das Glide-Menü gelangt der Anwender über einen Knopf unterhalb des Displays links neben dem Fünf-Wege-Navigator. Wenn der Nutzer die Glide-Taste drückt, öffnet sich eine kreisende Menüdarstellung. Mit einem sanften Streichen gelangt der Nutzer von Menüpunkt zu Menüpunkt. So erreicht er schneller verschiedene Funktionen als über das nach wie vor sehr unübersichtliche Menü von Microsofts Windows Mobile 6.1 Professional. Über Glide kann der Nutzer den Browser aufrufen, Multimediaprogramme öffnen, häufig benutzte Programme starten und auch oft benötigte Kontakte auflisten, um diese schnell anrufen zu können.
Als weitere Besonderheit besitzt das P552W eine spezielle Gestensteuerung, die allerdings standardmäßig deaktiviert ist. Zum Einschalten der Funktion verbirgt sich in den Systemeinstellungen der Punkt Gester. Womöglich wurde die Option bewusst nicht eingeschaltet, weil diese Art der Bedienung einige Übung erfordert und daher nicht überzeugt.
Denn der Nutzer muss genau den richtigen Druck erwischen, um zum Beispiel durch eine lange Kontaktliste zu scrollen. Das ist nicht ganz einfach: Wer zu fest drückt, bewegt gar nichts, fällt der Druck zu sanft aus, passiert ebenfalls nichts. Hat man nach einiger Übung den richtigen Dreh gefunden, rollen die Daten nur so durch und der Nutzer kann mit dem Finger durch lange Kontakt- oder Fotolisten scrollen.
Positiv fällt auf, wie viel zusätzliche Software Asus auf das 102 x 60,5 x 14,5 mm messende P552w gepackt hat. Zunächst seien die bei Windows Mobile 6.1 Professional üblichen Applikationen genannt. Das sind die PIM-Applikationen zur Termin-, Adress- sowie Aufgabenverwaltung und die Mobile-Varianten von Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Internet Explorer und Windows Media Player zu finden. Die mobile PowerPoint-Ausführung kann dabei zur Ansicht von Präsentationen genutzt werden, eine Bearbeitung ist damit nicht möglich.
Für den direkten Zugriff auf eine Websuche hat Asus Googles Websuche auf den Startbildschirm gepackt. Der Nutzer kann in der hierfür vorgesehenen Zeile direkt einen Begriff eingeben und gelangt binnen 10 Sekunden per HSDPA zu den passenden Suchergebnissen.
Der Touchscreen im P552w bietet eine Bilddiagonale von 2,8 Zoll und zeigt bei einer Auflösung von 240 x 320 Pixeln bis zu 65.536 Farben. Kontrast und Helligkeit der Anzeige könnten allerdings stärker sein. Bei strahlender Sonne ist das Display schwer zu lesen, selbst wenn der Nutzer die höchste Helligkeitsstufe eingestellt hat. Standardmäßig ist das Display gedimmt, damit der Akku länger durchhält. Der Touchscreen reagiert nicht sehr zuverlässig, so dass es wenig Vergnügen bereitet, mit dem Gerät zu arbeiten.
Mit einer 2-Megapixel-Kamera lassen sich Fotos und Videos aufnehmen, allerdings kommt die Kamera ohne Autofokus aus. Viel darf man von der Bildqualität nicht erwarten, die Farben eines Fotos gehen einen Tick ins Bläuliche, mit der Schärfe hat die Kamera bei vielen Motiven ihre Schwierigkeiten. Vor allem darf der Anwender nicht zu nahe ans Motiv gehen. Geotagging beherrscht die Kamera nicht, obwohl ein GPS-Empfänger integriert ist.
Asus verspricht, dass das P552w mit der Navigationssoftware iGo ausgeliefert wird. Unserem Testmodell fehlte diese Software allerdings, so dass wir nicht einschätzen können, wie gut die Software für die Navigation geeignet ist. Per Google Maps ortet das Gerät den Nutzer binnen 20 Sekunden, eine Routenberechnung dauert etwa 5 Sekunden per HSDPA. Eine vollständige Navigationslösung stellt Google Maps aber bekanntlich nicht dar.
Das UMTS-Smartphone unterstützt die drei GSM-Netze 900, 1.800 sowie 1.900 MHz und beherrscht neben EDGE und GPRS auch HSDPA mit einer Datenrate von bis zu 3,6 MBit/s. Als weitere Drahtlostechniken stehen WLAN 802.11b/g sowie Bluetooth 2.0 bereit. Die Sprachqualität bei Anrufen ist eher mäßig, der Gesprächspartner klingt stark verschnupft. Teilweise sind Worte nur abgehackt zu verstehen. Zudem begleitet ein ständiges leichtes Rauschen die Telefonate. Schaltet der Anwender die Freisprechfunktion an, kommen auch noch Hallgeräusche hinzu.
Ursprünglich für Mitte Oktober 2008 geplant, kommt das P552w nun mit sechs Wochen Verspätung erst Ende November 2008 auf den deutschen Markt. Das Smartphone wird mit Navigationssoftware ausgeliefert und soll für 499 Euro ohne Vertrag über die Ladentheke gehen. Großzügig zeigt sich Asus beim Lieferumfang: Neben einer 2 GByte großen Speicherkarte mit Europakarten kommt das Asus P552w noch mit einer Kfz-Halterung fürs Auto und einem Autoladekabel.
Fazit:
Asus versucht mit dem P552w dem nachzueifern, was HTC mit den Touch-Modellen vorgelegt hat. Auch das Asus-Modell soll Kunden überzeugen, indem es eine hübschere Bedienoberfläche als das normale Windows Mobile erhält. Außerdem lässt es sich mit dem Finger und mit Gesten steuern. Sowohl die Glide-Oberfläche als auch die Gestenbedienung überzeugt aber nicht. Viel zu oft hakt und ruckelt es, so dass der Kunde den Eindruck hat, ein unfertiges Gerät in den Händen zu halten.
Auch die Resultate der integrierten Kamera enttäuschen und die Multimediafunktionen können ebenfalls nicht recht begeistern, gerade im Vergleich mit den Touch-Modellen von HTC. In Ermangelung einer echten Tastatur eignet sich das Gerät auch nicht, um bequem längere Texte einzugeben. Einen Pluspunkt gibt es immerhin für die im Lieferumfang enthaltene Kfz-Halterung und das Kabel zum Anschluss an den Zigarettenanzünder im Auto.
Wer ein Gerät mit ähnlichen Leistungsdaten von einem anderen Hersteller sucht, sollte sich das HTC Touch 3G ansehen. Allerdings ist hier keine Navigationssoftware integriert. Die schlägt für eine Onboard-Navigation mit 60 bis 100 Euro zusätzlich zu Buche. [von Yvonne Göpfert und Ingo Pakalski]



