Das Auto der Zukunft ist elektrisch

Das Elektroauto ist leise, sauber und unabhängig von fossilen Brennstoffen. Doch bislang sind Autos wie der schnittige Tesla die Ausnahme, der Verbrennungsmotor die Regel.
Wenn sich das ändern soll, wenn die Fortbewegung der Zukunft elektrisch sein soll, dann bedarf es vor allem einer neuen Versorgungsinfrastruktur, die dem heutigen Netz von Tankstellen vergleichbar ist. Darin waren sich Politiker, Wissenschaftler und Unternehmensvertreter auf der Nationalen Strategiekonferenz Elektromobilität, die in Berlin stattfand, einig.
Das Elektroauto der Zukunft wird übrigens nicht nur der Fortbewegung dienen. Das intelligente Stromnetz wird es dem Autobesitzer ermöglichen, eigenes Energiemanagement zu betreiben oder sogar als Anbieter auf dem Strommarkt aufzutreten. Hat der Elektroautofahrer zu Hause einen intelligenten Stromzähler, der zwischen teurem Tag- und günstigem Nachtstrom unterscheidet, kann er die Akkus seines Autos günstig laden, erklärte Joachim Schneider von RWE.
Steht das mit günstigem Strom geladene Auto in der Garage, kann der Strom aus dem Akku in teuren Spitzenzeiten, etwa mittags, in den Haushalt eingespeist werden, um die Stromkosten zu senken. Eine andere Möglichkeit ist, das Auto in ein virtuelles Kraftwerk einzubinden und so mit dem Elektroauto Geld zu verdienen.
Das jedoch ist nur möglich, wenn der Wertverlust des Akkus geringer ist als der Gewinn, den der Nutzer mit dem von ihm bereitgestellten Strom erzielt. Neben der intelligenten Infrastruktur sind deshalb leistungsfähigere Akkus für Elektroautos gefragt. Auf diesem Markt ist Deutschland nur mit sehr wenigen Herstellern vertreten. Marktführer sind Japan und Korea, dort gibt es mehr Experten und die Länder sind in der Serienfertigung solcher Akkus schon weiter.
Neue Kraftwerke müssen für die Elektroautos indes nicht gebaut werden: Selbst wenn es im Jahr 2020 eine Million Elektroautos geben sollte, wie es angestrebt wird, würden die nur einen Bruchteil des heutigen Stromverbrauchs ausmachen. Auf lange Sicht soll der Strom für die Autos aus regenerierbaren Quellen stammen. Um eine schnelle Einführung von Elektroautos zu gewährleisten, wollen die Akteure jedoch zunächst auf den aktuellen Strommix zurückgreifen. Das missfällt der Umweltschutzorganisation Greenpeace , die anlässlich der Konferenz eine Protestaktion inszenierte.
Deutschland droht in diesem innovativen Sektor ins Hintertreffen zu geraten. Während hierzulande noch diskutiert werde, baue das Unternehmen Better Place in den USA bereits eine Infrastruktur und schaffe damit Fakten, die eine normative Kraft bekämen, warnte Schmid vom ISET. Die traditionsreiche Energie- und Automobilindustrie könnte in Deutschland zum Hemmschuh werden. Länder wie Indien, Russland oder China, die solche Traditionen nicht haben, sind flexibler und könnten den deutschen Herstellern schwer zu schaffen machen. Die Entwicklung müsse also auf allen Gebieten schnell vorangetrieben werden, forderten die Experten.
Künftig sollen Elektroautos in Leichtbauweise hergestellt werden. Das hat unter anderem den Vorteil, dass leichtere Autos eine größere Reichweite haben - der Fahrer kann längere Strecken bewältigen. Für die Kunden eines der wichtigsten Kriterien.
Um das Elektroauto zukunftsfähig zu machen, müssten sich allerdings nicht nur Hersteller engagieren, der Staat müsse Rahmenbedingungen schaffen, forderte Jan-Welm Biermann vom Institut für Kraftfahrwesen der RWTH Aachen. Es müsse neue Zulassungsvorschriften für die Technik geben, schadstofffreie Fahrzeuge müssten gekennzeichnet werden und neue Steuermodelle könnten die anfänglichen Mehrkosten für Elektroautos kompensieren.
Damit 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren, gibt es einen Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität. Die Ergebnisse der Berliner Konferenz sollen darin eingehen.



