Suchtexperte: Exzessive Spieler sind nicht süchtig
Obwohl die Symptome auf den ersten Blick denen einer Alkohol- oder Rauschgiftsucht ähnelten, sei das eigentliche Problem ein anderes, sagt Bakker. "Je mehr wir mit diesen Jugendlichen arbeiten, desto weniger glaube ich, dass wir von einer Sucht sprechen können. Was die Kids brauchen, sind ihre Eltern und ihre Lehrer. Wir haben es mit einem sozialen Problem zu tun."
Eine Sucht im klassischen Sinne liegt laut Bakker dann vor, wenn zum Spielen eine Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen hinzukommt. Das sei bei nur etwa zehn Prozent seiner Patienten der Fall. Hier sei eine klassische Sucht- und Entwöhnungstherapie angebracht.
Auf Grundlage ihrer Erfahrungen habe Bakkers Klinik die Behandlungspläne für extreme Computerspieler deutlich überarbeitet. Künftig stehen die Entwicklung von Kommunikationsfähigkeiten und ein aktives Sozialleben stärker im Mittelpunkt. "80 Prozent der jungen Leute, mit denen wir es zu tun haben, wurden an der Schule tyrannisiert und fühlen sich einsam. Viele Symptome, die sie zeigen, können durch die gute, alte Kommunikation behoben werden", so Bakker.
Bakker vertritt die Meinung, die eigentliche Ursache des zunehmenden Problems seien Eltern, die ihre Fürsorgepflicht verletzten. Spieler, die älter als 18 Jahre alt sind, müssten sich natürlich selbst um Hilfe kümmern. Sie machen nach BBC-Angaben 87 Prozent der Onlinespieler aus. Bei jüngeren Spielern, so Bakker, müssten aber Eltern tätig einschreiten und ihr Kind notfalls vom Computer oder der Konsole wegbringen. Nach einer gewissen Zeit fänden die Jugendlichen dann andere Möglichkeiten, Beschäftigung und vor allem Anerkennung zu bekommen.